
Hundeverhalten: Warum Hunde tun, was sie tun
Hunde tun den ganzen Tag Dinge, über die wir Menschen erstaunlich viel nachdenken können. Sie seufzen, obwohl scheinbar überhaupt nichts passiert ist. Sie drehen sich dreimal im Kreis, bevor sie sich hinlegen. Sie scharren nach dem Geschäft, obwohl dabei offensichtlich nichts zugeschaufelt wird. Manche Hunde schlafen am liebsten auf dem Rücken, andere kriechen unter jede erreichbare Decke. Sie legen uns eine Pfote auf den Arm, starren uns minutenlang an, lehnen sich gegen unsere Beine oder folgen uns sogar ins Badezimmer.
Manche Hunde hören einfach nicht, obwohl wir schon viele Hundetrainer hatten.
Und irgendwann sitzt man da und fragt sich: Warum macht mein Hund das eigentlich?
Hat er vielleicht Schmerzen? Oder ist er Stur? Warum ist mein Hund so aggressiv an der Leine? Warum mag er nicht Gassi gehen?
Genau darum geht es beim Hundeverhalten. Nicht jedes Verhalten ist ein Problem, das trainiert oder korrigiert werden muss. Ganz im Gegenteil: Ein großer Teil dessen, was Hunde tun, ist vollkommen normales Verhalten. Manchmal steckt ein angeborenes Verhaltensmuster dahinter, manchmal eine Emotion, ein Bedürfnis oder eine Lernerfahrung. Und manches Verhalten hat schlicht damit zu tun, dass Hunde ihre Umwelt völlig anders wahrnehmen als wir.
Wer Hundeverhalten verstehen möchte, sollte deshalb nicht zuerst fragen: „Wie bekomme ich das weg?“, sondern viel häufiger: „Warum macht mein Hund das?“
Denn Verhalten ist zunächst einmal Information.

Was gehört eigentlich zum Hundeverhalten?
Im Grunde gehört alles dazu, was ein Hund tut oder bewusst unterlässt. Das beginnt bei auffälligen Dingen wie Bellen, Knurren, Spielen oder Jagen und reicht bis zu kleinen Verhaltensweisen, die wir im Alltag kaum wahrnehmen.
Wie schläft dein Hund? Wo legt er sich hin? Sucht er Körperkontakt oder lieber etwas Abstand? Was macht er, wenn du nach Hause kommst? Wie begegnet er fremden Menschen? Wie verhält er sich gegenüber anderen Hunden? Was tut er, wenn er aufgeregt, müde oder unsicher ist?
Auch Seufzen, Gähnen, Lecken, Scharren, Schnüffeln, Strecken, Zittern, Kratzen, Wälzen oder das Ablegen einer Pfote sind Verhalten.
Gerade diese kleinen Dinge sind spannend, weil Hunde einen erheblichen Teil ihrer Kommunikation nicht über spektakuläre Gesten abwickeln. Ihre Körpersprache besteht aus vielen kleinen Signalen.
Dabei darf man einzelne Verhaltensweisen allerdings nicht wie Wörter in einem Wörterbuch übersetzen. Ein Hund, der gähnt, ist nicht automatisch müde. Ein Hund, der sich über die Nase leckt, hat nicht zwangsläufig Hunger. Und ein wedelnder Schwanz bedeutet keineswegs immer Freude.

Verhalten bekommt seine Bedeutung erst durch den Zusammenhang.
Warum verhält sich mein Hund so?
Auf diese Frage gibt es selten nur eine mögliche Antwort.
Das Verhalten eines Hundes entsteht aus einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Dazu gehören unter anderem seine genetische Veranlagung, Erfahrungen, Lerngeschichte, aktuelle Emotionen, körperlicher Zustand, Bedürfnisse, Umwelt und Persönlichkeit.
Nehmen wir einen Hund, der sich unter einer Decke verkriecht.
Vielleicht friert er. Vielleicht liebt er Höhlen und enge Schlafplätze. Vielleicht sucht er deine Nähe. Vielleicht hat er gelernt, dass unter der Bettdecke der gemütlichste Platz des Hauses liegt. Vielleicht möchte er seine Ruhe haben.
