
Alles über den Curly Coated Retriever
Der Curly Coated Retriever ist der Sonderling unter den Apportierhunden. Ältester und größter aller Retriever, unverwechselbar durch das enge Lockenkleid, dabei so selten geworden, dass viele Hundemenschen ihn noch nie im Alltag gesehen haben. Wer ihn kennt, spricht selten neutral über ihn. Der Curly ist ein Hund für Menschen, die einen eigenständigen, würdevollen Charakter dem stürmisch-jederhund-begrüßenden Wesen anderer Retriever vorziehen. Diese Seite nimmt dich mit durch Herkunft, Genetik, Wesen, Gesundheit und Eignung. Ehrlich, tief und mit dem Blick einer Trainerin, die lieber die Ursachen hinter Verhalten versteht, als an Symptomen herumzudoktern.
Herkunft: der erste echte Retriever
Der Curly Coated Retriever gilt als älteste englische Retrieverrasse. Seine Wurzeln reichen weiter zurück als die von Labrador oder Golden Retriever, die erst deutlich später eigene Rassestandards erhielten. Schon 1621 beschrieb der englische Autor Gervase Markham den idealen Wasserhund, den „best Water Dogge“, als schwarz oder leberfarben, kräftig, ausdauernd im Schwimmen und mit langem, gelocktem Fell. Diese Beschreibung passt so treffend auf den heutigen Curly, dass Fachleute darin einen frühen Vorfahren sehen.
Die genaue Ahnenreihe bleibt umstritten, weil systematische Zuchtbücher erst spät geführt wurden. Als wahrscheinlichste Grundlage gilt der inzwischen ausgestorbene English Water Dog. Dazu kamen der St. John’s Dog, ein kleiner Vorläufer des Neufundländers und Urahn des Labradors, sowie vermutlich Irish Water Spaniel, Setter und Pointer. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde gezielt der Pudel eingekreuzt, um die Locke fester und dichter zu machen. Genau diese enge, wasserabweisende Kräuselung sollte den Hund bei der Arbeit im kalten Wasser und im dornigen Dickicht schützen.
Der Curly war nie ein Hund der Aristokratie. Historiker nennen ihn den Arbeiterhund unter den Retrievern, weil er vor allem bei Wildhütern, Berufsjägern und Wilderern beliebt war. Diese Menschen brauchten einen zuverlässigen, robusten Apporteur, der bei Wind und Wetter Enten aus dem See holte, Kaninchen über Felder trug und dabei ein weiches Maul behielt, ohne das Wild zu beschädigen. Der Curly konnte all das. Er wurde 1860 in Birmingham zusammen mit anderen Retrievern erstmals auf einer Ausstellung gezeigt, ab 1863 wurden die Retrieverschläge getrennt beurteilt. Als der englische Kennel Club 1874 sein erstes Zuchtbuch veröffentlichte, war der Curly bereits vertreten. Der erste Rasseklub in Großbritannien entstand 1933.
Von England aus verbreitete sich die Rasse früh in die Welt. Ende des 19. Jahrhunderts wurden Curlies nach Australien und Neuseeland exportiert, wo sie bei Jägern so beliebt wurden, dass sie dort teils stärker vertreten waren als in ihrer Heimat. In die USA kam der Curly 1907, 1924 erkannte ihn der American Kennel Club als erste Retrieverrasse überhaupt offiziell an.
Beinahe verloren: die Rasse zwischen den Weltkriegen
Die Geschichte des Curly ist auch eine Geschichte des Fast-Verschwindens. Zwei Weltkriege trafen die Rasse hart. Zuchtressourcen fehlten, Würfe blieben aus, und gleichzeitig verschob sich der Publikumsgeschmack hin zu Labrador und Golden Retriever, die leichter zu bekommen und unkomplizierter im Umgang mit Fremden waren. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. In den USA wurden zwischen 1941 und 1949 nur sechzehn Curlies registriert. In Großbritannien standen 1942 und 1943 jeweils nur dreizehn Eintragungen zu Buche. Die Rasse balancierte am Rand des Aussterbens.
