
Junior Handling: Wie Kinder und Jugendliche mit Hund in den Ring kommen
Beim Junior Handling wird nicht der Hund bewertet, sondern der Mensch. Der Richter beurteilt, wie gut ein Kind oder ein Jugendlicher einen Hund im Ring präsentiert.
Das ist der beste Einstieg in den Ausstellungssport, den es gibt. Es geht nicht um die Qualität des Hundes, also fällt der Druck durch das Zuchtergebnis weg. Und für Erwachsene, die selbst anfangen wollen, ist es das beste Anschauungsmaterial überhaupt, weil dort genau das bewertet wird, was im Rassering vorausgesetzt wird.
Dieser Beitrag erklärt, wer mitmachen darf, welcher Hund geeignet ist, was der Richter sehen will und wie das Training aussieht.
Die kurze Antwort
Zugelassen sind Jugendliche von 9 bis 17 Jahren. Es gibt zwei Altersklassen: 9 bis 12 Jahre und 13 bis 17 Jahre. Stichtag für die Zuordnung ist der Tag vor der Veranstaltung.
Das Einverständnis eines Erziehungsberechtigten muss vorliegen. Der Hund muss dem Junior Handler nicht gehören, er muss aber ein Rassehund sein und in einem von der FCI anerkannten Zuchtbuch oder Register eingetragen sein.
Auf internationalen Ausstellungen ist Junior Handling verbindlich durchzuführen. Viele nationale und Spezialausstellungen bieten es ebenfalls an.
Wer teilnehmen darf
Die beiden Altersklassen im VDH-Bereich:
Altersklasse 1: 9 bis 12 Jahre.
Altersklasse 2: 13 bis 17 Jahre.
Maßgeblich ist das Alter am Tag vor der Veranstaltung. Wer also am Ausstellungssonntag dreizehn wird, startet noch in Altersklasse 1.
Viele Vereine bieten zusätzlich eine Altersklasse 0 für Kinder unter neun Jahren an. Sie dient zum Üben und wird nicht bewertet. Das ist ein guter erster Schritt für jüngere Kinder, weil sie den Ring kennenlernen, ohne dass ein Ergebnis daran hängt.
Wichtig für die Planung: Nachmeldungen sind beim Junior Handling nicht möglich. Wer teilnehmen will, muss zum regulären Meldeschluss gemeldet sein.
Welcher Hund geeignet ist
Der Hund muss dem Junior Handler nicht gehören. Es kann der Familienhund sein oder ein fremder Hund, der geliehen wird. Die einzige formale Bedingung ist, dass er ein Rassehund ist und in einem von der FCI anerkannten Zuchtbuch oder Register eingetragen ist.
Der Hund muss an diesem Tag nicht selbst ausgestellt worden sein, und seine Rasse muss nicht gerichtet worden sein. Der Impfpass gehört trotzdem immer mit ins Gepäck.
Der gemeldete Hund kann bis zum Beginn des Richtens ausgetauscht werden. Ausstellungs- und Ringleitung sind dann zu verständigen, und der gesamte Wettbewerb ist danach mit demselben Hund durchzuführen.
Praktisch geeignet ist ein Hund, der:
zum Kind passt, was Größe und Kraft angeht. Ein neun Jahre altes Kind an einem sehr großen, zugkräftigen Hund ist überfordert, und das sieht der Richter sofort.
fremde Berührung ruhig annimmt, weil der Richter ihn anfassen wird.
andere Hunde auf engem Raum ignorieren kann.
die Untersuchung und das Stehen bereits kennt.
Ein Hund, der beim Kind unsicher ist oder den es nicht halten kann, gehört nicht in den Ring. Teilnehmer, die ihre Hunde offensichtlich nicht unter Kontrolle haben, müssen vom Wettbewerb ausgeschlossen werden. Das ist eine Regel zum Schutz aller Beteiligten.
Was der Richter bewertet
Der Richter achtet auf:
Rasse- und ausstellungsgerechtes Vorführen des Hundes in der Bewegung und im Stand.
Den Umgang mit dem Hund insgesamt, also einen ruhigen, freundlichen und sicheren Umgang.
Die Aufmerksamkeit gegenüber dem Richter und den Anweisungen der Ringleitung.
Die Fähigkeit, den Hund unter Kontrolle zu halten.
Angemessene Kleidung und gepflegtes Auftreten.
