Golden Retriever Erziehung
Die schnelle Auffassungsgabe hat zwei Seiten. Dein Hund lernt die schönen Dinge in wenigen Wiederholungen, und er lernt die unpassenden genauso schnell. Ein Golden, der zweimal mit einem Sprung an dir hochkommt und dabei deine Aufmerksamkeit bekommt, hat verstanden, dass sich Anspringen lohnt. Deshalb geht es in der Erziehung weniger darum, Fehler abzustellen, als darum, von Anfang an die richtigen Wege bequem und lohnend zu machen. Alles, was du in den ersten beiden Jahren aufbaust, trägt danach über ein langes Hundeleben.
Wie dein Golden lernt
Erziehung baut auf dieser Seite auf Belohnung, Vertrauen und ruhigen, klaren Regeln. Dein Hund lernt, welches Verhalten sich für ihn auszahlt, und wiederholt es dann freiwillig. Diese Art zu arbeiten passt zum Golden besonders gut, weil sie seinen Wunsch nach Zusammenarbeit bedient. Härte brauchst du dafür an keiner Stelle. Ein Hund, der aus Angst gehorcht, arbeitet langsamer, weniger zuverlässig und verliert seine Fröhlichkeit. Ein Hund, der freiwillig mitmacht, bleibt aufmerksam und bietet dir von sich aus Verhalten an.
Damit Belohnung wirkt, kommt es auf das Timing an. Dein Hund verknüpft immer das Verhalten mit der Belohnung, das im Moment des Lobes stattfindet. Wenn er sich setzt und du ihn erst drei Sekunden später lobst, während er schon wieder aufsteht, belohnst du das Aufstehen. Ein kurzes Markerwort wie ein freundliches Ja hilft dir, den richtigen Augenblick festzuhalten. Du sagst Ja genau in dem Moment, in dem dein Hund das Gewünschte tut, und die Belohnung folgt kurz darauf.
Übe in kurzen Einheiten. Drei bis fünf Minuten mehrmals am Tag bringen deinem Golden mehr als eine lange Trainingsstunde, die ihn ermüdet. Beende jede Einheit, solange dein Hund noch Freude hat und gern weitermachen würde. So bleibt das Training für ihn etwas Schönes, auf das er sich freut.
Viele Menschen deuten Verhalten falsch, das gar keine Frage des Gehorsams ist. Ein junger Golden, der bei Aufregung nicht mehr hört, ist selten unwillig. Meist ist er schlicht zu aufgedreht, um klar zu denken. Auch Schmerzen zeigen sich oft als vermeintliche Erziehungsprobleme. Ein Hund, der plötzlich beim Spaziergang stehen bleibt, sich dem Anfassen entzieht oder gereizt reagiert, sendet ein Signal, das du ernst nehmen solltest. Bevor du an einem Verhalten trainierst, lohnt sich deshalb immer der Blick auf den Zustand deines Hundes. Ein ausgeruhter, gesunder und nicht überdrehter Golden lernt leicht.
Zur Erziehung gehört auch, dass dein Hund lernt, zur Ruhe zu kommen. Gerade eine so arbeitsfreudige Rasse braucht die Fähigkeit, abzuschalten, ebenso wie sie die Bewegung braucht. Ein fester Ruheplatz, an dem dein Golden ungestört liegt, und feste Ruhezeiten im Tagesablauf sind ein Teil der Erziehung, den viele unterschätzen. Ein Hund, der nie gelernt hat, nichts zu tun, dreht bei jedem Reiz auf und findet schwer wieder herunter.
Die wichtigsten Kommandos im Alltag
Ein paar Signale tragen euren gesamten Alltag, und auf diese lohnt es sich, Zeit zu verwenden. Das Fundament liegt in der Aufmerksamkeit. Solange dein Hund dich beachtet, kannst du ihn führen. Übe deshalb zuerst, dass dein Golden auf seinen Namen hin zu dir schaut. Sprich seinen Namen freundlich aus, und im Moment des Blickkontakts folgt das Markerwort und die Belohnung. Nach einigen Tagen wird dein Hund bei seinem Namen erwartungsvoll zu dir sehen. Diese kleine Übung ist die Grundlage für alles Weitere.
Aus der Aufmerksamkeit heraus baust du das Sitz und das Platz auf. Beide Signale zeigst du deinem Hund, indem du ihn mit einem Leckerchen in die Position lockst und im richtigen Augenblick belohnst. Sobald er die Bewegung sicher zeigt, gibst du ihr ein Wort. Wichtig ist die Reihenfolge: erst führt die Hand die Bewegung, dann kommt das Wort dazu, und zuletzt lässt du die Hand weg. Viele Menschen sprechen das Kommando zu früh, bevor der Hund die Position überhaupt versteht, und wundern sich, dass er nicht reagiert.