Dass es den Curly heute noch gibt, verdanken wir engagierten Züchterinnen und Züchtern, die in den 1950er und 1960er Jahren mit viel Idealismus wieder aufbauten, was fast verloren war. Sie setzten auf gezielte Verpaarungen, tauschten Zuchttiere über Ländergrenzen hinweg und importierten strategisch neues Blut, um die schmale genetische Basis zu verbreitern. Diese Arbeit an der genetischen Vielfalt ist bis heute das zentrale Thema der Rasse geblieben.
Auch aktuell zählt der Curly Coated Retriever in Großbritannien zu den sogenannten Vulnerable Native Breeds, den gefährdeten heimischen Rassen mit weniger als 300 Welpeneintragungen pro Jahr. Die realen Zahlen liegen meist deutlich darunter, in manchen Jahren bei rund 53 bis gut 100 Welpen. Der Kennel Club nahm den Curly deshalb in seine Kampagne für vergessene Rassen auf. Es gab zuletzt vorsichtige Lichtblicke. 2023 meldete der britische Kennel Club einen spürbaren Anstieg der Welpenzahlen gegenüber dem Vorjahr. Für dich als Interessent bedeutet das zweierlei. Der Curly ist eine echte Rarität, für die du Geduld und oft eine Warteliste brauchst. Und jeder gut geplante, gesund gezüchtete Wurf trägt aktiv zum Erhalt einer besonderen alten Rasse bei.

Erscheinungsbild und FCI-Standard Nr. 110
Der Curly wird nach dem FCI-Standard Nr. 110 beurteilt und gehört zur Gruppe 8, den Apportier-, Stöber- und Wasserhunden, Sektion 1 mit Arbeitsprüfung. Der Standard zeichnet das Bild eines kräftigen, gut aufgerichteten Hundes mit einer gewissen Eleganz und einem unverkennbaren Haarkleid. Der Körper ist etwas länger als hoch, gemessen von der Brustbeinspitze bis zum Sitzbeinhöcker. Das Ganze wirkt sportlich und ausdauernd, niemals schwerfällig.
In der Größe ist der Curly der Riese unter den Retrievern. Der Standard nennt als Widerristhöhe etwa 67,5 cm für Rüden und 62,5 cm für Hündinnen. Das Gewicht bewegt sich je nach Geschlecht und Bautyp meist zwischen rund 28 und 40 kg. Der Kopf ist keilförmig, im vorderen wie im seitlichen Profil, mit nur geringem Stop. Schädel und Fang sind gleich lang, ihre Linien verlaufen parallel. Die Augen sind groß, oval und schräg eingesetzt, der Ausdruck ist wach und aufmerksam. Das Gebiss ist ein vollständiges Scherengebiss, bei dem die obere Schneidezahnreihe eng über der unteren schließt.
Der Standard erlaubt nur zwei Farben, einfarbig Schwarz oder einfarbig Leberbraun, im Englischen liver genannt. Der Nasenschwamm folgt der Fellfarbe, schwarz beim schwarzen Hund, braun beim leberfarbenen. Viele Menschen kennen nur den schwarzen Curly und sind überrascht, dass die warme, schokoladige Leberfarbe genauso zum Standard gehört. Beide Farbschläge sind gleichwertig, es gibt keinen züchterischen Rang zwischen ihnen.
Das Lockenkleid: einzigartig in Struktur und Genetik
Kein anderes Merkmal definiert den Curly so sehr wie sein Fell. Der ganze Körper vom Hinterkopf bis zur Rutenspitze ist von einer dichten Masse kleiner, fester, eng anliegender Locken bedeckt. Gesicht, Stirn, Ohren und die Vorderseite der Läufe tragen dagegen glattes, kurzes Haar. Der Standard fordert ausdrücklich, dass es keine kahlen Stellen geben darf. Ein Curly besitzt keine Unterwolle, sein Haarkleid ist ein sogenanntes Einfachhaar. Genau diese Kombination aus fehlender Unterwolle und enger Locke macht das Fell so wasserabweisend und selbsttrocknend. Der Hund schüttelt sich, und das Wasser perlt ab.
Hinter der berühmten Locke steckt spannende Genetik, die den Curly wissenschaftlich zu einem Sonderfall macht. Verantwortlich für die Kräuselung ist das Gen KRT71, das den Bauplan für ein Keratin liefert, also einen Baustein der Haarstruktur. Bei den meisten lockigen Hunderassen sorgt die sogenannte c1-Variante für die Welle oder Locke. Der Curly Coated Retriever trägt jedoch eine zweite, eigene Variante, die c2-Variante, die in der Rasse vollständig durchgesetzt ist. Das bedeutet, jeder reinrassige Curly besitzt diese Locke von beiden Elternteilen. Forscher fanden diese c2-Variante nur in geringer Häufigkeit bei wenigen anderen Wasser- und Lockenrassen wieder, beim Curly dagegen ist sie fest verankert.