Bemerkenswert daran ist, was nicht auf der Liste steht: der Formwert des Hundes. Ein durchschnittlicher Hund, gut vorgeführt, schlägt beim Junior Handling einen ausgezeichneten Hund, der schlecht geführt wird.
Der Ablauf im Ring
Der Ablauf orientiert sich an der Bewertung in den Rasseringen. Erst sieht sich der Richter die Gruppe gemeinsam an, im Stand und in der Bewegung. Danach kommt jeder Teilnehmer einzeln dran.
Aus den Durchführungsbestimmungen stammt der beste praktische Tipp für jeden Anfänger, gleich welchen Alters: Bevor Du den Ring betrittst, schau Dich darin um. Wo steht der Richter? Wie groß ist der Ring? Und beim Laufen gilt angemessene Geschwindigkeit und ausreichender Abstand zu den anderen, damit niemand aufläuft.
Wer unsicher ist, welches Laufmuster verlangt wird, fragt nach. Das ist normal und wird nicht negativ bewertet.
Kleidung
Die Kleidung soll den Hund zur Geltung bringen und den Handler nicht behindern. Konkret heißt das:
Ein Kontrast zum Fell des Hundes. Ein schwarzer Hund vor schwarzer Hose verschwindet. Bei dunklen Hunden also hellere Hose, bei hellen Hunden dunklere.
Einfarbig oder dezent, kein Muster, das ablenkt.
Bewegungsfreiheit. Es wird getrabt, gebückt und gekniet. Der VDH weist in den Junior-Handling-Bestimmungen ausdrücklich darauf hin, dass ein kurzer Rock ungeeignet ist, wenn man sich darin nicht über den Hund beugen kann.
Flache Schuhe mit gutem Grip. Auf glattem Hallenboden ist das eine Sicherheitsfrage.
Taschen oder eine Bauchtasche für Leckerchen und die Ringnummer.
Keine klimpernden Ketten oder Armreifen, die den Hund irritieren.
Kein Zwingerlogo und kein Hinweis auf die Abstammung. Das ist im Bewertungs- und Ehrenring ausdrücklich verboten.
Das Training, Teil 1: der Stand
Der Hund soll ruhig und korrekt stehen, während der Richter ihn ansieht.
Bau das in kurzen Einheiten auf, täglich ein bis zwei Minuten reichen. Zuerst wenige Sekunden, dann zehn, dann dreißig. Zwei Minuten Stehen sind das Ziel, weil in der Aufstellung am Ende einer Klasse lange gewartet wird.
Zwei Punkte, die dabei häufig schiefgehen:
Das Kind steht hinter dem Hund und verdeckt ihn. Der Hund gehört zwischen Kind und Richter, nicht hinter das Kind. Beim Anhalten tritt man einen halben Schritt zur Seite.
Belohnt wird erst, wenn der Hund schon losgelaufen ist. Damit belohnt man das Losgehen. Richtig ist die Belohnung, während der Hund noch steht, oder unmittelbar danach, bevor aufgelöst wird.
Das Training, Teil 2: Bewegung und Laufmuster
Beurteilt wird der Trab. Für jeden Hund gibt es ein Tempo, in dem er am besten aussieht. Zu langsam lässt ihn schlurfen, zu schnell drängt ihn in einen unnatürlichen Bewegungsablauf.
Das Tempo findet man am schnellsten mit einer Videoaufnahme: eine gerade Strecke von etwa dreißig Metern, dreimal in unterschiedlichem Tempo gelaufen, seitlich, von vorn und von hinten gefilmt. Danach sucht man in Zeitlupe das Tempo, in dem die Oberlinie ruhig bleibt und die Beine gleichmäßig durchschwingen.
Die Muster, die verlangt werden können:
Down and Back, also geradeaus vom Richter weg, wenden, zurück. Das Grundmuster.
Das Dreieck: vom Richter weg zur gegenüberliegenden Ringecke, quer an der kurzen Seite entlang, diagonal zurück. Das aussagekräftigste und am häufigsten verlangte Muster.
Das umgekehrte Dreieck, das L und das T als Varianten.
Bei der Wende gibt es zwei saubere Techniken: sich umdrehen mit dem Hund außen, sodass er auf derselben Seite bleibt, oder der Handwechsel, bei dem beide sich zueinander drehen und der Hund die Seite wechselt. Was man nicht macht, ist die U-Wende, bei der man um den Hund herumläuft. Das gilt als schwerer Fehler.
