
Hundeausstellung Dortmund 2026: Diese neuen Gesundheitsauflagen sorgen international für Aufruhr
Die Hundeausstellung Dortmund gehört seit vielen Jahren zu den Veranstaltungen, für die Aussteller aus Deutschland und dem europäischen Ausland lange Fahrten, Hotelübernachtungen und einen erheblichen organisatorischen Aufwand in Kauf nehmen. Wenn vom 6. bis 8. November 2026 die Messe Hund & Pferd Dortmund ihre Tore öffnet, geht es schließlich nicht um irgendeine kleine regionale Ausstellung, sondern unter anderem um die traditionsreiche Bundessieger-Ausstellung und die Agria Trophy Show. Rund 8.000 Hunde sollen in den Dortmunder Westfalenhallen präsentiert werden, mehr als 240 verschiedene Hunderassen sind vertreten, dazu kommen rund 270 Pferde und mehr als 240 Verkaufsstände. (hund-und-pferd.de)
Doch 2026 wird in Dortmund nicht nur darüber gesprochen werden, welcher Hund Bundessieger wird.
Schon Wochen vor der Veranstaltung sorgen die Teilnahmebedingungen für erhebliche Diskussionen unter Züchtern und Ausstellern, denn das Veterinäramt der Stadt Dortmund hat für die diesjährige Hund & Pferd sehr weitreichende Vorgaben zur Umsetzung des § 10 der Tierschutz-Hundeverordnung erlassen. Für zahlreiche Rassen reichen Ahnentafel, Impfpass und Meldung nicht mehr aus. Je nach Rasse werden Röntgenbilder, Herzuntersuchungen, Gentests, Blutuntersuchungen, Hör- und Augenuntersuchungen oder weitere tierärztliche Nachweise verlangt.
Bei manchen Hunden entscheidet zusätzlich ein Maßband darüber, ob sie überhaupt in den Ring dürfen.
Und genau an dieser Stelle wird es interessant.
Die Stadt Dortmund hat die Regeln festgelegt, nicht der VDH
Zunächst ist wichtig, auseinanderzuhalten, wer diese Anforderungen beschlossen hat.
Die Auflagen stammen vom Veterinäramt der Stadt Dortmund. Der Veranstalter der Hundeausstellung setzt sie um, weil die Veranstaltung andernfalls nicht entsprechend der behördlichen Verfügung durchgeführt werden könnte.
Der VDH distanziert sich auf der offiziellen Website bemerkenswert deutlich von Teilen dieser Vorgaben. Er weist ausdrücklich darauf hin, dass die Anforderungen nicht seiner eigenen Rechtsauffassung entsprechen und die zugrunde liegenden Fragen verwaltungsgerichtlich geklärt werden. Die endgültige Ordnungsverfügung der Stadt Dortmund wurde dem Veranstalter erst am 4. September 2026 zugestellt. Erst danach konnten die neuen Voraussetzungen in das Meldesystem aufgenommen werden. (hund-und-pferd.de)
Noch deutlicher wird der VDH bei einigen der verlangten Untersuchungen. Das Veterinäramt fordert bei bestimmten Rassen Untersuchungen bis hin zu Biopsien oder endoskopischen Untersuchungen. Der Veranstalter hält solche Eingriffe, wenn sie ausschließlich für die Teilnahme an einer Hundeausstellung vorgenommen werden, für unverhältnismäßig und aus Tierschutzsicht bedenklich und rät ausdrücklich davon ab, einen Hund allein dafür einer belastenden Untersuchung zu unterziehen. (hund-und-pferd.de)
Damit stehen sich ausgerechnet beim Thema Tierschutz zwei sehr unterschiedliche Auffassungen gegenüber.
Zwei verschiedene Kontrollen entscheiden über die Teilnahme
Die Regelung für die Hundeausstellung Dortmund 2026 besteht aus zwei großen Bereichen.
Zum einen gibt es verdeckte Merkmale. Dabei handelt es sich um gesundheitliche oder genetische Eigenschaften, die man einem Hund nicht einfach ansehen kann. Für bestimmte Rassen müssen deshalb bereits im Vorfeld entsprechende Nachweise eingereicht werden.