Dasselbe sichtbare Verhalten kann also unterschiedliche Ursachen haben.
Deshalb ist bei der Interpretation von Hundeverhalten die Frage „Was passiert unmittelbar davor und danach?“ oft wesentlich hilfreicher als die isolierte Betrachtung einer einzelnen Bewegung.

Angeborenes Hundeverhalten: Manche Dinge bringt ein Hund einfach mit
Ein Hund kommt nicht als unbeschriebenes Blatt zur Welt.
Viele grundlegende Verhaltensweisen haben eine genetische Grundlage. Dazu gehören beispielsweise Teile des Jagdverhaltens, Sozialverhalten, Kommunikation, Erkundungsverhalten und bestimmte Bewegungsmuster.
Besonders deutlich wird das bei Hunderassen, die über viele Generationen für bestimmte Aufgaben gezüchtet wurden.
Ein Retriever trägt möglicherweise mit großer Begeisterung Dinge durch die Gegend. Ein Hütehund reagiert besonders aufmerksam auf Bewegungen. Ein Terrier interessiert sich vielleicht auffällig stark für kleine Tiere oder Löcher im Boden. Ein Lauf- oder Jagdhund kann Geruchsspuren eine Bedeutung beimessen, die seinem Menschen völlig übertrieben erscheint.
Das bedeutet nicht, dass jeder Hund einer Rasse dasselbe Verhalten zeigt. Hunde sind Individuen. Zucht und Genetik können aber beeinflussen, welche Verhaltensweisen einem Hund besonders leichtfallen, welche Reize ihn stark interessieren und welche Bedürfnisse ausgeprägter sind.
Auch viele kleine Alltagsrituale haben sehr alte Wurzeln.
Das berühmte Drehen vor dem Hinlegen beispielsweise wird häufig mit ursprünglichem Schlafplatzverhalten in Verbindung gebracht. Scharren kann unter anderem der Verbreitung von Geruchsinformationen dienen. Ausgiebiges Schnüffeln ist keine schlechte Angewohnheit, sondern eine der wichtigsten Möglichkeiten des Hundes, Informationen über seine Umgebung zu sammeln.
Manchmal beobachten wir also einen modernen Familienhund auf einem orthopädischen Hundebett und sehen trotzdem Verhalten, dessen Grundlagen wesentlich älter sind als das Hundebett selbst.
Hunde lernen ständig
Neben angeborenen Verhaltensweisen spielt Lernen eine enorme Rolle.
Und Hunde lernen nicht nur dann, wenn wir mit Leckerchen vor ihnen stehen und offiziell „Training“ veranstalten.
Sie lernen den ganzen Tag.
Ein Hund kann lernen, dass das Geräusch eines Schlüsselbundes bedeutet, dass gleich jemand das Haus verlässt. Er kann lernen, dass der Griff zur Leine einen Spaziergang ankündigt. Er merkt vielleicht, dass ein bestimmter Blick am Esstisch gelegentlich ein Stück Käse hervorzaubert.
Letzteres lernen einige Hunde mit einer bemerkenswerten wissenschaftlichen Gründlichkeit.
Verhalten, das sich für einen Hund lohnt, wird häufig wiederholt. Dabei muss die Belohnung nicht von uns bewusst gegeben werden.
Wenn ein Hund beispielsweise an einer Tür kratzt und die Tür daraufhin geöffnet wird, kann allein das Öffnen der Tür das Kratzen verstärken. Wenn er bellt und ein anderer Hund daraufhin Abstand nimmt, kann auch das für ihn erfolgreich gewesen sein.
Um Hundeverhalten zu verstehen, lohnt sich deshalb immer die Frage:
Was hat der Hund durch dieses Verhalten erreicht?
Die Antwort erklärt manchmal mehr als jede vermeintliche Charaktereigenschaft.

Bedürfnisse bestimmen das Verhalten eines Hundes
Hunde haben Bedürfnisse. Verhalten ist häufig der Versuch, eines davon zu erfüllen.
