
Der vollständige Rasseguide Aussidor
Vielleicht ist dir dieser Hund schon begegnet: ein Labrador, wie du ihn kennst, kräftig, freundlich, mit dem typischen Retrieverblick, nur trägt er statt einfarbig Schwarz ein graugesprenkeltes Fell mit blauen Augen. Auf Instagram heißt so einer „Aussiedor“, auf einer Züchterseite „Leopard Labrador“, im nächsten Inserat „Merle Labrador“. Die Farbe zieht die Blicke an, und genau darauf ist der ganze Trend gebaut. Dieser Beitrag schaut hinter die schöne Scheckung. Er erklärt, was da wirklich gezüchtet wird, warum die Elterntiere so oft ungeprüft bleiben und weshalb ausgerechnet die auffällige Färbung das größte Gesundheitsthema in sich trägt.
Was ist ein Aussiedor eigentlich?
Der Aussiedor ist die Kreuzung aus einem Australian Shepherd und einem Labrador Retriever. Der Name setzt sich aus beiden Rassen zusammen, Aussie und Labra-dor, und je nach Quelle liest du ihn als Aussiedor oder Aussidor, im englischen Raum auch als Sheprador. Ein Wurf aus reinem Aussie und reinem Labrador heißt in der Zuchtsprache F1, also die erste Kreuzungsgeneration mit einem Anteil von jeweils fünfzig Prozent.
So hübsch das Ergebnis oft aussieht, eine Sache solltest du von Anfang an klar sehen: Der Aussiedor zählt zu den Hybridmixen. Er ist ein Mischling, keine anerkannte Hunderasse. Die FCI und der VDH führen ihn nicht als Rasse, und ein echter FCI-Stammbaum bleibt anerkannten Rassehunden vorbehalten. Verkäufer werben trotzdem gern mit „Papieren“ oder „Stammbaum“. Bei einem nicht anerkannten Mix steht hinter solchen Papieren höchstens eine Ahnentafel eines freien Vereins, die inhaltlich stark schwankt. Das Wort „Rasse“ gehört beim Aussiedor also in Anführungszeichen. Es ist Marketing, kein Zuchtstatus.
Weil zwei sehr verschiedene Rassen zusammenkommen, fällt das Aussehen bunt und schwer vorhersagbar aus. Der eine Welpe gerät kräftiger nach dem Labrador, der andere zierlicher und leichter nach dem Aussie. Erst wenn der Hund erwachsen ist, siehst du wirklich, was aus der Kombination geworden ist.
Leopard Labrador und Merle Labrador: das eigentliche Zuchtziel
Beim Aussiedor bleibt kaum jemand bei der einfachen F1-Kreuzung stehen. Der Trend läuft auf ein ganz bestimmtes Ziel zu, und das erklärt fast alles an diesem Thema.
Der Australian Shepherd bringt die gesprenkelte Merle-Färbung mit, der Labrador seinen freundlichen Ruf und sein glattes, kurzes Fell. Viele Käufer möchten am liebsten den Labrador, wie sie ihn kennen, nur eben in der auffälligen Merle-Färbung des Aussie. Genau darauf zielt die Zucht. Über die F1 hinaus wird zurück in Richtung Labrador gekreuzt, in der Fachsprache Verdrängungszucht oder Rückzüchtung genannt. Aus F1 wird über die Rückkreuzung mit reinen Labradoren F1B, danach F1BB und so weiter. Mit jeder Generation steigt der Labrador-Anteil, das lockige Aussie-Fell verschwindet, die Merle-Färbung aber wird gezielt weitergegeben.
Das Ergebnis vermarkten die Anbieter als „Leopard Labrador“ oder „Merle Labrador“. Nach den Richtlinien mancher freier Vereine darf ein Hund ab der sechsten Generation wieder als Labrador geführt werden, weil rechnerisch kaum noch Aussie-Anteil übrig ist. Offiziell reinrassig im Sinne von FCI und VDH wird er dadurch nie. Übrig bleibt ein Hund, der wie ein Labrador aussieht und sich wie ein Labrador anfühlt, nur trägt er ein Farbgen, das dem Labrador ursprünglich fremd ist. Dieses Farbgen ist der ganze Zweck der Übung. Es wird teuer bezahlt, und darauf kommen wir später zurück.
Eine zweite Stufe treibt das Ganze noch weiter. Wer nicht nur ein klassisches Merle, sondern ein sogenanntes Blue Merle möchte, greift zusätzlich zum silbernen Labrador. Über die aufgehellte Farbe des Silber-Labradors sitzt die Merle-Scheckung dann auf einem blaugrauen Grund und wirkt besonders edel. Damit kommt zur Merle-Genetik ein zweites heikles Farbgen ins Spiel. Beide zusammen sind der Grund, warum dieser Beitrag so kritisch ausfällt.