Daneben stehen die äußerlich erkennbaren Ausschlussmerkmale. Sie gelten grundsätzlich für alle teilnehmenden Hunde und können bei den tierärztlichen Kontrollen vor Ort festgestellt werden.
Ein Hund kann deshalb sämtliche verlangten Untersuchungen bestanden haben und trotzdem in Dortmund nicht ausgestellt werden, wenn bei der Eingangskontrolle ein äußerliches Merkmal festgestellt wird, das nach der Dortmunder Verfügung zum Ausschluss führt. (hund-und-pferd.de)
Für einige Rassen wird genau diese zweite Hürde besonders schwierig.
Der Mops braucht in Dortmund tatsächlich ausreichend Nase
Beim Mops wird wahrscheinlich besonders deutlich, wie weit die neuen Regeln gehen.
Zunächst verlangt Dortmund eine tierärztliche Bescheinigung darüber, dass keine klinisch relevante Verlängerung des Gaumensegels vorliegt. Bei einem Mops mit doppelt aufgerollter Rute muss außerdem durch eine tierärztliche Bescheinigung nachgewiesen werden, dass keine radiologisch darstellbaren Hemivertebrae, also Keilwirbel, vorhanden sind. (hund-und-pferd.de)
Damit ist die Angelegenheit allerdings noch längst nicht erledigt.
Zusätzlich gilt das neue äußerlich überprüfbare Kriterium zur Brachycephalie, also zur Kurzköpfigkeit.
Das Veterinäramt Dortmund hat hierfür tatsächlich ein konkretes Maß festgelegt:
Die Nasenlänge, gemessen von der Nasenspitze bis zum Stop, darf nicht weniger als ein Drittel der Schädellänge vom Stop bis zum Hinterhauptbein betragen.
Anders ausgedrückt: Ist die Nase im Verhältnis zum Schädel kürzer als ein Drittel, greift das Ausstellungsverbot.
Der Mops wird neben Boxer, Französischer Bulldogge, Englischer Bulldogge, Boston Terrier, Bordeauxdogge, Affenpinscher, verschiedenen Griffons, Japan Chin, King Charles Spaniel, Pekingese und Shih Tzu ausdrücklich als eine der Rassen genannt, bei denen auf dieses Verhältnis besonders geachtet werden soll. (hund-und-pferd.de)
Hinzu kommen die Nasenlöcher. Sind diese so stark verengt, dass die Wand des Nasenflügels die innere Nasenscheidewand berührt, ist der Hund ebenfalls von der Ausstellung ausgeschlossen.
Auch eine aus dem geschlossenen Maul heraushängende Zunge ist ein Ausschlussmerkmal.
Beim Mops kommen damit gleich mehrere Anforderungen zusammen, weshalb der Veranstalter auf seiner eigenen Informationsseite ungewöhnlich deutlich darauf hinweist, dass eine Veranstaltungsteilnahme für Hunde dieser Rasse aufgrund der äußerlich sichtbaren Auflagen in der Regel nicht möglich sein wird. (hund-und-pferd.de)
Das ist für eine der bekanntesten klassischen Ausstellungsrassen eine bemerkenswerte Aussage.
Beim Dackel wird K0 plötzlich zur Eintrittskarte
Für Dackel ist die Hundeausstellung Dortmund 2026 ebenfalls besonders einschneidend.
Verlangt wird eine tierärztliche Bescheinigung über eine Röntgenuntersuchung der Wirbelsäule, bei der keine radiologisch darstellbare Verkalkung der Bandscheiben festgestellt wurde.
In der beim Dackel gebräuchlichen Einteilung entspricht das einem Ergebnis ohne festgestellte Bandscheibenverkalkung, also K0.
Alternativ darf ein CDDY-Gentest vorgelegt werden. Dabei reicht allerdings nicht aus, dass ein Hund selbst gesund und völlig beschwerdefrei ist.
Nach den veröffentlichten Dortmunder Vorgaben werden sowohl homozygote als auch heterozygote Träger der betreffenden CDDY-Genvariante ausgeschlossen.