Zum Üben genügen vier Markierungen im Garten im Abstand von zehn bis fünfzehn Metern. Wichtig: nicht immer dieselbe Reihenfolge trainieren, sonst nimmt der Hund die Wendung vorweg.
Das Training, Teil 3: die Untersuchung durch den Richter
Der Richter tritt an den stehenden Hund heran, sieht sich Kopf und Ausdruck an, kontrolliert das Gebiss, fährt mit den Händen über Hals, Schulter, Brustkorb, Rücken und Kruppe und sieht sich die Rute an.
Der Aufbau folgt drei Stufen:
Stufe 1, das Kind selbst. Der Hund steht, das Kind tastet ihn systematisch ab, in der Reihenfolge, die ein Richter nutzt. Kurz, ruhig, danach Belohnung.
Stufe 2, bekannte Personen. Familie, Nachbarn, Trainingspartner. Erklär ihnen vorher, was sie tun sollen: seitlich herantreten, nicht über den Kopf greifen, nicht ansprechen, zügig arbeiten, dann weggehen.
Stufe 3, Fremde. Das ist die entscheidende Stufe und die, die am häufigsten übersprungen wird. Ein Hund, der die Untersuchung von seiner Familie akzeptiert, kann bei einer fremden Person in fremder Umgebung völlig anders reagieren. Ringtrainingsgruppen sind dafür ideal, weniger wegen des Trainings selbst als wegen der ständig wechselnden fremden Menschen.
Der Hundetausch im Finale
Auf Anordnung des Richters kann ein neutraler Hund vorgeführt oder es können Hunde untereinander getauscht werden. Das ist ein Klassiker in Finalrunden, weil sich daran zeigt, wer wirklich handlen kann und wer nur einen gut eingespielten Hund führt.
Darauf kann man sich vorbereiten. Lass Dein Kind regelmäßig andere Hunde führen: den Hund einer Freundin, einen zweiten Familienhund, Hunde aus der Ringtrainingsgruppe. Verschiedene Größen, verschiedene Felltypen, verschiedene Temperamente.
Wer drei unterschiedliche Hunde sicher führen kann, ist beim Tausch entspannt. Wer immer nur den eigenen geführt hat, steht plötzlich mit einem fremden Tier im Ring und weiß nicht, wo er anfangen soll.
Punkte, Ergebnispass und Meldefristen
In jeder Altersklasse werden die fünf Besten platziert. Zusätzlich wird ein Tagessieger ermittelt.
Alle Teilnehmer erhalten eine Urkunde beziehungsweise einen Nachweis der erworbenen Punkte. Darauf stehen die Platzierung in der Altersklasse, ob der Tagessieg erreicht wurde, die Art der Veranstaltung und die Anzahl der Teilnehmer in der Altersklasse. Der VDH gibt dafür einen Ergebnispass aus.
Ein Punkt, an dem viele Familien scheitern: Punkte, die auf nationalen und internationalen VDH-Ausstellungen errungen wurden, sind innerhalb von vierzehn Tagen nach der Veranstaltung zu melden. Wer das vergisst, verliert sie. Trag Dir den Termin direkt am Ausstellungstag in den Kalender ein.
Das Jahresfinale und der Weg zu Crufts
Für das Jahresfinale qualifizieren sich Teilnehmer, die im Wertungszeitraum eine Mindestpunktzahl erreicht haben. Zuletzt waren das mindestens 60 Punkte, darunter eine Platzierung auf den Plätzen 1 bis 3 in der jeweiligen Altersklasse auf einer deutschen internationalen Ausstellung. Die Punkte müssen im Alter von höchstens 17 Jahren erreicht worden sein.
Zugelassen sind nur Teilnehmer mit Hauptwohnsitz in Deutschland. Beim Finale selbst werden keine Punkte mehr vergeben. Traditionell findet es im Rahmen der Bundessieger-Ausstellung statt.
Der Gesamtsieger vertritt den VDH im Folgejahr bei internationalen Wettbewerben, allen voran beim Junior-Handling-Finale bei Crufts, außerdem bei der FCI World Dog Show und der FCI Eurodog Show.
Weil sich die genauen Qualifikationsbedingungen ändern können, prüf sie vor der Saison in der aktuellen Durchführungsbestimmung des VDH.