Woher die Farbe kommt: das Merle-Gen verständlich erklärt
Um die Gesundheitsfragen zu verstehen, lohnt sich ein ruhiger Blick auf das Merle-Gen. Es liegt beim Hund auf dem Silver-Gen, das die Fachleute PMEL17 oder SILV nennen, auf dem Chromosom CFA10. In dieses Gen hat sich ein springendes Stück Erbgut eingebaut, eine sogenannte SINE-Insertion. Dieser Einbau stört die Farbbildung an manchen Stellen des Fells.
Das Merle-Gen hellt gezielt das dunkle Pigment auf, also die schwarzen und braunen Anteile. Die roten und gelben Anteile bleiben unberührt. Deshalb entsteht das typische Bild aus dunklen Flecken auf aufgehelltem Grund, und deshalb sieht man Merle an einem gelben Labrador kaum, an einem schwarzen dagegen deutlich. Aufgehellt werden mit dem Pigment auch Haut und Augen, daher die blauen oder teils blauen Augen vieler Merle-Hunde.
Ein Hund mit einer einzigen Merle-Anlage, in der Genetik als M/m geschrieben, zeigt die gesprenkelte Färbung und ist von dieser einen Anlage her gesundheitlich unauffällig. Das Merle-Gen vererbt sich zu fünfzig Prozent an die Nachkommen weiter. Bei dieser einfachen Form endet die Geschichte gut. Sie endet aber selten dabei.
Doppelmerle: wenn zwei Merle-Träger zusammenkommen
Heikel wird es, sobald zwei Merle-Träger miteinander verpaart werden. Dann kann ein Welpe von beiden Eltern je eine Merle-Anlage erben und wird reinerbig, in der Schreibweise M/M, das sogenannte Doppelmerle.
Solche Doppelmerle-Hunde sind zu einem großen Teil weiß, weil das Pigment fast überall fehlt. Das dunkle Pigment sitzt aber nicht nur im Fell. Dieselben pigmentbildenden Zellen sind an der Entwicklung von Innenohr und Auge beteiligt. Fehlt das Pigment dort, drohen Taubheit und Blindheit. Dokumentiert sind bei Doppelmerle-Hunden außerdem stark verkleinerte Augen, Spaltbildungen der Regenbogenhaut, Sonnenempfindlichkeit bis hin zu Hautkrebs sowie Fehlbildungen an Skelett und Herz. Aus gutem Grund raten Genetiklabore und Rassevereine einhellig davon ab, zwei Merle-Hunde zu verpaaren.
Genau hier zeigt sich, warum die fehlende Rasseaufsicht beim Aussiedor so schwer wiegt. Wo ein Zuchtverband über die Verpaarung wacht, ist Merle mal Merle tabu. Beim Aussiedor entscheidet das jeder Vermehrer für sich. In einschlägigen Foren tauschen sich Halter über Würfe aus, die nachweislich aus einer Merle-mal-Merle-Verpaarung stammen. Die auffällige Färbung bringt Geld, und für manchen ist das Anreiz genug, das Risiko einzugehen.
Kryptisches Merle: die versteckte Gefahr in der Rückzüchtung
Jetzt kommt der Punkt, den die meisten Konkurrenzseiten auslassen, und der gerade beim Leopard-Labrador-Projekt entscheidend ist.
Merle ist nicht gleich Merle. Der eingebaute Genabschnitt kann unterschiedlich lang sein, gemessen in Basenpaaren, und die Länge bestimmt, wie stark sich das Merle zeigt. Die Labore teilen das grob in vier Bereiche ein. Ein sehr kurzer Abschnitt von etwa 200 bis 246 Basenpaaren gilt als kryptisches Merle, auch Phantom-Merle genannt. Der Bereich von 247 bis 264 heißt atypisches Merle, 265 bis 269 klassisches Merle, 270 bis 280 Harlekin-Merle.
Der Haken liegt beim kryptischen Merle. Ein solcher Hund trägt die Merle-Anlage, sieht aber einfarbig aus oder zeigt nur winzige, leicht zu übersehende Aufhellungen. Von außen erkennst du ihm die Genetik nicht an. Er gibt sein Merle trotzdem zu fünfzig Prozent weiter. Trifft dieses versteckte Merle in der nächsten Generation auf ein sichtbares, langes Merle, sitzt plötzlich ein Doppelmerle im Wurf, mit allen oben beschriebenen Folgen, und keiner hat es kommen sehen.