Dieser genetische Unterschied ist mehr als eine Fußnote für Nerds. Die Locke des Curly entsteht dadurch, dass die Haarstruktur anders aufgebaut ist. Das hat Folgen für die Pflege, und in bestimmten Fällen auch für die Gesundheit der Haut, worauf ich gleich noch genauer eingehe.
Fellpflege: weniger Bürste, mehr Wasser
Die gute Nachricht vorweg. Das Curly-Fell ist erstaunlich pflegeleicht, wenn man es richtig behandelt. Die schlechte Nachricht für alle Bürsten-Fans. Wer einen Curly kräftig durchbürstet, zerstört die Locke. Trockenes Bürsten löst die enge Kräuselung auf und lässt das Fell aufplustern wie eine Löwenmähne. Deshalb gilt eine einfache Grundregel. Locke und Wasser gehören zusammen. Wird das Fell feucht, kehrt die Struktur von selbst zurück. Viele Curly-Menschen feuchten die Locken nach dem Kämmen bewusst wieder an, damit sie sich neu formen.
In der Praxis heißt das. Regelmäßiges vorsichtiges Kämmen entfernt abgestorbene Haare und beugt kleinen Verfilzungen vor, gerade in der Zeit des Fellwechsels. Danach darf das Fell ruhig angefeuchtet werden. Ein leichtes Trimmen der Konturen etwa alle sechs Wochen hält den Hund gepflegt, ist aber kein Muss für den reinen Familienhund. Nach jedem Bad im See solltest du die Ohren kontrollieren und trocknen, dazu weiter unten mehr. Der Curly haart insgesamt weniger stark als Rassen mit dichter Unterwolle, ein sauberes Zuhause ist mit ihm also gut machbar.
Follikuläre Dysplasie: warum das Geschirr zum Thema wird
Hier kommt ein Punkt, den die meisten Steckbriefe komplett übergehen, der aus meiner Sicht aber zum Wesenskern verantwortungsvoller Curly-Haltung gehört. Die besondere c2-Variante im KRT71-Gen bringt nicht nur die schöne Locke mit sich. Sie steht auch im Verdacht, ein Risikofaktor für eine sogenannte follikuläre Dysplasie zu sein, eine Störung der Haarfollikel, die zu Haarausfall führen kann. Betroffene Curlies verlieren dann fleckenweise Haar, oft an Rumpf und Flanken.
Der Grund liegt in der Struktur. Forschung der Universität Bern hat gezeigt, dass die Locke beim Curly durch die c2-Variante entsteht, und dass diese Haare vermutlich lockerer in der Haut verankert sind und leichter brechen als bei Hunden mit der c1-Variante. Im Klartext bedeutet das. Mechanische Reibung an einer Stelle kann bei diesen Hunden eher zu Haarverlust führen. Als Beispiel nennen die Forscher ausdrücklich ein scheuerndes Geschirr.
Für dich als Halterin oder Halter ergibt sich daraus ein konkreter, wichtiger Hinweis. Achte beim Curly ganz besonders auf ein gut sitzendes, sauber gepolstertes Geschirr, das nirgends reibt oder einschneidet. Ein Geschirr, das an Brust oder Achseln scheuert, ist bei dieser Rasse nicht nur unbequem, es kann sichtbaren Haarausfall auslösen. Kontrolliere die Passform regelmäßig, gerade bei Junghunden im Wachstum, und wechsle das Modell, sobald der Hund an einer Kontaktstelle Haar verliert. Das ist kein kosmetisches Detail. Es ist gelebter Tierschutz, der direkt aus dem Verständnis der Rassegenetik folgt. Genau an solchen Stellen unterscheidet sich echtes Fachwissen von der zehnten Kopie desselben Steckbriefs.