Dazu gehören grundlegende körperliche Bedürfnisse wie Nahrung, Wasser, Schlaf, Bewegung und Temperaturregulation. Hinzu kommen Sicherheit, soziale Kontakte, Erkundung, Beschäftigung, Rückzug und je nach Hund unterschiedlich stark ausgeprägte rassetypische Bedürfnisse.
Ein Hund, der ständig herumläuft, muss deshalb nicht unbedingt „unerzogen“ sein. Vielleicht findet er keine Ruhe. Ein Hund, der jeden Grashalm untersucht, ist nicht automatisch stur. Vielleicht ist Schnüffeln für ihn gerade wichtiger als zügiges Vorankommen.
Auch die Suche nach Nähe kann ein Bedürfnis ausdrücken.
Viele Hunde legen sich dicht neben ihren Menschen, schlafen an ihren Füßen, lehnen sich an oder suchen Körperkontakt. Andere möchten durchaus im selben Raum sein, bevorzugen aber einen gewissen Abstand.
Beides kann vollkommen normal sein.
Ein Hund muss nicht möglichst verschmust sein, um eine gute Bindung zu seinem Menschen zu haben.

Gefühle sieht man am Verhalten
Hunde erleben Emotionen, und diese beeinflussen ihr Verhalten.
Freude und positive Erregung gehören ebenso dazu wie Angst, Unsicherheit, Frustration oder Erwartung. Auch Entspannung lässt sich am Verhalten erkennen.
Das Schwierige daran: Eine einzelne Verhaltensweise kann bei unterschiedlichen Emotionen auftreten.
Ein Hund kann beispielsweise hecheln, weil ihm warm ist. Er kann aber auch aufgrund von Aufregung oder Stress hecheln. Gähnen kann Müdigkeit anzeigen, aber ebenfalls in angespannten Situationen auftreten.
Selbst Schwanzwedeln ist kein zuverlässiges Synonym für Freude.
Wedeln zeigt zunächst einmal Erregung beziehungsweise Aktivierung. Um einzuschätzen, was ein Hund gerade empfindet, müssen Körperhaltung, Gesichtsausdruck, Bewegungen und Situation gemeinsam betrachtet werden.
Ein entspannter Körper, weiche Gesichtszüge und lockere Bewegungen erzählen eine andere Geschichte als ein steifer Körper, nach hinten verlagerter Schwerpunkt und angespannte Gesichtsmuskulatur.

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Körpersprache: Hunde reden ständig mit uns
Menschen verlassen sich stark auf Sprache. Hunde verfügen dagegen über ein ausgesprochen feines System aus Körperhaltung, Bewegungen, Blicken, Gesichtsausdruck, Lauten und Gerüchen.
Ein Hund kann seinen Kopf abwenden, den Blick vermeiden, sich klein machen, erstarren, den Körper versteifen, die Ohren verändern, die Rute anders tragen oder sein Gewicht verlagern.
Viele dieser Signale sind sehr klein.
Gerade deshalb entstehen Missverständnisse. Menschen bemerken häufig erst das deutliche Verhalten am Ende einer ganzen Kommunikationskette.
Ein Knurren fällt uns auf. Die vielen subtilen Signale davor möglicherweise nicht.
Deshalb lohnt es sich, den eigenen Hund im Alltag einmal zu beobachten, ohne sofort etwas von ihm zu wollen. Wie sieht sein Gesicht aus, wenn er wirklich entspannt ist? Wie verändert sich seine Haltung, wenn er etwas Spannendes entdeckt? Was macht er, bevor er aufsteht? Wie sieht er aus, wenn ihm eine Situation unangenehm wird?
Wer seinen eigenen Hund gut kennt, erkennt Veränderungen häufig viel früher.
Warum Hunde manchmal scheinbar merkwürdige Dinge tun
Manche Verhaltensweisen wirken aus menschlicher Sicht ausgesprochen rätselhaft.