Teilnehmen kann über diesen Weg also ein genetisch freier Hund. Alternativ kann über die Abstammung nachgewiesen werden, dass beide Eltern homozygot frei von der betreffenden Variante sind. (hund-und-pferd.de)
Genau dieser Punkt sorgt innerhalb der Dackelszene für besonders viel Gesprächsstoff, denn CDDY ist in der Dackelpopulation weit verbreitet.
Ein Dackel kann klinisch gesund sein, sich völlig normal bewegen, nie einen Bandscheibenvorfall gehabt haben und trotzdem CDDY-Träger sein. Für Dortmund zählt bei Nutzung des genetischen Nachweises jedoch nicht allein der Gesundheitszustand des individuellen Hundes, sondern der Genstatus.
Bei einem Dackel mit Merle-Zeichnung kommen weitere Anforderungen hinzu. Für diese Hunde werden eine augenärztliche und audiometrische Untersuchung ohne Hinweis auf Taubheit oder Augenmissbildungen verlangt, alternativ ein Merle-Gentest oder ein entsprechender Abstammungsnachweis. Homozygote Merle-Hunde und heterozygote Träger der Mh-Variante werden nach der veröffentlichten Regelung ausgeschlossen. (hund-und-pferd.de)
Golden Retriever nur mit HD A, B oder C
Dass die neuen Vorgaben keineswegs nur Rassen betreffen, die seit Jahren in der sogenannten Qualzuchtdiskussion stehen, zeigt der Golden Retriever.
Auch für ihn gibt es eine konkrete Teilnahmevoraussetzung.
Golden Retriever benötigen für die Hund & Pferd Dortmund eine tierärztliche Bescheinigung über eine HD-Röntgenuntersuchung.
Zugelassen werden:
HD A, HD B und HD C.
Hunde mit:
HD D oder HD E
sind von der Ausstellung ausgeschlossen. (hund-und-pferd.de)
Der Veranstalter weist ausdrücklich darauf hin, dass junge Hunde nicht allein für die Teilnahme an der Ausstellung geröntgt werden sollten, wenn das für die reguläre Zuchtuntersuchung vorgesehene Mindestalter noch nicht erreicht ist und kein medizinischer Grund für die Untersuchung besteht.
Damit kann ein junger Hund, der bislang aus gutem Grund noch nicht offiziell auf HD geröntgt wurde, vor einer ziemlich einfachen Entscheidung stehen: nicht röntgen und Dortmund auslassen.
Beim Boxer reicht das HD-Röntgen allein noch nicht
Auch der Deutsche Boxer benötigt einen HD-Nachweis mit Ergebnis A, B oder C. Boxer mit HD D oder E sind ausgeschlossen. (hund-und-pferd.de)
Zusätzlich gehört der Boxer aber zu den ausdrücklich genannten brachycephalen Rassen.
Damit gilt auch für ihn das Dortmunder Verhältnis zwischen Nasen- und Schädellänge. Beträgt die Strecke zwischen Nasenspitze und Stop weniger als ein Drittel der Schädellänge vom Stop bis zum Hinterhauptbein, darf der Hund nicht ausgestellt werden. (hund-und-pferd.de)
Das ist ein entscheidender Unterschied: Ein einwandfreies HD-Ergebnis bedeutet noch keineswegs automatisch, dass der Boxer in Dortmund tatsächlich in den Ring darf.
Border Collie: Merle wird genau betrachtet
Beim Border Collie beziehen sich die zusätzlichen verdeckten Anforderungen insbesondere auf Hunde mit Merle-Zeichnung.
Für sie wird eine tierärztliche Bescheinigung über eine ophthalmologische und audiometrische Untersuchung ohne Hinweis auf Taubheit oder eine Augenmissbildung verlangt.
Alternativ können Merle-Gentest oder Abstammungsnachweis vorgelegt werden.
Homozygote Merle-Hunde werden ausgeschlossen. Ebenfalls ausgeschlossen werden nach der Dortmunder Vorgabe heterozygote Hunde, die die Mh-Variante tragen. (hund-und-pferd.de)
Und genau bei solchen genetischen Regelungen liegt einer der großen Streitpunkte zwischen Veterinäramt und Veranstalter.
