Apportieren beim Golden Retriever

Golden Retriever lieben Wasser und Apportieren

Golden Retriever apportieren, warum Apportieren das Herz dieser Rasse ist

Wer einen Golden Retriever zum ersten Mal mit leuchtenden Augen einem Dummy hinterherlaufen sieht, versteht schnell, warum diese Rasse weltweit für ihre Begeisterung beim Apportieren bekannt ist. Der Hund nimmt den Gegenstand auf, trägt ihn voller Stolz zurück und wartet aufmerksam auf die nächste Aufgabe. Viele Menschen glauben, dieses Verhalten sei einfach ein besonders liebenswertes Charaktermerkmal des Golden Retrievers. Tatsächlich steckt jedoch weit mehr dahinter. Das Apportieren ist keine beliebige Beschäftigung und auch kein Trick, den man einem Hund beibringt. Es ist die ursprüngliche Aufgabe, für die der Golden Retriever über viele Generationen gezielt gezüchtet wurde.

Warum ist Dummytraining so wichtig für den Golden Retriever

Genau deshalb gehört das Dummy-Training heute zu den sinnvollsten Möglichkeiten, einen Golden Retriever artgerecht zu beschäftigen. Kaum eine andere Aktivität spricht so viele seiner natürlichen Fähigkeiten gleichzeitig an. Während der Hund arbeitet, nutzt er seine Nase, beobachtet aufmerksam seine Umgebung, merkt sich Fallstellen, kontrolliert seine Impulse und arbeitet eng mit seinem Menschen zusammen. Körperliche Bewegung und anspruchsvolle Kopfarbeit greifen dabei ineinander und sorgen für eine Auslastung, die weit über einen langen Spaziergang hinausgeht.

Viele Golden Retriever leben heute als Familienhunde und begleiten ihre Menschen im Alltag. Dennoch tragen sie noch immer dieselben Anlagen in sich wie ihre Vorfahren auf den schottischen Jagdgütern des 19. Jahrhunderts. Spaziergänge, Suchspiele oder gemeinsames Toben machen den meisten Hunden zwar Spaß, doch viele Golden Retriever entwickeln erst dann ihre ganze Konzentration und Arbeitsfreude, wenn sie eine echte Aufgabe übernehmen dürfen.

Training des Golden Retrievers

Genau hier setzt das Training mit dem Golden Retriever an. Es nutzt die Eigenschaften, die diese Rasse seit ihrer Entstehung auszeichnen, und macht sie auch im modernen Familienleben sinnvoll nutzbar.

Die Geschichte des Golden Retrievers ist eng mit der britischen Jagd verbunden. Gesucht wurde damals ein zuverlässiger Hund, der geschossenes Federwild sicher wiederfand und unversehrt zu seinem Hundeführer zurückbrachte. Dabei musste er auch unter schwierigen Bedingungen ruhig und konzentriert arbeiten. Ob dichtes Gestrüpp, sumpfiges Gelände oder kaltes Wasser – ein guter Retriever sollte sich weder von Hindernissen noch von wechselnden Wetterbedingungen beeindrucken lassen. Gleichzeitig musste er jederzeit ansprechbar bleiben und exakt mit seinem Führer zusammenarbeiten. Aus diesen Anforderungen entwickelte sich eine Rasse, deren Arbeitswille bis heute zu ihren größten Stärken gehört.

Was bedeutet eigentlich Apportieren

Dieser Ursprung erklärt auch, warum das Apportieren für einen Golden Retriever so viel mehr bedeutet als das Hinterherlaufen eines Balls. Bei der eigentlichen Retrieverarbeit geht es nicht um Geschwindigkeit oder wilde Action, sondern um kontrolliertes Arbeiten. Der Hund beobachtet aufmerksam, merkt sich den Fallpunkt eines Dummys oder Wildstücks, wartet geduldig auf die Freigabe, arbeitet konzentriert im Gelände und bringt den Gegenstand anschließend sicher zurück. Jeder einzelne Schritt verlangt Aufmerksamkeit, Selbstbeherrschung und Vertrauen in den Menschen. Gerade diese enge Zusammenarbeit macht den besonderen Reiz der Retrieverarbeit aus.