Warum schnüffelt ein Hund minutenlang an einem einzigen Grashalm? Warum wälzt er sich ausgerechnet in etwas, dessen Geruch jeden vernünftigen Menschen zur Flucht veranlasst? Warum scharrt er nach dem Geschäft den halben Waldboden in Richtung Nachbarland?
Weil Hunde keine kleinen Menschen im Pelzmantel sind.
Ihre Wahrnehmung unterscheidet sich erheblich von unserer. Besonders der Geruchssinn spielt eine vollkommen andere Rolle.
Während wir bei einem Spaziergang vor allem sehen, liest ein Hund mit seiner Nase gewissermaßen die Nachrichten des Viertels. Wer war hier? Wann? Männlich oder weiblich? Bekannt oder fremd? Möglicherweise lassen sich noch zahlreiche weitere Informationen aus Gerüchen gewinnen.
Ein ausgiebiger Schnüffelstopp ist deshalb nicht einfach Zeitverschwendung.
Auch Scharren nach dem Urinieren oder Kotabsatz wird nicht nur als Versuch verstanden, etwas zuzudecken. Hunde besitzen unter anderem Duftdrüsen im Bereich der Pfoten. Das Verhalten kann daher zur geruchlichen und sichtbaren Kommunikation beitragen.
Aus unserer Perspektive sieht manches Verhalten sinnlos aus. Aus Hundeperspektive kann es ausgesprochen informationsreich sein.
Warum suchen Hunde die Nähe ihres Menschen?
Hunde sind soziale Lebewesen, und das Zusammenleben mit Menschen hat ihre Entwicklung über sehr lange Zeit geprägt.
Viele Hunde suchen deshalb aktiv unsere Nähe.
Sie legen sich neben uns, folgen uns durch die Wohnung, lehnen sich an unsere Beine oder schlafen bevorzugt dort, wo wir uns aufhalten.
Trotzdem sollte man nicht jede Form von Nähe vorschnell als Liebeserklärung übersetzen.
Wenn dein Hund auf deinen Füßen liegt, kann er deine Nähe genießen. Vielleicht ist dort aber auch schlicht der gemütlichste Platz. Folgt er dir in die Küche, kann soziale Nähe eine Rolle spielen. Vielleicht weiß er allerdings ebenfalls sehr genau, dass dort regelmäßig Lebensmittel vom Himmel fallen.
Hundeverhalten ist selten romantisch eindeutig.
Gerade das macht es interessant.
Warum legt mein Hund seine Pfote auf mich?
Das Auflegen einer Pfote gehört zu den Verhaltensweisen, denen Menschen besonders gern eine eindeutige Bedeutung geben.
„Er möchte mich trösten“, „Er sagt, dass er mich liebt“ oder „Er dominiert mich“ sind typische Interpretationen.
In Wirklichkeit hängt die Bedeutung wieder vom Zusammenhang ab.
Ein Hund kann damit Aufmerksamkeit suchen. Er kann gelernt haben, dass Menschen darauf reagieren. Er kann Körperkontakt aufnehmen oder eine Interaktion fortsetzen wollen.
Wenn du deinen Hund beispielsweise streichelst, aufhörst und unmittelbar darauf landet seine Pfote auf deinem Arm, liegt eine ziemlich naheliegende Erklärung auf der Hand: Das Personal hat seine Tätigkeit unerlaubt eingestellt.
Auch daraus kann später eine eigene Gewohnheit entstehen.
Warum seufzen Hunde?
Ein langes Seufzen wirkt bei einem Hund manchmal erstaunlich menschlich.
Besonders häufig hören wir es, wenn ein Hund sich hinlegt und zur Ruhe kommt. In solchen Situationen kann Seufzen mit Entspannung verbunden sein.
Es gibt jedoch keine Regel, nach der jedes Seufzen Zufriedenheit bedeutet.
Situation, Körperhaltung und weitere Verhaltensweisen müssen berücksichtigt werden. Ein Hund kann auch in anderen emotionalen Zuständen hörbar ausatmen.