Der VDH kritisiert den Ausschluss gesunder heterozygoter Träger
Der Veranstalter schreibt ungewöhnlich offen, dass er Teile der behördlichen Auflagen fachlich und sachlich für fehlerhaft hält.
Ausdrücklich kritisiert wird beispielsweise der Ausschluss heterozygoter Träger rezessiv vererbter Erkrankungen.
Bei einer klassischen rezessiven Erkrankung bedeutet „heterozygot“ zunächst einmal, dass der Hund nur eine Kopie der betreffenden Genvariante trägt. Ein solcher Hund erkrankt bei vielen rezessiven Erkrankungen selbst nicht daran.
Trotzdem verlangt die Dortmunder Verfügung bei mehreren Gentests den Ausschluss sowohl homozygoter als auch heterozygoter Träger.
Der VDH kritisiert außerdem, dass teilweise Gentests auf Erkrankungen verlangt würden, die bei den betreffenden Rassen nach seiner Darstellung nachweislich gar nicht vorkommen. Auch diese Punkte sind Teil der rechtlichen Auseinandersetzung. (hund-und-pferd.de)
Dobermann: Herz und von-Willebrand
Beim Dobermann werden die Anforderungen besonders umfangreich.
Ab einem Alter von drei Jahren muss eine Echokardiographie zusammen mit einem 24-Stunden-Holter-EKG vorliegen. Es darf kein Befund einer Dilatativen Kardiomyopathie, kurz DCM, bestehen, und der Befund darf nicht älter als zwei Jahre sein.
Hunde unter drei Jahren benötigen diesen Nachweis noch nicht.
Zusätzlich wird eine Blutuntersuchung ohne entsprechenden Befund oder alternativ ein Gentest auf die von-Willebrand-Erkrankung Typ 1 verlangt.
Beim Gentest werden wiederum sowohl homozygote als auch heterozygote Träger der betreffenden Genvariante ausgeschlossen. (hund-und-pferd.de)
Deutsche Dogge, Wolfshund und Bernhardiner brauchen Herzuntersuchungen
Auch bei verschiedenen großen Rassen steht das Herz im Mittelpunkt.
Bei der Deutschen Dogge ist ab drei Jahren eine Echokardiographie und ein EKG ohne Hinweis auf Dilatative Kardiomyopathie vorgeschrieben. Der Befund darf höchstens zwei Jahre alt sein. Zusätzlich gelten bei der Dogge je nach Farbe Merle-Vorgaben und außerdem HD-Anforderungen. (hund-und-pferd.de)
Für den Irischen Wolfshund gilt ebenfalls ab drei Jahren die Forderung nach Echokardiographie und EKG ohne DCM-Befund, maximal zwei Jahre alt.
Entsprechende Herzanforderungen gelten auch für den Bernhardiner. (hund-und-pferd.de)
HD betrifft eine erstaunlich lange Liste von Rassen
Der Golden Retriever und der Boxer sind keineswegs allein.
HD A, B oder C wird unter anderem auch bei Alaskan Malamute, Appenzeller Sennenhund, Berner Sennenhund, Bordeauxdogge, Deutscher Schäferhund, Deutscher Dogge, Kaukasischem Owtscharka, Leonberger, Mastiff, Mastino Napoletano, Neufundländer und Rottweiler verlangt.
HD D und E führen bei diesen Rassen zum Ausschluss. (hund-und-pferd.de)
Gerade daran sieht man, wie weit die Dortmunder Regeln über die öffentlich viel diskutierten kurzköpfigen Hunderassen hinausgehen.
Französische Bulldogge: eine ganze Batterie an Voraussetzungen
Besonders umfangreich sind die Anforderungen bei der Französischen Bulldogge.
Verlangt wird eine Bescheinigung darüber, dass keine klinisch relevante Verlängerung des Gaumensegels vorliegt.
Bei hohem Weißanteil im Kopfbereich muss Taubheit ausgeschlossen werden.