Rassetypische Retriever Auslastung

Viele Hundebesitzer sprechen davon, ihren Golden Retriever „auszulasten“. Dieser Begriff wird der Arbeit eines Retrievers allerdings kaum gerecht. Es geht nicht darum, den Hund möglichst müde zu machen. Viel wichtiger ist es, ihm Aufgaben zu geben, bei denen er seine natürlichen Fähigkeiten sinnvoll einsetzen kann. Ein Golden Retriever möchte beobachten, Entscheidungen vorbereiten, seine Nase einsetzen und gemeinsam mit seinem Menschen Probleme lösen. Genau diese Eigenschaften werden beim Dummy-Training gefördert.

Im Gegensatz zum hektischen Ballwerfen, das viele Hunde in einen dauerhaften Erregungszustand versetzt, zeichnet sich die Retrieverarbeit durch einen ständigen Wechsel zwischen Ruhe und Aktivität aus. Der Hund wartet konzentriert, beobachtet aufmerksam, arbeitet auf Signal und kommt anschließend wieder zur Ruhe. Diese kontrollierten Abläufe entsprechen sehr viel stärker der ursprünglichen Aufgabe eines Jagdretrievers als hektische Rennspiele oder ständiges Werfen eines Balls.

Was muss man denn so üben, um den Golden zum apportieren zu bringen?

Dazu gibt es hier schon ein paar Beiträge.:

Die beste Methode ist, über Clickern beim Golden Retriever mit dem apportieren zu beginnen:

Clickertraining für die ersten Schritte zum Apport

Clickertraining für Einsteiger

Welche Übungen gibt es überhaupt beim apportieren?

Der Traum vom apportierenden Hund

Gerades Voran beim apportieren

Dummytraining im Verein

Auch deshalb empfehlen Retrieververeine das Dummy-Training ausdrücklich als artgerechte Beschäftigung für Golden Retriever, selbst wenn die Hunde niemals jagdlich geführt werden. Anstelle von Wild werden robuste Dummys verwendet, die das Gewicht und die Form eines Apportiergegenstandes nachbilden. So lassen sich alle wichtigen Arbeitsabläufe trainieren, ohne dass der Hund auf einer Jagd eingesetzt werden muss. Für viele Familienhunde ist diese Form der Beschäftigung der ideale Weg, ihre angeborenen Fähigkeiten auszuleben und gleichzeitig die Bindung zu ihrem Menschen zu vertiefen.

Wer regelmäßig mit seinem Golden Retriever arbeitet, erlebt häufig eine erstaunliche Veränderung. Viele Hunde wirken ausgeglichener, konzentrierter und zufriedener. Sie lernen, ihre Impulse besser zu kontrollieren, auch unter Ablenkung aufmerksam zu bleiben und ihrem Menschen selbst in aufregenden Situationen zu vertrauen. Das stärkt nicht nur die Zusammenarbeit im Dummy-Training, sondern wirkt sich oft auf den gesamten Alltag aus.

Natürlich bringt jeder Golden Retriever seine eigene Persönlichkeit mit. Manche Welpen tragen schon früh begeistert alles durch die Wohnung, andere entwickeln ihre Freude am Apportieren erst im Laufe des Trainings. Gemeinsam ist den meisten jedoch die große Bereitschaft, mit ihrem Menschen zusammenzuarbeiten. Genau diese sogenannte Will-to-please-Mentalität gehört seit Generationen zu den wichtigsten Zuchtzielen der Rasse und macht den Golden Retriever bis heute zu einem der beliebtesten Arbeits- und Familienhunde weltweit.

Dummy-Training ist deshalb weit mehr als ein schönes Hobby. Es knüpft direkt an die ursprüngliche Bestimmung des Golden Retrievers an und ermöglicht es, seine natürlichen Anlagen sinnvoll zu fördern. Ganz gleich, ob ein Hund später an Working Tests teilnimmt oder einfach als Familienhund lebt – das Apportieren bleibt die Tätigkeit, die den Charakter dieser außergewöhnlichen Rasse wohl am besten widerspiegelt.

Die Geschichte des Golden Retrievers – warum ohne die britische Jagd das Dummy-Training heute gar nicht existieren würde

Eine Rasse, die für eine ganz bestimmte Aufgabe entstand

Kaum eine Hunderasse ist so eng mit einer bestimmten Arbeit verbunden wie der Golden Retriever. Während viele Rassen im Laufe der Zeit unterschiedlich eingesetzt wurden, entstand der Golden Retriever nahezu ausschließlich für einen einzigen Zweck: Er sollte geschossenes Wild zuverlässig finden und seinem Hundeführer unversehrt zurückbringen. Genau diese Aufgabe prägt die Rasse bis heute – auch dann, wenn der Hund längst nicht mehr jagdlich geführt wird.