Liegt dein Hund locker ausgestreckt auf seinem Schlafplatz, schließt die Augen und lässt einen tiefen Seufzer hören, spricht der Gesamteindruck eher für Entspannung.
Steht er dagegen unruhig auf, wechselt ständig seinen Platz oder zeigt weitere auffällige Verhaltensänderungen, sieht die Situation anders aus.
Wir werden uns deshalb mit dem Seufzen beim Hund noch ausführlicher beschäftigen.
Warum schlafen Hunde auf dem Rücken?
Ein Hund, der mit dem Bauch nach oben und den Beinen in sämtliche Himmelsrichtungen schläft, bietet einen ziemlich eindrucksvollen Anblick.
Diese Schlafposition kann verschiedene Gründe haben.
Der wenig behaarte Bauch ermöglicht Wärmeabgabe, weshalb manche Hunde bei höheren Temperaturen häufiger auf dem Rücken liegen. Gleichzeitig ist die Position körperlich sehr offen.
Ein entspannt auf dem Rücken schlafender Hund fühlt sich in seiner Umgebung normalerweise ausreichend sicher, um diese Position einzunehmen.
Aber auch hier gilt: Schlafpositionen sind individuell.
Manche Hunde schlafen ständig auf dem Rücken, andere praktisch nie. Daraus lässt sich nicht automatisch ableiten, dass der eine Hund seinem Menschen mehr vertraut als der andere.

Warum schlafen manche Hunde unter der Decke?
Für manche Hunde scheint eine Decke ein nettes Wohnaccessoire zu sein. Für andere ist sie eine Lebensform.
Sie graben sich darunter, verschwinden vollständig und tauchen gelegentlich nur mit der Nasenspitze wieder auf.
Wärme ist eine naheliegende Erklärung. Gleichzeitig bieten Decken einen engen, geschützten Liegebereich. Manche Hunde mögen genau dieses Gefühl besonders gern.
Auch Gewohnheit spielt eine Rolle. Ein Hund, der von klein auf im Bett oder unter Decken schlafen durfte, kann daraus ein festes Ritual entwickeln.
Und natürlich gibt es individuelle und rassetypische Unterschiede.
Solange ein Hund problemlos selbst unter der Decke hervorkommen kann und nicht überhitzt, muss dieses Verhalten zunächst einmal nichts Problematisches bedeuten.
Warum drehen sich Hunde vor dem Hinlegen?
Einmal herum. Noch einmal. Vielleicht sicherheitshalber ein drittes Mal. Und dann fällt der Hund auf exakt denselben Platz, der bereits vorher vollkommen geeignet aussah.
Das Drehen vor dem Hinlegen wird häufig als ursprüngliches Verhalten interpretiert, das mit der Vorbereitung eines Schlafplatzes zusammenhängt.
Bei wildlebenden Vorfahren beziehungsweise ursprünglichen Caniden konnte das Niederdrücken von Vegetation einen Liegeplatz vorbereiten. Auch die Überprüfung der unmittelbaren Umgebung kann eine Rolle gespielt haben.
Heute wird dieses Verhalten weiterhin bei vielen Haushunden beobachtet, obwohl der Schlafplatz inzwischen aus Memory-Schaum besteht und keinerlei Gras mehr niedergetreten werden müsste.
Gelegentliches Drehen ist daher zunächst einmal nichts Ungewöhnliches.
Dreht sich ein Hund allerdings auffällig lange, wirkt dabei unruhig oder findet plötzlich keine angenehme Liegeposition mehr, sollte man genauer hinsehen. Schmerzen können beispielsweise dazu führen, dass ein Hund Schwierigkeiten beim Hinlegen hat.
Schnüffeln gehört zum Hundsein
Wer einen Hund ausschließlich danach beurteilt, wie viele Kilometer er beim Spaziergang zurückgelegt hat, übersieht einen wesentlichen Teil des Spaziergangs.
Hunde erkunden ihre Umwelt vor allem über Gerüche.
Schnüffeln liefert Informationen und beschäftigt das Gehirn. Deshalb kann ein relativ kurzer Spaziergang mit vielen Möglichkeiten zum Erkunden für einen Hund ausgesprochen interessant sein.