Zusätzlich muss bestätigt werden, dass keine radiologisch darstellbaren Wirbeldeformationen vorhanden sind.
Außerdem wird ein Röntgennachweis der Wirbelsäule ohne erkennbare Bandscheibenverkalkungen verlangt oder alternativ ein CDDY-Gentest beziehungsweise entsprechender Abstammungsnachweis. Beim Gentest werden sowohl homozygote als auch heterozygote Träger ausgeschlossen. (hund-und-pferd.de)
Danach kommen allerdings immer noch die äußerlich überprüfbaren Kriterien hinzu, insbesondere Nasenlänge, Nasenlöcher und Rute.
Auch für die Französische Bulldogge weist der Veranstalter deshalb ausdrücklich darauf hin, dass eine Teilnahme aufgrund der behördlichen Vorgaben zu den sichtbaren Merkmalen in der Regel nicht möglich sein wird. (hund-und-pferd.de)
Dieser Satz dürfte bei einer internationalen Hundeausstellung durchaus Geschichte schreiben.
Beim Bedlington Terrier steht sogar die Leberbiopsie in der Verfügung
Zu den außergewöhnlichsten Forderungen gehört die Regelung für den Bedlington Terrier.
Hier wird eine tierärztliche Bescheinigung über eine Leberbiopsie ohne pathologischen Befund genannt.
Alternativ kann ein Gentest auf die COMMD1-Genvariante für die Kupferspeicherkrankheit oder ein entsprechender Abstammungsnachweis verwendet werden.
Beim Gentest werden homozygote und heterozygote Träger ausgeschlossen. (hund-und-pferd.de)
Gerade bei dieser Regelung stellt sich die Tierschutzfrage beinahe auf den Kopf.
Der Veranstalter rät ausdrücklich davon ab, einen Hund allein wegen einer Ausstellung einer invasiven Untersuchung zu unterziehen.
Beim Norwegischen Lundehund geht es noch einen Schritt weiter
Beim Norwegischen Lundehund verlangt die Dortmunder Verfügung eine tierärztliche Bescheinigung über eine endoskopische Untersuchung des Magen-Darm-Traktes ohne Befund.
Alternativ kann ein Gentest auf das Lundehundsyndrom vorgelegt werden.
Der Veranstalter weist auch hier ausdrücklich darauf hin, dass kein Hund nur für die Erlangung einer Teilnahmeberechtigung einer invasiven Untersuchung unterzogen werden sollte. (hund-und-pferd.de)
Dass auf einer Hundeausstellung im Namen des Tierschutzes theoretisch eine Magen-Darm-Endoskopie zur Eintrittsvoraussetzung werden kann, erklärt ziemlich gut, warum die Diskussion inzwischen weit über die gewöhnlichen Debatten zwischen Züchtern und Tierschützern hinausgeht.
Auch Nieren, Blut, Harn und Hörvermögen spielen eine Rolle
Die Liste geht noch erheblich weiter.
Beim Miniatur-Bullterrier werden beispielsweise Ultraschall und Blutuntersuchung der Nieren verlangt oder alternativ ein entsprechender Gentest beziehungsweise Abstammungsnachweis. (hund-und-pferd.de)
Beim Dalmatiner wird auf Hyperurikosurie untersucht, entweder über Blut und Harn oder über einen Gentest. Zusätzlich spielt wegen des hohen Weißanteils das Hörvermögen eine Rolle. (hund-und-pferd.de)
Beim Neufundländer kommen sogar mehrere Bereiche zusammen: Herzuntersuchung ab drei Jahren, Untersuchung auf Cystinurie beziehungsweise genetischer Nachweis und HD-Röntgen. (hund-und-pferd.de)
Weiße Köpfe und Merle-Färbung werden ebenfalls zum Thema
Bei zahlreichen Rassen führen bestimmte Fellzeichnungen zu weiteren Nachweispflichten.
Hunde mit starkem Weißanteil im Kopf- beziehungsweise Ohrenbereich benötigen bei verschiedenen Rassen einen Nachweis darüber, dass keine ein- oder beidseitige Taubheit besteht.