Wer das Apportieren eines Golden Retrievers verstehen möchte, muss deshalb einen Blick in die schottischen Highlands des 19. Jahrhunderts werfen. Dort entwickelte sich eine Jagdkultur, die hohe Anforderungen an die Hunde stellte und schließlich zur Entstehung einer der beliebtesten Hunderassen der Welt führte.

Die Jagd in Schottland stellte völlig neue Anforderungen

Mit der Verbesserung der Schusswaffen nahm in Großbritannien die sogenannte Driven Shoot, also die Treibjagd auf Fasanen, Rebhühner und anderes Federwild, immer mehr zu. Bei diesen Jagden wurden oft innerhalb weniger Minuten zahlreiche Vögel geschossen. Das Wild fiel teilweise mehrere hundert Meter entfernt, verschwand im hohen Heidekraut, zwischen Farnen oder in sumpfigem Gelände und musste anschließend schnell gefunden werden.

Ein gewöhnlicher Jagdhund war dafür oft nicht geeignet. Gesucht wurde ein Spezialist, der ruhig neben seinem Führer wartete, sich die Fallstellen mehrerer Vögel merken konnte und erst auf Kommando loslief. Anschließend sollte er das Wild sicher finden, vorsichtig aufnehmen und unbeschädigt zurückbringen. Gerade bei Wasserwild war diese Aufgabe besonders anspruchsvoll. Kalte Seen, Schilfgürtel und dichte Ufervegetation verlangten dem Hund körperlich wie geistig alles ab.

Diese Anforderungen legten den Grundstein für die Retrieverarbeit, wie sie heute noch bei Working Tests und im Dummy-Training zu sehen ist.

Lord Tweedmouth und die Geburtsstunde des Golden Retrievers

Als Begründer der Rasse gilt Sir Dudley Marjoribanks, später als Lord Tweedmouth bekannt. Auf seinem schottischen Anwesen Guisachan begann er Mitte des 19. Jahrhunderts gezielt Hunde zu züchten, die den Anforderungen der Jagd besser gerecht werden sollten als die damals vorhandenen Retrievertypen.

Seine Zuchtbücher, die bis heute erhalten geblieben sind, zeigen eindrucksvoll, wie sorgfältig er vorging. Ziel war kein besonders schöner Ausstellungshund, sondern ein leistungsfähiger Arbeitshund mit hervorragender Nase, hoher Führigkeit, großer Ausdauer und einem ausgesprochen weichen Maul. Das Wild sollte schließlich unversehrt zum Jäger zurückgebracht werden.

Diese Eigenschaften bilden noch heute den Kern des Rassestandards. Ein guter Golden Retriever soll nicht nur freundlich und ausgeglichen sein, sondern ebenso arbeitsfreudig, aufmerksam und kooperationsbereit.

Warum der Golden Retriever ein „Soft Mouth“ besitzt

Eine der bemerkenswertesten Eigenschaften der Rasse ist das sogenannte Soft Mouth. Darunter versteht man die Fähigkeit, einen Gegenstand fest zu tragen, ohne ihn zu beschädigen.

Während andere Hunde einen Gegenstand häufig umgreifen oder darauf herumkauen, wurde beim Golden Retriever gezielt darauf selektiert, Wild möglichst vorsichtig aufzunehmen. Ein verletzter Fasan oder eine Ente sollten weder zerdrückt noch durch kräftiges Zubeißen beschädigt werden.

Auch im modernen Dummy-Training spielt diese Eigenschaft eine große Rolle. Der Hund soll das Dummy ruhig aufnehmen, sicher tragen und sauber abgeben. Knautschen, Herumwerfen oder wildes Spielen mit dem Dummy gelten deshalb als unerwünscht und werden von Anfang an vermieden.

Vom Jagdhund zum Familienhund – die Anlagen blieben erhalten

Heute lebt nur noch ein kleiner Teil aller Golden Retriever als aktiver Jagdhund. Der überwiegende Teil begleitet seine Menschen als Familienhund, Therapiehund, Rettungshund oder Sportpartner. Trotzdem haben sich die ursprünglichen Arbeitsanlagen kaum verändert.

Noch immer beobachten viele Golden Retriever aufmerksam fliegende Vögel, tragen begeistert Gegenstände durch die Wohnung oder suchen selbstständig nach verlorenen Dingen. Diese Verhaltensweisen sind keine Zufälle, sondern Ausdruck jahrzehntelanger Zucht auf Retrievereigenschaften.