Wie intensiv ein Hund schnüffelt, hängt von vielen Faktoren ab. Alter, Persönlichkeit, Umgebung, Erfahrung und genetische Veranlagung spielen eine Rolle.
Dass ein Hund an manchen Stellen plötzlich geradezu festklebt, bedeutet deshalb nicht automatisch, dass er seinen Menschen ignoriert.
Es könnte schlicht eine außerordentlich interessante Nachricht am Laternenpfahl hinterlegt worden sein.
Warum lecken Hunde Menschen ab?
Auch Lecken kann unterschiedliche Funktionen haben.
Hunde nutzen ihre Zunge bereits sehr früh im sozialen Zusammenhang. Später kann Lecken unter anderem Bestandteil sozialer Interaktion sein.
Beim Menschen kommen weitere Erklärungen hinzu.
Unsere Haut schmeckt salzig. An Händen befinden sich Gerüche von Lebensmitteln und unzähligen Dingen, die wir angefasst haben. Außerdem reagieren Menschen meist ziemlich zuverlässig darauf, wenn ein Hund sie ableckt.
Dadurch kann sich das Verhalten zusätzlich festigen.
Auch hier gilt deshalb: Nicht das Lecken allein verrät die Bedeutung, sondern die Situation.

Warum scharren Hunde?
Scharren gehört zu den besonders häufig missverstandenen Verhaltensweisen.
Viele Menschen vermuten, der Hund wolle nach dem Kotabsatz seine Hinterlassenschaft vergraben. Das passt jedoch häufig schon deshalb nicht, weil der Hund Erde und Gras in sämtliche Richtungen befördert, nur nicht zuverlässig über das betreffende Häufchen.
Beim Scharren können verschiedene Formen der Kommunikation eine Rolle spielen.
Neben sichtbaren Spuren werden dabei Gerüche verbreitet. Im Bereich der Pfoten befinden sich Duftdrüsen, sodass das Scharren zusätzliche geruchliche Informationen hinterlassen kann.
Das erklärt auch, warum manche Hunde nach dem Urinieren scharren.
Der Hund räumt also nicht unbedingt hinter sich auf. Möglicherweise macht er eher das Gegenteil und sorgt dafür, dass seine Anwesenheit möglichst schlecht zu übersehen beziehungsweise zu überriechen ist.
Geräusche gehören ebenfalls zum Hundeverhalten
Bellen ist nur ein kleiner Teil der Lautäußerungen eines Hundes.
Hunde fiepen, winseln, knurren, jaulen, seufzen, schnauben und geben manchmal Geräusche von sich, für die die deutsche Sprache erstaunlich schlecht vorbereitet ist.
Auch diese Laute müssen im Zusammenhang betrachtet werden.
Fiepen kann beispielsweise bei Erwartung, Aufregung, Frustration, Unsicherheit oder körperlichem Unwohlsein auftreten. Knurren kann Distanz fordern, beim Spiel vorkommen oder in anderen Situationen Teil der Kommunikation sein.
Ein Geräusch besitzt deshalb nicht automatisch eine feste Übersetzung.
Entscheidend ist wieder die Gesamtsituation: Was macht der Körper? Was geschah unmittelbar vorher? Gegen wen oder was richtet sich das Verhalten? Was passiert anschließend?
Sozialverhalten gegenüber anderen Hunden
Auch Hundebegegnungen bestehen aus wesentlich mehr als Spielen, Bellen oder Knurren.
Hunde beobachten einander bereits auf Entfernung. Geschwindigkeit, Bewegungsrichtung, Blickkontakt und Körperhaltung können dabei eine Rolle spielen.
Nicht jeder Hund möchte mit jedem anderen Hund Kontakt.
Das ist vollkommen normal.
Erwachsene Hunde müssen nicht jeden fremden Artgenossen begrüßen oder mit ihm spielen. Auch Menschen veranstalten schließlich nicht bei jeder Begegnung auf dem Supermarktparkplatz spontan eine Freundschaftszeremonie.