Wesen und Charakter: der würdevolle Individualist
Wenn du beim Wort Retriever an einen Hund denkst, der jeden Fremden stürmisch anspringt und die Welt umarmen will, wird dich der Curly überraschen. Er ist freundlich, aber er ist kein Draufgänger der Herzen. Der Curly beobachtet erst, wägt ab und entscheidet dann selbst, wie viel Nähe er einem fremden Menschen schenkt. Gegenüber Unbekannten wirkt er oft zurückhaltend und distanziert, was der Standard treffend als selbstbewusst und unabhängig beschreibt. Diese Distanz ist keine Ängstlichkeit und keine Unfreundlichkeit. Sie ist Würde.
Zu seinen eigenen Menschen ist der Curly tief verbunden, verschmust auf seine ruhige Art und ausgesprochen loyal. Er ist intelligent, ausgeglichen und verlässlich, dazu wachsam genug, um Veränderungen im Umfeld zu bemerken, ohne zum Kläffer zu werden. Curlies bellen eher selten, dann aber mit sattem Ton. Diese Mischung aus Freundlichkeit im Kern und natürlicher Reserviertheit nach außen macht ihn zu einem angenehmen, unaufdringlichen Begleiter, der nicht ständig im Mittelpunkt stehen muss.
Ein Merkmal solltest du unbedingt einplanen. Der Curly ist ein ausgesprochener Spätentwickler. Wo andere Rassen mit zwei Jahren erwachsen wirken, bleibt der Curly oft bis ins dritte Lebensjahr hinein albern, verspielt und kindlich im Kopf. Das ist charmant und anstrengend zugleich. Es bedeutet, dass du mit einem großen, kräftigen Hund lebst, der innerlich noch lange Welpe ist. Wer das weiß und mit Humor nimmt, hat viel Freude an dieser langen Jugendphase. Wer sofortigen Gehorsam und Ernsthaftigkeit erwartet, wird sich schwer tun.
Erziehung: Bindung statt Druck
Der Curly ist ein kluger, eigenständig denkender Hund, und genau das solltest du in der Erziehung als Geschenk verstehen, nicht als Widerstand. Diese Rasse wurde jahrhundertelang darauf gezüchtet, im Feld selbstständig Entscheidungen zu treffen, während der Hund weit weg vom Menschen arbeitete. Ein Hund, der eigenständig apportiert und Wege im Wasser sucht, hinterfragt eben auch mal eine Aufforderung. Das ist kein Ungehorsam, das ist genau die Intelligenz, für die die Rasse geschätzt wurde.
Wer einen Curly über Druck, Zwang oder ständige Korrektur führen will, verliert ihn innerlich. Reserviert und selbstbewusst, wie er ist, macht er nicht einfach dicht wie manch anderer Hund, er zieht sich zurück und arbeitet weniger gern mit. Der Weg, der bei ihm trägt, führt über Bindung, Vertrauen und klare, faire Regeln. Belohnungsbasiertes, gewaltfreies Training passt zu diesem Hund wie kaum ein anderer Ansatz. Zeig ihm, dass Zusammenarbeit sich lohnt und Spaß macht, dann bekommst du einen begeisterten, kreativen Partner.
Ein Grundsatz aus meiner täglichen Arbeit gilt für jede Rasse, auch für den Curly. Wenn ein Hund plötzlich nicht mehr mitmachen will, lahmt in der Motivation oder Aufforderungen ignoriert, lohnt der Blick auf mögliche körperliche Ursachen, bevor man von Sturheit oder mangelndem Willen spricht. Schmerzen, Unwohlsein oder Unsicherheit zeigen sich bei Hunden oft als Verweigerung, nicht als Klagen. Gerade bei einem so würdevollen, wenig dramatischen Hund wie dem Curly ist es wichtig, subtile Signale ernst zu nehmen. Ein Hund, der gestern gern apportiert hat und heute nicht mehr, teilt dir etwas mit. Deine Aufgabe ist es, zuzuhören, statt zu strafen.
Wichtig ist auch die Auslastung des Kopfes. Der Curly braucht Aufgaben, sonst sucht er sich selbst welche. Nasenarbeit, Dummytraining, gemeinsames Suchen und Lösen kleiner Aufgaben halten ihn zufrieden. Ein unterforderter Curly kann eigensinnig und findig werden, ein ausgelasteter ist ein entspannter Begleiter im Haus.