Wer richtet
Als Junior-Handling-Richter sind im VDH-Bereich nur ausgebildete Zuchtrichter zugelassen, mit einem Mindestalter von 21 Jahren. Er muss ernsthaftes Interesse am Junior Handling haben, mit den Durchführungsbestimmungen vertraut sein und umfassende Kenntnisse über das rassespezifische Handling der vertretenen Rassen mitbringen. Nach Meldeschluss bekommt er die Liste der gemeldeten Rassen, damit er sich vorbereiten kann.
Ein schönes Detail aus der Durchführungsbestimmung: Nach der Bewertung im Ehrenring werden die Kinder und Jugendlichen vom Richter mit Handschlag verabschiedet.
Die Rolle der Eltern
Der wichtigste Beitrag der Eltern liegt vor dem Ausstellungstag, nicht an ihm.
Vorher: Meldung rechtzeitig abschicken, Einverständniserklärung mitbringen, Impfpass einpacken, für Kleidung sorgen, in der sich das Kind bewegen kann, und das Training so einteilen, dass es kurz und freiwillig bleibt.
Am Tag: Ruhe. Ein Kind, das kurz vor dem Ring noch Anweisungen bekommt, wird nervös, und der Hund merkt es. Gut ist ein fester Ablauf in der letzten halben Stunde: lösen gehen, Wasser anbieten, Fell durchgehen, Leine anlegen, Nummer befestigen, zwei kurze Übungen, dann an den Ring gehen und dort bleiben.
Danach: Das Ergebnis ist die Meinung eines einzelnen Menschen an einem einzelnen Tag. Was zählt, ist, ob das Kind wieder in den Ring will. Der beste Grundsatz aus dem Ringtraining gilt auch hier: aufhören, solange es gut läuft.
Was Junior Handling bringt
Für Kinder ist es der sanfteste Einstieg. Weil nicht der Hund bewertet wird, gibt es keinen Druck durch das Zuchtergebnis. Was trainiert wird, sind übertragbare Dinge: ruhig mit einem Tier umgehen, Anweisungen einer fremden Autorität aufnehmen und umsetzen, sich vor Publikum konzentrieren, mit einem Ergebnis umgehen, das man nicht vollständig steuern kann.
Wer hier lernt, führt später auch einen mittelmäßigen Hund gut vor, und das ist eine Fähigkeit, die im Rassering direkt Ergebnisse verändert.
Für Erwachsene, die neu anfangen, ist der Junior-Handling-Ring das beste Anschauungsmaterial auf der ganzen Ausstellung. Stell Dich an den Ring und sieh zu. Dort wird laut und deutlich vorgeführt, was ein Richter gut findet.
Häufige Fragen zum Junior Handling
Ab welchem Alter darf mein Kind mitmachen?
Regulär ab 9 Jahren. Viele Vereine bieten für jüngere Kinder eine unbewertete Übungsklasse an.
Braucht mein Kind einen eigenen Hund?
Nein. Der Hund muss dem Junior Handler nicht gehören. Er muss ein Rassehund mit Eintragung in einem FCI-anerkannten Zuchtbuch oder Register sein.
Muss der Hund an dem Tag ausgestellt werden?
Nein. Er muss weder gemeldet noch gerichtet worden sein.
Kann man kurzfristig nachmelden?
Nein. Nachmeldungen sind beim Junior Handling nicht möglich.
Was kostet die Teilnahme?
Die Gebühren legt der Veranstalter fest und nennt sie in der Ausschreibung. Sie liegen deutlich unter dem Meldegeld für einen Rassehundestart.
Was passiert, wenn der Hund nicht mitmacht?
Dann bricht man ab. Teilnehmer, die ihre Hunde nicht unter Kontrolle haben, müssen vom Wettbewerb ausgeschlossen werden. Ein Abbruch aus eigener Entscheidung ist die bessere Variante und für das Kind die richtige Lektion.
Wie Du anfängst
Der einfachste erste Schritt kostet nichts: Fahrt zu einer Ausstellung, ohne gemeldet zu haben, und seht Euch den Junior-Handling-Ring an. Zwei Stunden dort sagen mehr als jede Anleitung.
Danach: Ringtrainingsgruppe suchen, beim Rassezuchtverein nach Terminen fragen, und für die erste Meldung eine kleinere Veranstaltung wählen statt einer großen internationalen Ausstellung. Der Ring ist derselbe, aber es ist leiser, es sind weniger Menschen da, und beim ersten Mal zählt vor allem, dass es ein guter Tag wird.
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