Das Bleib verdient beim Golden besondere Aufmerksamkeit, denn hier liegt die Wurzel der ruhigen Retrieverarbeit. Dein Hund lernt, in seiner Position zu warten, auch wenn um ihn herum etwas passiert. Beginne mit wenigen Sekunden direkt vor deinem Hund und belohne das Warten, bevor er von selbst aufsteht. Danach steigerst du langsam die Dauer, dann die Entfernung, und erst zuletzt kommen Ablenkungen dazu. Steigere immer nur eine dieser drei Größen auf einmal. Löst du das Warten mit einem festen Auflösewort wie Lauf, weiß dein Hund klar, wann die Wartezeit endet.
Der Rückruf ist beim Golden dein leichtestes Signal, wenn du es von Anfang an schützt. Dein Hund kommt ohnehin gern zu dir, du musst diesen Wunsch nur verlässlich belohnen. Wähle ein Signal und benutze es zunächst nur in Momenten, in denen dein Hund sowieso auf dem Weg zu dir ist. Jedes Ankommen beantwortest du mit etwas richtig Gutem, mit einem besonderen Leckerchen, einem gemeinsamen Spiel oder einem geworfenen Dummy. Der häufigste Fehler ist, den Rückruf mit etwas Unangenehmem zu verbinden, etwa mit dem Ende des Spaziergangs oder mit Schimpfen, weil der Hund spät kommt. Sobald dein Golden gelernt hat, dass sich das Kommen immer lohnt, hast du ein Signal, das auch unter Ablenkung hält.
Die Leinenführigkeit fällt vielen mit einem Golden schwer, weil dieser freundliche Hund zu allem und jedem hin möchte. Der Schlüssel liegt darin, dass Ziehen sich niemals lohnt. Sobald die Leine straff wird, bleibst du stehen. Erst wenn dein Hund die Spannung löst und wieder zu dir schaut, geht es weiter. Für deinen Golden wird die lockere Leine so zum schnellsten Weg ans Ziel, die straffe Leine zur Bremse. Das braucht in den ersten Wochen Geduld, weil du oft stehen bleibst, es zahlt sich aber über Jahre aus. Beim Geschirr achtest du bei einem Hund dieser Größe darauf, dass es die Schulter frei lässt und an den Achseln nicht scheuert.
Impulskontrolle und Standruhe
Wenn du beim Golden nur eine Sache wirklich gründlich aufbaust, dann die Selbstbeherrschung. Der Bring- und Beutetrieb dieser Rasse ist stark, und ohne die Fähigkeit zu warten wird aus diesem Trieb ein Hund, der jedem Ball, jedem Vogel und jedem Reh hinterherstürmt. Die gute Nachricht ist, dass sich diese Beherrschung gezielt üben lässt, und dass eine einzige Übung dabei besonders viel trägt: das ruhige Warten vor dem geworfenen Gegenstand.
Diese Standruhe baust du früh auf. Dein Hund sitzt neben dir, du wirfst ein Dummy oder ein Spielzeug, und dein Hund bleibt sitzen. Erst auf dein Signal darf er loslaufen und es holen. Am Anfang wird ihm das schwerfallen, denn alles in ihm möchte sofort hinterher. Beginne deshalb mit ganz leichten Würfen und halte deinen Hund anfangs sanft am Geschirr, damit ihm das Warten gelingt. Belohne das Sitzenbleiben, und mache das Losschicken selbst zur Belohnung. Nach und nach löst du die Hilfe und dein Golden wartet aus eigenem Entschluss.
Was dein Hund an diesem einfachen Spiel lernt, überträgt sich auf den ganzen Alltag. Der Hund, der vor dem fliegenden Dummy ruhig sitzt, wartet auch an der Türschwelle, bevor er nach draußen stürmt. Er wartet vor dem Napf, statt ihn dir aus der Hand zu springen. Er hält sich zurück, wenn ein Radfahrer vorbeifährt. Vor allem aber bleibt er eher steuerbar, wenn Wild auftaucht, weil er gelernt hat, dass sich das Warten mehr lohnt als das Losstürmen. Übe die Standruhe deshalb regelmäßig und in vielen Lebenslagen, denn sie ist die Grundlage für einen Hund, der auch in der Aufregung ansprechbar bleibt.
Zur Impulskontrolle gehört auch, dass dein Golden lernt, Frust auszuhalten. Ein Hund, der sofort aufgibt oder laut wird, wenn er etwas nicht bekommt, ist im Alltag anstrengend. Baue deshalb bewusst kleine Wartezeiten ein, in denen dein Hund ruhig bleibt, bevor er bekommt, was er möchte. Diese kleinen Momente des Aushaltens summieren sich zu einem Hund, der auch größere Reize gelassen nimmt.