Wie real das ist, zeigt ein dokumentierter Fall aus einer Untersuchung an Dackeln. Ein Rüde trug eine Merle-Insertion im Harlekin-Längenbereich, zeigte selbst aber keinerlei Scheckung. Er zeugte einen Doppelmerle-Welpen, der ohne Augen zur Welt kam. Erschwerend kommt hinzu, dass der eingebaute Genabschnitt bei der Zellteilung leicht Kopierfehler macht. Ein Hund kann dadurch verschieden lange Merle-Anlagen in verschiedenen Körperzellen tragen, was die Vorhersage weiter erschwert.
Und jetzt lege dieses Wissen über die Leopard-Labrador-Zucht. Dort wird das Merle über viele Generationen in optisch normale Labradore zurückgekreuzt. Kryptisches Merle ist in genau so einem Programm der stille Begleiter, ein einfarbiger Hund, dem die Merle-Anlage nicht anzusehen ist. Ohne einen Gentest, der die Länge der Merle-Anlage bestimmt, züchtet man hier mit verbundenen Augen. Seriös lässt sich das nur mit diesem Test führen. Wie viele Vermehrer ihn zahlen, wenn die Farbe ohnehin verkauft, steht auf einem anderen Blatt.
Der silberne Labrador und das dilute-Gen
Beim Blue Merle kommt das zweite Farbgen ins Spiel, und es bringt eigene Probleme mit.
Der silberne Labrador, ebenso wie die Varianten Charcoal und Champagne, verdankt seine Farbe dem dilute-Gen. Es sitzt auf dem sogenannten D-Lokus, genauer im Gen MLPH, und verdünnt das vorhandene Pigment. Aus Schwarz wird ein rauchiges Grau, aus Schokobraun ein blasses Beige. Reinerbig, in der Schreibweise d/d, ist der Hund dann silbern oder blau. Der Labrador trug dieses Gen ursprünglich gar nicht in sich. Fachleute vermuten, dass es über eine Einkreuzung des Weimaraners hereinkam. Die Reinrassigkeit der Silberlinie gilt damit als umstritten, und die FCI erkennt Silber, Charcoal und Champagne beim Labrador nicht als Farben an.
Der Grund für die Ablehnung ist die Farbmutantenalopezie, kurz CDA, im Deutschen auch Colour Dilution Alopecia. Bei dieser Erkrankung verklumpt das Pigment im aufgehellten Haar so stark, dass die Haare abbrechen. Betroffene Hunde verlieren an den verdünnten Stellen das Fell, bekommen trockene, schuppige Haut, Juckreiz, Ekzeme und schlecht heilende Hautstellen. Die ersten Anzeichen zeigen sich meist zwischen dem sechsten Lebensmonat und dem zweiten Lebensjahr, und heilbar ist CDA bis heute nicht. Wichtig zum Verständnis: Der Gentest weist nur die Farbverdünnung nach, keine CDA. Sicher ist allein, dass jeder CDA-Hund die Verdünnung trägt, während nicht jeder verdünnte Hund erkrankt. Die Tierrechtsorganisation PETA stuft den Silber-Labrador als Qualzucht ein.
Für ein Blue-Merle-Tier heißt das: In einem einzigen Hund treffen zwei heikle Farbgene aufeinander, die Merle-Anlage und die dilute-Anlage, beide allein der Optik zuliebe eingebracht. Zwei Baustellen für eine Farbe.
MDR1: das Erbe vom Australian Shepherd
Vom Aussie erbt der Aussiedor ein weiteres Thema, das im Alltag lebenswichtig werden kann: den MDR1-Defekt.
Dahinter steckt ein Defekt im MDR1-Gen. Dieses Gen sorgt normalerweise dafür, dass giftige Stoffe und viele Medikamente aus dem Gehirn ferngehalten werden, es hält die Blut-Hirn-Schranke dicht. Fehlt diese Schutzfunktion, gelangen bestimmte Wirkstoffe ins Gehirn und lösen schwere Vergiftungen aus, bis hin zum Tod. Betroffen sind vor allem Entwurmungs- und Antiparasitenmittel wie Ivermectin, Moxidectin und Doramectin, dazu der Durchfallhemmer Loperamid und das Beruhigungsmittel Acepromazin. Rund die Hälfte aller Australian Shepherds trägt mindestens eine Kopie des defekten Gens. Über den Aussie-Elternteil landet dieses Erbe im Aussiedor.
Ein alltäglicher und oft unterschätzter Punkt betrifft den Auslauf. Pferde und Weidevieh werden häufig mit ivermectinhaltigen Wurmkuren behandelt und scheiden den Wirkstoff über den Kot aus. Für einen Hund mit MDR1-Defekt können schon kleine Mengen aufgenommener Pferdeäpfel gefährlich werden. Wer in Reitgebieten unterwegs ist, sollte das im Blick haben.