Gesundheit: was du wirklich wissen musst
Der Curly gilt insgesamt als robuste Rasse mit einer soliden Lebenserwartung. Eine große britische Studie aus dem Jahr 2024 ermittelte für den Curly eine mittlere Lebenserwartung von 12,2 Jahren, was nahe am Durchschnitt reinrassiger Hunde von 12,7 Jahren liegt. Robust heißt aber nicht sorgenfrei. Wie bei jeder Rasse mit schmaler Zuchtbasis lohnt der genaue Blick auf die typischen Themen, und bei genau diesem Blick trennt sich verantwortungsvolle Zucht vom schnellen Vermehren. Die folgenden Punkte solltest du kennen, bevor du dich auf die Suche nach einem Welpen machst.
Glykogenspeicherkrankheit Typ IIIa (GSD IIIa)
Diese Erkrankung ist der ernsteste erbliche Punkt beim Curly und der wichtigste Grund, niemals ohne DNA-Test zu kaufen. GSD IIIa entsteht durch einen Defekt im AGL-Gen, das für ein Enzym zum Abbau von Glykogen zuständig ist. Fehlt dieses Enzym, sammelt sich Glykogen in Leber und Muskulatur an, statt in nutzbaren Zucker umgewandelt zu werden. Betroffene Hunde zeigen ab einem Alter von einigen Monaten Unterzuckerung, Lethargie, Muskelschwäche und Belastungsintoleranz, später drohen Leberversagen sowie Herz- und Nervenprobleme. Die Erkrankung verläuft fortschreitend und für schwer betroffene Hunde tragisch.
Die Vererbung ist autosomal-rezessiv. Das bedeutet, nur Hunde mit zwei defekten Kopien erkranken. Träger mit einer Kopie sind selbst gesund, geben das Merkmal aber weiter. Es gibt einen zuverlässigen DNA-Test. Verantwortungsvolle Züchter testen ihre Elterntiere und verpaaren niemals zwei Träger miteinander, sodass keine erkrankten Welpen fallen können. Frag konkret nach den GSD-Ergebnissen beider Elternteile. Ein seriöser Züchter legt sie dir unaufgefordert vor.
Belastungsinduzierter Kollaps (EIC)
EIC ist eine erbliche Störung, bei der es nach intensiver, aufregender Belastung zu einer plötzlichen Schwäche vor allem der Hinterhand kommen kann, bis hin zum Zusammenbruch. Auslöser sind oft eine Kombination aus starker Anstrengung, Hitze und Erregung. Interessant beim Curly ist eine Besonderheit. Die EIC-Genvariante kommt in der Rasse zwar recht häufig vor, klinische Symptome zeigen aber nur sehr wenige betroffene Hunde tatsächlich. Fachleute stufen EIC beim Curly deshalb als vergleichsweise geringes Risiko ein und warnen sogar davor, Träger pauschal aus der Zucht zu nehmen, weil das die ohnehin schmale genetische Vielfalt der Rasse gefährden würde. Ein DNA-Test ist möglich und sinnvoll, das Ergebnis wird jedoch klug im Gesamtbild bewertet, nicht als einzelnes Ausschlusskriterium.
Augenerkrankungen (PRA)
Die progressive Retinaatrophie, kurz PRA, ist eine erblich bedingte, fortschreitende Degeneration der Netzhaut, die über Monate bis Jahre zur Erblindung führen kann. Beim Curly spielt unter anderem eine Form eine Rolle, die früh im Leben testbar ist. Für viele PRA-Formen gibt es DNA-Tests, dazu wird der Augenstatus regelmäßig durch Fachtierärzte kontrolliert. Auch Katarakte, also Trübungen der Linse, kommen vor. Ein guter Züchter kann dir aktuelle Augenuntersuchungen der Elterntiere zeigen.
Hüft- und Ellbogendysplasie
Als große Rasse ist der Curly für Hüftgelenksdysplasie und Ellbogendysplasie anfällig, also für Fehlentwicklungen dieser Gelenke, die im Verlauf zu Arthrose und Schmerzen führen können. Der britische Rasseklub empfiehlt als gute Praxis das Röntgen und Bewerten von Hüften und Ellbogen bei allen Zuchttieren. Als grober Orientierungswert wird für die Rasse ein durchschnittlicher Hüftwert von etwa 10 genannt, wobei verantwortungsvolle Züchter Tiere unterhalb dieses Durchschnitts bevorzugen. Frag nach den Auswertungen, und lass dir erklären, wie die Zuchtlinie über die Generationen abschneidet.