Genau deshalb reicht vielen Hunden reines Spazierengehen auf Dauer nicht aus. Sie möchten Aufgaben lösen und gemeinsam mit ihrem Menschen arbeiten. Das erklärt auch, warum so viele Golden Retriever im Dummy-Training regelrecht aufblühen.

Wie aus der Jagd das moderne Dummy-Training entstand

Nicht jeder Retrieverbesitzer möchte oder darf seinen Hund jagdlich führen. Gleichzeitig sollten die rassetypischen Anlagen erhalten bleiben. Daraus entwickelte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts das Dummy-Training.

Anstelle von Wild werden dabei robuste Stoffdummys verwendet, die hinsichtlich Größe und Gewicht verschiedene Wildarten nachahmen. Für den Hund macht das kaum einen Unterschied. Er lernt dieselben Arbeitsabläufe wie ein Jagdhund: aufmerksam beobachten, ruhig warten, gezielt suchen, sicher apportieren und eng mit seinem Menschen zusammenarbeiten.

Mit der Zeit entstanden daraus eigene Trainingssysteme und schließlich auch Wettbewerbe, bei denen ausschließlich mit Dummys gearbeitet wird.

Working Tests – die moderne Form der Retrieverarbeit

Besonders in Großbritannien entwickelten sich daraus die heute bekannten Working Tests. Sie simulieren typische Jagdsituationen, verzichten jedoch vollständig auf lebendes oder geschossenes Wild.

Die Hunde müssen dabei zeigen, dass sie konzentriert markieren können, auf weite Entfernungen eingewiesen werden und auch schwierige Suchengebiete selbstständig absuchen. Hinzu kommen Wasserarbeit, Geländewechsel, unterschiedliche Windrichtungen und zahlreiche Ablenkungen.

Der eigentliche Gegner ist dabei nicht die Zeit, sondern die Präzision. Bewertet wird nicht, welcher Hund am schnellsten läuft, sondern welcher ruhig, zuverlässig und in enger Zusammenarbeit mit seinem Hundeführer arbeitet.

Gerade deshalb gelten Working Tests heute als eine der anspruchsvollsten Formen der artgerechten Beschäftigung für den Golden Retriever.

Auch Deutschland und Skandinavien fördern die Retrieverarbeit

Längst hat sich die Retrieverarbeit weit über Großbritannien hinaus verbreitet. In Deutschland organisieren unter anderem der Deutsche Retriever Club und der Golden Retriever Club regelmäßig Working Tests, Dummyseminare und Ausbildungsangebote für Anfänger bis hin zu erfahrenen Teams.

Auch Schweden genießt in der Retrieverwelt einen hervorragenden Ruf. Dort besitzt die jagdliche Arbeit traditionell einen besonders hohen Stellenwert. Viele schwedische Golden Retriever werden sowohl im Alltag als auch auf Prüfungen geführt. Die enge Verbindung zwischen Zucht und Arbeitsleistung ist dort bis heute deutlich stärker ausgeprägt als in vielen anderen Ländern Europas.

Dadurch entstehen immer wieder Hunde, die nicht nur dem Rassestandard entsprechen, sondern auch über ausgezeichnete Arbeitsanlagen verfügen – ganz im Sinne der ursprünglichen Idee von Lord Tweedmouth.

Die Geschichte lebt bis heute weiter

Wer heute mit seinem Golden Retriever auf einer Wiese steht und ein Dummy wirft, knüpft unbewusst an eine über 150 Jahre alte Tradition an. Jede Markierung, jede Suche und jedes saubere Apport erinnert an die Arbeit der ersten Retriever auf den schottischen Jagdgütern.

Das erklärt auch, warum das Dummy-Training so viel mehr ist als ein Hundesport. Es bewahrt die ursprünglichen Fähigkeiten einer Rasse, deren Geschichte bis heute eng mit der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Hund verbunden ist. Genau deshalb empfinden viele Golden Retriever das Apportieren nicht als Übung, sondern als ihre eigentliche Berufung.

Die drei Säulen der Retrieverarbeit – Markieren, Suchen und Einweisen

Wer zum ersten Mal ein Dummy-Seminar oder einen Working Test besucht, hört sehr schnell Begriffe wie Markieren, Suchen oder Einweisen. Für Außenstehende klingt das zunächst nach unterschiedlichen Übungen. Tatsächlich bilden diese drei Aufgaben jedoch das gesamte Fundament der Retrieverarbeit. Jeder Golden Retriever, der später sicher und zuverlässig arbeiten soll, muss diese Disziplinen beherrschen.