Das betrifft beispielsweise Dalmatiner, Dogo Argentino, English Setter, Jack Russell Terrier, Parson Russell Terrier, Pyrenäen-Berghund und weitere Rassen. (hund-und-pferd.de)
Bei Merle-Hunden werden je nach Rasse Augen- und Höruntersuchungen oder genetische beziehungsweise abstammungsbezogene Nachweise verlangt. Dies betrifft unter anderem Dackel, Border Collie, Collie, Deutsche Dogge, Mudi, Pyrenäen-Schäferhund, Welsh Corgi Cardigan und weitere Merle-Rassen. (hund-und-pferd.de)
Und dann kommt jeder Hund noch einmal unter die Lupe
Selbst diese umfangreichen rassespezifischen Untersuchungen ersetzen die Kontrolle vor Ort nicht.
Die äußerlich sichtbaren Ausschlussmerkmale gelten für alle teilnehmenden Hunde.
Kontrolliert werden können unter anderem stark hervorstehende Augen, Entropium und Ektropium, Dermoidzysten und Dermoidsinus, fehlende oder geschorene Vibrissen, bestimmte Formen von Alopezie, Albinismus, übermäßige Hautfalten, Farbverdünnungsalopezie, extrem lange Hängeohren, angeborene Rutenverkürzungen, extreme Brachycephalie, stark verengte Nasenlöcher und eine aus dem geschlossenen Maul heraushängende Zunge. (hund-und-pferd.de)
Selbst die Ohrenlänge ist definiert: Hunde können ausgeschlossen werden, wenn die Ohrspitzen den Boden berühren, während die Schnauze Bodenkontakt hat. Hier nennt der Veranstalter insbesondere Basset Hound und Bloodhound.
Bei angeboren kurzen Ruten geht es darum, ob ausreichende Beweglichkeit vorhanden ist und die Rute bestimmte anatomische Bereiche bedecken kann.
Und geschorene Vibrissen sind ebenfalls tabu. Ein perfekt herausgeputzter Ausstellungshund kann sich damit ausgerechnet durch besonders enthusiastisches Grooming selbst aus dem Ring manövrieren. (hund-und-pferd.de)
Der große Unterschied: Es geht nicht mehr nur um kranke Hunde
Genau an diesem Punkt wird die Hund & Pferd Dortmund 2026 aus meiner Sicht wirklich interessant.
Natürlich ist es richtig, dass ein Hund mit massiver Atemnot, schmerzhaften Augenproblemen, neurologischen Schäden oder schwerer orthopädischer Erkrankung nicht zum Zweck einer Auszeichnung durch einen Showring geführt werden sollte.
Darüber dürfte wenig ernsthafter Streit bestehen.
Doch die Dortmunder Verfügung geht wesentlich weiter.
Teilweise entscheidet nicht eine aktuelle Erkrankung über die Teilnahme, sondern ein Röntgenbefund, ein bestimmtes Körpermaß oder der Status als genetischer Träger.
Ein klinisch völlig unauffälliger Hund kann deshalb ausgeschlossen sein.
Und damit verändert sich die Bedeutung einer Hundeausstellung erheblich.
Aus dem Schönheitswettbewerb wird ein Gesundheitsfilter
Rassehundeausstellungen wurden traditionell geschaffen, um Hunde danach zu beurteilen, wie gut sie dem jeweiligen Rassestandard entsprechen.
Richter betrachten Gebäude, Bewegung, Kopf, Fell, Gebiss, Wesen und zahlreiche weitere Merkmale.
Mit Dortmund 2026 tritt daneben zunehmend eine zweite Frage:
Darf ein Hund, der seinem Rassestandard hervorragend entspricht, überhaupt noch ausgestellt werden, wenn genau diese rassetypische Ausprägung gesundheitlich problematisch bewertet wird?
Beim Mops ist dieser Konflikt kaum noch zu übersehen.
Ein extrem kurzer Fang wurde über Jahrzehnte innerhalb der Rassezucht nicht zufällig erzeugt. Diese Kopfform war Teil dessen, was gezüchtet, ausgestellt und prämiert wurde.