Krebs
Beim Curly, wie bei mehreren nah verwandten Retrievern, ist Krebs die häufigste krankheitsbedingte Todesursache. Es handelt sich nicht um eine einzelne typische Krebsart, sondern um verschiedene Formen, darunter Lymphome, Mastzelltumoren, Knochentumoren sowie Tumoren an Gehirn, Lunge und Leber. Kein einzelner Typ sticht als spezifische Schwäche der Rasse heraus. Was du tun kannst, ist Aufmerksamkeit. Neue Knoten, ungewöhnliche Schwellungen, plötzliche Leistungseinbrüche oder anhaltende Beschwerden gehören immer zeitnah in fachkundige Hände. Früh erkannt lassen sich viele Tumoren deutlich besser behandeln.
Magendrehung (GDV)
Der Curly hat einen tiefen, eher schmalen Brustkorb, und dieser Bautyp bringt ein erhöhtes Risiko für die lebensbedrohliche Magendrehung mit sich. Dabei füllt sich der Magen mit Gas und dreht sich um die eigene Achse, was die Blutversorgung abschnürt. Das ist ein absoluter Notfall, bei dem jede Minute zählt. Vorbeugend gilt. Füttere lieber mehrere kleinere Mahlzeiten statt einer großen, und lass deinen Hund direkt vor und nach dem Fressen zur Ruhe kommen, statt ihn dann wild toben zu lassen. Anzeichen wie ein aufgeblähter Bauch, erfolgloses Würgen, Unruhe und starkes Speicheln erfordern die sofortige Fahrt in die Tierklinik.
Weitere Punkte
Vereinzelt treten in der Rasse Epilepsie sowie kleinere Lidprobleme wie Entropium oder zusätzliche Wimpernreihen auf. Auch Hautthemen rund um die bereits beschriebene follikuläre Dysplasie können vorkommen. All das gehört zu einer ehrlichen Betrachtung dazu, ohne den Curly krankzureden. Unterm Strich ist er ein grundsätzlich gesunder Hund, wenn er aus durchdachter, gesundheitsgeprüfter Zucht stammt.
Beschäftigung und Eignung heute
Der Curly wurde als vielseitiger Wasser- und Feldapporteur gezüchtet, und dieses Erbe steckt ihm bis heute in den Knochen. Er ist ein athletischer, ausdauernder Hund, der Bewegung, Aufgaben und vor allem Wasser liebt. Schwimmen ist sein Element. Ein Curly, der regelmäßig apportieren, suchen und schwimmen darf, ist ein glücklicher Curly.
In der jagdlichen Arbeit zeigt er nach wie vor seine Stärken beim Apportieren von Wasserwild und Niederwild, auch in dichter Deckung, dornigem Gestrüpp und kaltem Wasser, wo sein Fell ihn schützt. Für Menschen ohne Jagdschein bietet das Dummytraining den idealen Ersatz. Hier kann der Curly all seine Anlagen ausleben, das selbstständige Suchen, das Markieren gefallener Dummys, das Einweisen über Distanz, das ruhige Warten. Diese Arbeit lastet Körper und Kopf gleichermaßen aus und stärkt nebenbei die Bindung.
Darüber hinaus eignet sich der intelligente, lernfreudige Curly für viele Hundesportarten, von Fährtenarbeit über Longieren bis zu ruhigeren Formen des Beschäftigungssports. Wichtig ist die Mischung. Ein Curly braucht körperliche Bewegung und geistige Aufgaben. Reines Danebenherlaufen langweilt ihn, und ein gelangweilter, so kluger Hund wird erfinderisch.
Als Familienhund ist der Curly eine schöne Wahl für aktive Menschen, die seine Eigenständigkeit schätzen. Er ist im Haus ruhig und angenehm, gut verträglich mit Kindern, die respektvoll mit ihm umgehen, und kein nervöser Dauerbeller. Ein riesiges Grundstück braucht er nicht zwingend, solange du bereit bist, ihn wirklich auszuführen und zu beschäftigen. Ein Sofahund im Sinne von wenig Bewegung ist er allerdings nicht. Wer täglich lange Spaziergänge, Wasser und sinnvolle Aufgaben bieten kann, findet in ihm einen treuen, unaufgeregten Begleiter. Wer den ganzen Tag außer Haus ist und abends nur kurz um den Block will, sollte sich gegen die Rasse entscheiden.