Dabei baut jede Fähigkeit auf einer anderen auf. Ein Hund, der hervorragend markieren kann, ist nicht automatisch ein guter Sucher. Ebenso wenig wird ein talentierter Suchhund automatisch sauber eingewiesen werden können. Deshalb werden alle drei Arbeitsformen im Dummy-Training gezielt und getrennt aufgebaut, bevor sie später miteinander kombiniert werden.

Markieren – sich den Fallpunkt merken

Das Markieren ist die erste und wichtigste Fähigkeit eines Retrievers. Der Hund beobachtet dabei aufmerksam, wie ein Dummy geworfen wird, merkt sich den genauen Fallpunkt und läuft erst auf Kommando dorthin.

Was auf den ersten Blick einfach aussieht, verlangt erstaunlich viel Konzentration. Der Golden Retriever muss den Flug des Dummys verfolgen, sich Orientierungspunkte im Gelände einprägen und den Fallpunkt möglichst exakt abspeichern. Gleichzeitig darf er sich weder von Geräuschen noch von anderen Hunden oder weiteren Würfen ablenken lassen.

Gerade bei fortgeschrittenen Übungen wird diese Aufgabe immer anspruchsvoller. Mehrere Dummys fallen nacheinander an unterschiedliche Stellen, teilweise in hohes Gras oder hinter Geländekanten. Der Hund muss sich jede einzelne Fallstelle merken und später genau das Dummy holen, das sein Hundeführer vorgibt. Diese Fähigkeit wird als Mehrfachmarkierung bezeichnet und gehört zu den klassischen Aufgaben eines Working Tests.

Markieren ist deshalb weit mehr als das Hinterherlaufen eines geworfenen Gegenstandes. Der Hund arbeitet mit seinen Augen, seinem Gedächtnis und seiner Orientierung im Gelände. Erst wenn er den Fallpunkt nicht mehr genau kennt, beginnt die Nasenarbeit.

Die Freiverlorensuche – arbeiten mit der Nase

Anders als beim Markieren hat der Hund bei einer Suche den Fall des Dummys nicht beobachtet. Er weiß lediglich, dass sich irgendwo in einem bestimmten Gelände ein oder mehrere Dummys befinden.

Nun beginnt die eigentliche Nasenarbeit.

Der Golden Retriever arbeitet selbstständig gegen den Wind, nutzt Duftpartikel, durchsucht systematisch das Gelände und findet schließlich das versteckte Dummy. Gute Suchhunde arbeiten dabei weder hektisch noch planlos. Sie wechseln geschickt zwischen Wind, Gelände und eigener Erfahrung und entwickeln mit zunehmender Routine ein erstaunlich systematisches Suchverhalten.

Gerade diese Fähigkeit machte Retriever früher auf der Jagd so wertvoll. Nicht jedes Stück Wild fiel für den Jäger sichtbar zu Boden. Häufig verschwand es im Schilf, im Heidekraut oder zwischen dichtem Farn. Der Hund musste deshalb eigenständig suchen und durfte erst zurückkehren, wenn das Wild gefunden war.

Auch heute zählt die Suche zu den spannendsten Übungen im Dummy-Training. Für viele Golden Retriever ist sie sogar die Lieblingsdisziplin, weil sie dabei ihre Nase vollständig einsetzen dürfen. Gleichzeitig verlangt sie eine hohe Ausdauer und Konzentration, denn gute Suchengebiete können überraschend groß sein.

Einweisen – Teamarbeit auf große Distanz

Das Einweisen gilt als die Königsdisziplin der Retrieverarbeit. Hier kennt der Hund den Fallpunkt ebenfalls nicht. Anders als bei der Suche soll er das Gelände aber nicht selbstständig absuchen, sondern sich vollständig von seinem Hundeführer lenken lassen.

Der Mensch weiß, wo das Dummy liegt. Der Hund dagegen nicht.

Er wird zunächst geradeaus geschickt. Reicht diese Linie nicht aus, erhält er Pfeif- und Handzeichen, die ihm anzeigen, ob er nach links, nach rechts oder weiter geradeaus laufen soll. Erst wenn er den richtigen Bereich erreicht hat, beginnt die eigentliche Suche.

Diese Arbeit erfordert enormes Vertrauen zwischen Hund und Mensch. Der Golden Retriever muss bereit sein, auch dann noch den Anweisungen seines Führers zu folgen, wenn seine eigene Nase ihn scheinbar in eine andere Richtung führen möchte. Gleichzeitig muss der Mensch seinen Hund exakt lesen können. Kleine Fehler beim Einweisen führen schnell dazu, dass der Hund an einem Dummy vorbeiläuft oder einen völlig falschen Bereich absucht.