Sozial kompetentes Verhalten kann genauso darin bestehen, Abstand zu halten, auszuweichen oder eine Begegnung ruhig zu beenden.
Rasse beeinflusst Verhalten, bestimmt es aber nicht vollständig
Zwischen Hunderassen gibt es erhebliche Unterschiede.
Das ist wenig überraschend. Über viele Generationen wurden Hunde für sehr unterschiedliche Aufgaben selektiert.
Hüten, Bewachen, Jagen, Apportieren, Suchen, Begleiten oder selbstständiges Arbeiten verlangten jeweils andere Eigenschaften.
Deshalb ist es sinnvoll, die ursprüngliche Verwendung einer Rasse zu kennen, wenn man ihr Verhalten verstehen möchte.
Trotzdem ist die Rasse keine Bedienungsanleitung für den einzelnen Hund.
Innerhalb einer Rasse gibt es große individuelle Unterschiede. Aufzucht, Sozialisation, Lernerfahrungen, Lebensbedingungen und Persönlichkeit wirken ebenfalls auf das Verhalten ein.
Rasse erklärt also manches.
Sie erklärt nicht alles.
Hundeverhalten verändert sich mit dem Alter
Ein Welpe verhält sich anders als ein erwachsener Hund, und ein alter Hund wiederum anders als beide.
Welpen erkunden ihre Umwelt, sammeln Erfahrungen und entwickeln erst nach und nach ihre Fähigkeiten zur Selbstregulation.
In der Pubertät können sich Interessen und Reaktionen verändern. Umweltreize und soziale Begegnungen bekommen teilweise eine neue Bedeutung.
Erwachsene Hunde verfügen meist über gefestigtere Routinen.
Im Alter können körperliche und kognitive Veränderungen wiederum Einfluss auf das Verhalten nehmen. Manche Senioren schlafen mehr, reagieren empfindlicher auf Veränderungen oder benötigen länger, um sich auf neue Situationen einzustellen.
Deshalb sollte Hundeverhalten immer auch im Zusammenhang mit der jeweiligen Lebensphase betrachtet werden.
Persönlichkeit: Hunde sind keine Serienprodukte
Zwei Hunde derselben Rasse, desselben Alters und sogar desselben Wurfes können vollkommen unterschiedlich sein.
Der eine untersucht jeden neuen Gegenstand sofort. Der andere betrachtet ihn zunächst aus sicherer Entfernung.
Einer liebt Körperkontakt. Der andere schläft lieber allein.
Einer findet fremde Menschen großartig. Der andere kann auf sie gut verzichten.
Solche Unterschiede sind nicht automatisch das Ergebnis guter oder schlechter Erziehung. Persönlichkeit und Temperament spielen ebenfalls eine Rolle.
Das ist wichtig, weil Menschen ihren Hund sonst schnell an einer Vorstellung davon messen, wie ein Hund angeblich sein sollte.
Nicht jeder Hund muss kontaktfreudig, verspielt, verschmust oder überall vollkommen gelassen sein.
Den eigenen Hund zu verstehen bedeutet auch, seine individuellen Eigenschaften wahrzunehmen.
Wann ist Hundeverhalten noch normal?
Eine der häufigsten Fragen lautet nicht nur: „Warum macht mein Hund das?“, sondern unmittelbar danach:
„Ist das normal?“
Normalität hat beim Hund eine ziemlich große Bandbreite.
Ein Hund schläft unter der Bettdecke. Ein anderer würde dort keine zehn Sekunden bleiben. Einer begrüßt seinen Menschen überschwänglich. Ein anderer wedelt kurz und legt sich wieder hin.
Beides kann normal sein.
Interessanter als die Frage, ob irgendein anderer Hund dasselbe tut, ist häufig die Frage:
Ist dieses Verhalten für meinen Hund normal?
Veränderungen sind besonders wichtig.