Anschaffung: Geduld, Fragen und Verantwortung
Weil der Curly so selten ist, wirst du selten einfach spontan einen Welpen bekommen. Rechne mit Wartezeiten und plane, überregional zu suchen. Genau diese Seltenheit macht die Wahl der richtigen Zuchtstätte umso wichtiger. Bei einer Rasse mit schmaler genetischer Basis ist die durchdachte Verpaarung entscheidend, sowohl für die Gesundheit des einzelnen Welpen als auch für den Erhalt der ganzen Rasse.
Ein seriöser Züchter wird dir die Gesundheitsuntersuchungen der Elterntiere von sich aus zeigen. Dazu gehören der DNA-Test auf GSD IIIa, die Auswertungen zu Hüfte und Ellbogen, aktuelle Augenuntersuchungen und idealerweise der EIC-Status, klug im Gesamtbild bewertet. Achte außerdem auf den Inzuchtkoeffizienten, im Englischen COI. Ein niedriger Wert spricht für Verpaarungen, die die genetische Vielfalt bewahren, statt sie weiter einzuengen. Gute Züchter arbeiten oft über Linien und Ländergrenzen hinweg zusammen, um frisches Blut einzubringen. Sprich mit dem Rasseklub, besuche wenn möglich mehrere Würfe und lass dir Zeit für Fragen.
Der Preis für einen gut gezüchteten, papierlosen Welpen aus gesundheitsgeprüfter Verbindung bewegt sich je nach Land und Nachfrage in einem üblichen Rahmen für seltene Rassehunde. Sieh diesen Preis als Investition in Gesundheit und Wesen, nicht als Posten, an dem sich sparen lässt. Ein vermeintliches Schnäppchen ohne Tests kann dich am Ende ein Vielfaches kosten, an Tierarztrechnungen und an Herzschmerz.
Pflege im Alltag jenseits des Fells
Neben der bereits beschriebenen Fellpflege gibt es beim Curly ein paar Alltagsthemen, die du im Blick behalten solltest. Weil er so gern und viel schwimmt, sind die Ohren ein wichtiger Punkt. Feuchtigkeit im Gehörgang begünstigt Entzündungen. Kontrolliere die Ohren nach jedem Badetag, halte sie trocken und sauber, und achte auf Kopfschütteln oder Kratzen als Warnzeichen. Die Krallen sollten regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf gekürzt werden, und die Zahnpflege gehört wie bei jedem Hund zur Routine.
Insgesamt ist der Curly ein unkomplizierter Pflegepatient, sofern man seine Eigenheiten respektiert. Kein ständiges Trockenbürsten, ein sauber sitzendes Geschirr ohne Reibung, trockene Ohren nach dem Schwimmen, dann bleibt das besondere Lockenkleid gesund und schön.
Für wen passt der Curly Coated Retriever
Der Curly ist kein Hund für jeden, und das ist gut so. Er passt zu Menschen, die einen eigenständigen, würdevollen und dabei tief loyalen Begleiter suchen, statt eines stürmischen Everybodys Darling. Er passt zu aktiven Haushalten, die Wasser, Bewegung und sinnvolle Aufgaben bieten, und die Freude an einem klugen Hund haben, der gern mitdenkt. Er passt zu Menschen mit Geduld, die eine lange, verspielte Jugend mit Humor nehmen und die bereit sind, über Bindung und faires, gewaltfreies Training zu arbeiten, statt über Druck.
Er passt nicht zu Menschen, die sofortigen Gehorsam, einen distanzlosen Kuschelhund für jeden Fremden oder einen genügsamen Sofalieger erwarten. Und er verlangt von seinen Menschen die Bereitschaft, sich mit Zuchtauswahl und Gesundheit ernsthaft zu befassen, weil die Rasse selten und ihre genetische Vielfalt kostbar ist.
Wer diese Voraussetzungen mitbringt, bekommt einen seltenen Schatz. Einen alten, ehrlichen Hund mit Charakter, der nicht jedem gefallen will, aber dem, der ihn versteht, mit einer stillen, festen Loyalität begegnet, die man so kein zweites Mal findet.