Golden Retriever Alltag
Manche Fragen kommen bei dieser Rasse immer wieder, und sie hängen alle mit ihrem freundlichen, verspielten Wesen zusammen. Das häufigste ist die überschwängliche Begrüßung. Dein Golden liebt Menschen und möchte ihnen nah sein, weshalb er zur Begrüßung gern hochspringt. Bei einem Welpen wirkt das niedlich, bei einem ausgewachsenen Hund von über dreißig Kilogramm wirft es Besuch beinahe um. Der Weg dorthin führt über die Aufmerksamkeit, die dein Hund sucht. Wende dich bei einem Sprung ruhig ab und schenke deinem Hund erst dann Beachtung, wenn er mit allen vier Pfoten am Boden steht. Bitte auch Besuch darum, deinen Hund nur im Sitzen zu begrüßen. So lernt dein Golden, dass Ruhe zum Ziel führt und das Hochspringen ins Leere geht.
Eng damit verbunden ist die Distanzlosigkeit gegenüber fremden Menschen und Hunden. Ein Golden geht davon aus, dass alle Welt sein Freund ist, und stürmt gern auf jeden zu. Das ist sympathisch und wird zum Problem, wenn dein Hund jeden Spaziergänger bedrängt oder zu jedem anderen Hund an der Leine zerrt. Hier hilft dir dieselbe Arbeit wie beim Rückruf und bei der Leine. Belohne, dass dein Hund bei dir bleibt und dich anschaut, wenn andere vorbeikommen, und mache dich für ihn interessanter als die Umgebung. So bleibt seine Freundlichkeit erhalten, ohne dass sie in Bedrängen umschlägt.
Ein Thema, das viele Golden-Halter überrascht, ist das ständige Tragen und das Zwicken in der Junghundzeit. Dein Hund nimmt Gegenstände ins Maul, trägt deine Schuhe herum und mag in der Aufregung auch mal in Hände zwicken. Dahinter steckt kein Ungehorsam, sondern der Bringtrieb, der ein Ventil sucht. Statt ihm das Tragen zu verbieten, gibst du ihm etwas Erlaubtes in den Fang. Ein eigenes Spielzeug oder ein Dummy am Ausgang bereit, das dein Hund zur Begrüßung tragen darf, löst dieses Thema auf die freundlichste Art. Ein Golden mit etwas im Maul ist ein zufriedener Golden, und er kann mit vollem Fang schlecht in Hände zwicken.
Wenn dein Hund Dinge klaut und damit davonläuft, liegt die Lösung selten im Hinterherlaufen. Ein Golden lernt schnell, dass ein geklauter Gegenstand ihm ein tolles Fangspiel mit dir beschert. Bleibst du ruhig und tauschst den Gegenstand gegen etwas Gutes, nimmst du dem Klauen den Reiz. Übe das Tauschen von klein auf, damit dein Hund bereitwillig hergibt, was er trägt. Das zahlt sich später bei der Apportierarbeit doppelt aus.
Bindung und Ruhe als Grundlage
Alles, was in diesem Kapitel steht, wächst auf einer guten Beziehung. Ein Golden, der dir vertraut und dich als seinen sicheren Bezugspunkt erlebt, arbeitet freiwillig mit. Diese Bindung entsteht aus gemeinsamem Erleben, aus Spielen, aus Suchspielen und aus ruhigen Momenten miteinander. Sie entsteht auch daraus, dass dein Hund sich auf dich verlassen kann, weil deine Regeln klar und gleichbleibend sind. Ein Hund, der heute darf, was morgen verboten ist, wird unsicher. Ein Hund, der seine Regeln kennt, wird ruhig.
Lob wirkt beim Golden am besten, wenn es echt ist. Diese Hunde spüren den Unterschied zwischen einem beiläufig gesprochenen Wort und einer ehrlichen Freude. Wenn dein Hund etwas gut macht, darfst du dich sichtbar mitfreuen. Genauso zählt beim Belohnen, dass du triffst, was deinem Hund im Moment wichtig ist. Manchmal ist das ein Leckerchen, manchmal ein geworfenes Dummy, manchmal ein gemeinsames Spiel. Je besser du deinen Hund liest, desto wirkungsvoller wird deine Belohnung.
Am Ende steht das Gleichgewicht aus Beschäftigung und Ruhe. Ein Golden, der zu wenig Aufgaben bekommt, sucht sie sich selbst, und ein Golden, der pausenlos bespielt wird, findet nie zur Ruhe. Ein guter Tag für deinen Hund hat beides, eine ordentliche Aufgabe für Kopf und Nase und danach die Ruhe, um das Erlebte zu verarbeiten. Wenn du beides im Blick behältst, hast du einen ausgeglichenen Hund, mit dem sich der Alltag leicht anfühlt.
Das ist das Kapitel in ausgewachsener Länge, mit fünf Abschnitten, die unterschiedlich viel Raum bekommen. Sag mir, ob es so vom Umfang und vom Ton passt, dann setze ich es in die Word-Datei an die Stelle des alten Erziehungskapitels.

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