Nun verlangt das Veterinäramt eine Nase von mindestens einem Drittel der Schädellänge.
Wenn typische Vertreter einer Rasse dieses Verhältnis nicht erreichen und deshalb bereits vor dem Ring ausscheiden, stellt sich zwangsläufig die nächste Frage:
Wie muss sich dann langfristig der Hund verändern, der im Ring gewinnen kann?
Und damit bekommt eine kommunale Ordnungsverfügung plötzlich unmittelbaren Einfluss auf die Richtung der Rassehundezucht.
Dortmund 2026 könnte weit über Hundeausstellungen hinaus Bedeutung bekommen
Genau deshalb dürfte die Hundeausstellung Dortmund im November 2026 aufmerksam beobachtet werden.
Nicht nur von den Menschen, die mit ihren Hunden dort antreten möchten.
Wenn eine der größten Hundeausstellungen Deutschlands mit rund 8.000 Hunden solche Teilnahmebedingungen umsetzt, ist das ein Vorgang mit Signalwirkung. (hund-und-pferd.de)
Dabei muss man die Kritik an einzelnen Maßnahmen ernst nehmen, ohne deshalb die grundsätzliche Idee gesundheitlicher Grenzen bei Hundeausstellungen abzulehnen.
Denn beides kann gleichzeitig wahr sein.
Es kann richtig sein, einen Hund mit erheblichen gesundheitlichen Folgen extremer Zuchtmerkmale nicht auszustellen.
Und es kann trotzdem fachlich fragwürdig sein, einen gesunden heterozygoten Träger einer rezessiven Erkrankung auszuschließen oder einen Hund ohne medizinischen Grund einer invasiven Untersuchung zu unterziehen.
Genau diese Differenzierung fehlt in vielen Diskussionen über sogenannte Qualzucht.
Gesundheit ist eben komplizierter als „Gen gefunden, Hund raus“.
Die Bundessieger-Ausstellung Dortmund wird 2026 deshalb besonders spannend
Die Hund & Pferd findet vom 6. bis 8. November 2026 in der Messe Dortmund in den Westfalenhallen statt. Die Bundessieger-Ausstellung läuft dabei nach FCI-Gruppen an allen drei Tagen, ebenso die Agria Trophy Show. Die Bewertungen beginnen jeweils um 10 Uhr, der Einlass der Hunde erfolgt ab 8.30 Uhr. (hund-und-pferd.de)
Doch 2026 werden vermutlich schon vor Beginn der eigentlichen Rassebewertungen einige der interessantesten Entscheidungen fallen.
Nicht beim Richter.
Sondern beim Tierarzt.
Denn ein Championtitel, eine lange Ahnentafel und frühere internationale Ausstellungserfolge helfen einem Hund nicht weiter, wenn er die Dortmunder Teilnahmebedingungen nicht erfüllt.
Für Dackel kann eine einzige sichtbare Bandscheibenverkalkung entscheidend sein. Beim Golden Retriever kann HD D das Ende der Ausstellung bedeuten. Beim Boxer kann neben der Hüfte das Verhältnis zwischen Nase und Schädel entscheidend werden. Beim Border Collie rückt Merle-Genetik in den Mittelpunkt. Beim Mops kann bereits die Kopfform dafür sorgen, dass der Hund gar nicht erst in den Ring gelangt.
Und bei einigen Rassen stehen Anforderungen im Raum, bei denen selbst der Veranstalter ausdrücklich davon abrät, die dafür notwendige Untersuchung allein für eine Hundeausstellung durchführen zu lassen.
Die Hundeausstellung Dortmund 2026 wird deshalb sehr viel mehr sein als eine große Schau schöner Rassehunde.
Sie könnte zu einem der sichtbarsten Schauplätze der Frage werden, die die Rassehundezucht in den nächsten Jahren ohnehin beschäftigen wird:
Wie viel Rassestandard darf bleiben, wenn Gesundheit zur verbindlichen Grenze wird?
Lese hier weiter: Die Folgen der Tierschutzhundeverordnung für die FCI Hundezucht






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