Wenn ein Hund, der normalerweise mitten im Familienleben liegt, sich plötzlich ständig zurückzieht, sollte man genauer hinschauen. Dasselbe gilt, wenn ein bislang ruhiger Hund nachts umherwandert, plötzlich ungewöhnlich viel hechelt, Berührungen meidet oder Schwierigkeiten beim Hinlegen zeigt.
Plötzliche Verhaltensänderungen können körperliche Ursachen haben
Nicht jedes auffällige Verhalten ist ein Trainingsproblem.
Schmerzen und Erkrankungen können das Verhalten deutlich verändern.
Ein Hund mit Schmerzen kann unruhiger oder stiller werden, weniger spielen, Berührungen vermeiden, gereizter reagieren oder andere Schlafpositionen wählen. Auch Appetit, Aktivität und Sozialverhalten können sich verändern.
Besonders aufmerksam sollte man deshalb werden, wenn ein Verhalten plötzlich neu auftritt, deutlich stärker wird oder gemeinsam mit körperlichen Symptomen erscheint.
Dann ist die Suche nach einer Verhaltenserklärung allein möglicherweise der falsche Weg.
Ein Hund kann uns schließlich nicht sagen: „Seit gestern tut mir beim Aufstehen die Hüfte weh.“
Er kann es nur durch sein Verhalten zeigen.
Bei deutlichen oder anhaltenden Veränderungen, Schmerzen, Atemproblemen, neurologischen Auffälligkeiten oder einem insgesamt beeinträchtigten Allgemeinzustand gehört der Hund tierärztlich untersucht.
Beobachten ist besser als vorschnelles Interpretieren
Wir Menschen sind hervorragend darin, Hundeverhalten innerhalb weniger Sekunden mit einer Geschichte zu versehen.
Der Hund schaut traurig.
Er ist beleidigt.
Er schämt sich.
Er ist eifersüchtig.
Er will mich beschützen.
Vielleicht.
Vielleicht aber auch nicht.
Je menschlicher eine Erklärung klingt, desto vorsichtiger sollte man zunächst sein. Das bedeutet keineswegs, Hunden Gefühle abzusprechen. Es bedeutet lediglich, zwischen Beobachtung und Interpretation zu unterscheiden.
Beobachtung: Der Hund legt seine Ohren zurück, senkt den Körper und wendet den Kopf ab.
Interpretation: Der Hund weiß, dass er etwas falsch gemacht hat und schämt sich.
Die Beobachtung können wir sehen. Die Interpretation müssen wir erst überprüfen.
Diese kleine Unterscheidung verändert den Blick auf Hundeverhalten enorm.
Deinen Hund verstehen heißt, Zusammenhänge zu erkennen
Je länger Menschen mit einem Hund zusammenleben, desto besser erkennen sie häufig seine kleinen Gewohnheiten.
Man weiß irgendwann, welcher Blick bedeutet, dass der Hund hinausmuss. Man erkennt, wann er müde wird. Man hört am Seufzen, ob er gerade zufrieden in sein Kissen sinkt. Man sieht ihm an, ob eine Begegnung angenehm ist oder ob er lieber Abstand hätte.
Das ist keine geheimnisvolle Fähigkeit.
Es entsteht durch Beobachtung.
Dabei hilft eine einfache Regel:
Betrachte nie nur was dein Hund tut. Achte auch darauf, wann, wo, wie oft und in welcher Situation er es tut.
Genau dort steckt meistens die spannendere Antwort.
Und vielleicht ist das ohnehin die schönste Seite am Zusammenleben mit einem Hund: Selbst nach vielen Jahren gibt es immer wieder irgendeine kleine Eigenart, bei der man ihn ansieht und sich fragt:
Warum macht mein Hund das eigentlich?
Auf Hundewissen gehen wir genau diesen Fragen nach. Vom Seufzen auf dem Sofa über das Scharren nach dem Geschäft bis zur Pfote auf deinem Arm schauen wir uns einzelne Verhaltensweisen genauer an und erklären, was dahinterstecken kann.
Denn bevor wir darüber nachdenken, ob ein Hund etwas anders machen sollte, lohnt es sich meistens erst einmal zu verstehen, warum er es überhaupt tut.