Gerade auf größeren Entfernungen wird deutlich, wie präzise Retriever arbeiten können. Erfahrene Hunde lassen sich über mehr als hundert Meter dirigieren und reagieren selbst auf kleinste Richtungsänderungen ihres Hundeführers.

Warum diese Reihenfolge so wichtig ist

Im guten Dummy-Training werden diese drei Arbeitsformen nicht gleichzeitig aufgebaut. Junge Hunde beginnen fast immer mit einfachen Markierungen. Erst wenn sie gelernt haben, aufmerksam zu beobachten, ruhig zu warten und sauber zu apportieren, folgen erste kleine Suchaufgaben. Das Einweisen entwickelt sich meist deutlich später, weil der Hund dafür bereits eine gute Führigkeit, ein sicheres Stopp-Pfiff-Signal und großes Vertrauen in seinen Menschen benötigt.

Viele Anfänger möchten ihren Golden Retriever möglichst schnell auf Distanz schicken. Dadurch entstehen jedoch häufig Missverständnisse. Der Hund beginnt selbstständig zu entscheiden, sucht unkontrolliert oder verliert das Vertrauen in die Signale seines Menschen. Ein sauberer Ausbildungsweg nimmt sich deshalb Zeit und baut jede Fähigkeit einzeln auf.

Working Tests verbinden alle drei Disziplinen

Auf einem Working Test treten Markieren, Suchen und Einweisen nur selten isoliert auf. Die Aufgaben orientieren sich an realistischen Jagdsituationen und verlangen häufig, mehrere Fähigkeiten miteinander zu kombinieren.

So kann ein Hund zunächst eine Markierung arbeiten, anschließend auf ein Blind eingewiesen werden und danach ein Suchengebiet absuchen. Hinzu kommen Geländewechsel, Wasserarbeit, unterschiedliche Windverhältnisse oder mehrere Hunde, die gleichzeitig am Start sind. Genau diese Kombination macht den Reiz der Retrieverarbeit aus.

Dabei geht es nicht darum, möglichst spektakuläre Übungen zu zeigen. Bewertet werden Ruhe, Präzision, Führigkeit, Naseneinsatz und die harmonische Zusammenarbeit zwischen Hund und Hundeführer. Ein Golden Retriever, der konzentriert arbeitet, aufmerksam auf Signale reagiert und jedes Dummy sicher apportiert, wird deutlich höher bewertet als ein besonders schneller Hund, der unkontrolliert durchs Gelände stürmt.

Mehr als Hundesport

Wer einige Zeit mit einem Golden Retriever arbeitet, erkennt schnell, dass Markieren, Suchen und Einweisen weit mehr sind als einzelne Trainingsübungen. Sie spiegeln exakt die Fähigkeiten wider, für die diese Rasse ursprünglich gezüchtet wurde.

Ein gut ausgebildeter Retriever beobachtet aufmerksam, arbeitet mit großer Selbstkontrolle, nutzt seine Nase gezielt und vertraut seinem Menschen auch auf große Distanz. Genau diese Eigenschaften machten den Golden Retriever einst zu einem außergewöhnlichen Jagdhund – und genau deshalb begeistert die Retrieverarbeit heute noch unzählige Hundebesitzer auf Dummy-Trainings, Working Tests und Prüfungen in ganz Europa.

Klicke hier, wenn Du noch mehr wissen möchtest über Golden Retriever 

Erziehung Golden Retriever

Medical Training beim Golden Retriever

Pflege Deines Golden Retriever

Golden Retriever Ausstellungen

Was bedeutet eigentlich Retriever?

Wissenswertes über Golden Retriever

Transport und Sicherheit Golden Retriever

Der Traum vom apportierenden Hund

Clickern und Apportieren als ideale Beschäftigung für Golden Retriever 

Welche Übungen beim Apportieren für Golden Retriever?

Ein Jagdhund als Familienhund

Was sind Stöber- und Apportierhunde?

Die Verwandtschaft: Der Flatcoated Retriever 

Was bedeutet eigentlich VDH und FCI?

Lebenserwartung Golden Retriever

Gesundheit Golden Retriever

Krebs beim Goldenretriever ( vergleiche hier Krebs beim Flatcoated Retriever ) 

Ichthyose beim Golden 

HD beim Golden Retriever

Apportieren beim Golden Retriever

Mehr von mir