Ein einfacher Wangenabstrich klärt den MDR1-Status, kostet bei Laboren wie Laboklin oder Feragen etwa fünfzig bis achtzig Euro und gilt ein Leben lang. Für jeden Hund mit Aussie-Anteil gehört dieser Test dazu, und das Ergebnis gehört in den Heimtierausweis, damit jede Tierarztpraxis es vor einer Behandlung kennt.
Gesundheit: was seriöse Zucht prüfen müsste
Damit sind wir beim Kern der Kritik. Rund um Mischlinge hält sich die Idee, sie seien von Natur aus robuster als reinrassige Hunde, der sogenannte Heterosis-Effekt. An der Idee ist etwas dran, sie taugt aber schlecht als Freibrief. Ein Aussiedor kann die typischen Erkrankungen beider Ausgangsrassen erben, und aufgrund seines kräftigen Körpers neigt er wie beide Eltern zu Hüft- und Ellbogendysplasie.
Eine verantwortungsvolle Zucht dieser Kombination wäre aufwendig, weil sie die Gesundheitsthemen von zwei Rassen zugleich abdecken müsste. Beide Elterntiere gehörten geröntgt auf Hüften und Ellbogen. Dazu kämen Augenuntersuchungen und Gentests auf die erblichen Augenkrankheiten beider Seiten, etwa die Progressive Retinaatrophie, den erblichen Grauen Star und die Collie Eye Anomaly aus der Aussie-Linie. Auf Laborseite gehörten der MDR1-Test, der Test auf belastungsinduzierten Kollaps und auf die zentronukleäre Myopathie aus der Labrador-Linie dazu, ebenso der Test auf die Farbverdünnung und, sobald Merle im Spiel ist, die Bestimmung der Merle-Anlagenlänge. Erst dieses ganze Paket erlaubt Verpaarungen, die weder ein Doppelmerle noch eine Häufung von Farbverdünnung riskieren.
Genau dieses Paket fehlt beim typischen Aussiedor-Wurf oft. Es gibt keinen Zuchtverband, der es vorschreibt, keine Zuchtzulassung, keine Kontrolle. Wo die Farbe das Verkaufsargument ist, wandert das Geld in die Optik und selten in die Diagnostik. Viele Elterntiere bleiben ungeröntgt und ungetestet. Der Käufer sieht ein hübsches Fell und erfährt nichts über Hüften, Augen oder Merle-Länge, weil niemand danach geschaut hat.
Charakter: Hütehund trifft Apportierhund
Über die Optik hinaus prallen im Aussiedor zwei sehr verschiedene Arbeitshunde aufeinander, und das ist wesensmäßig der spannendste Teil.
Der Australian Shepherd ist ein Hütehund. Er reagiert fein auf Bewegung, will Abläufe kontrollieren, ist wachsam, oft reserviert gegenüber Fremden und braucht eine Aufgabe, um ausgeglichen zu sein. Er gilt als reizoffen, nimmt seine Umwelt also sehr genau wahr und antwortet schnell darauf. Der Labrador dagegen wurde zum Apportieren von Wasservögeln gezüchtet. Er bringt Beute freudig zurück, arbeitet mit dem Menschen zusammen, ist wasserverliebt, futterfreundlich und meist offen zu jedem. Sein berühmter Will-to-please macht ihn leicht führbar.
Diese beiden Arbeitsanlagen ziehen in verschiedene Richtungen. Bei einem Mix lässt sich nicht bestellen, welche Anteile beim einzelnen Welpen durchkommen. Möglich ist ein Hund, der die Bewegungsschärfe des Hüters mit dem Bringtrieb des Retrievers verbindet und dazu Fremden gegenüber zurückhaltend bleibt. Möglich ist auch das ausgeglichene Familientier, das die Werbung verspricht. Welche Mischung dein Hund mitbringt, zeigt sich erst im Laufe seines ersten Jahres. Die Formel vom „Besten aus beiden Rassen“ beschreibt eine Hoffnung, keine Garantie.
Sicher ist vor allem eines: Beide Ausgangsrassen sind arbeitsfreudig und ausdauernd. Ein Aussiedor braucht viel Bewegung und ebenso viel Kopfarbeit. Wer ihn nur spazieren führt und sonst wenig fordert, bekommt schnell einen unterforderten, unruhigen Hund. Für aktive Menschen, die Hundesport, Suchspiele oder ausgedehnte Beschäftigung mögen, kann er dagegen ein toller Begleiter sein.
Größe, Gewicht und Aussehen
Beim Steckbrief bleibt vieles im Ungefähren, eben weil der Aussiedor ein Mix ist. Im Schnitt erreicht er eine Widerristhöhe um die fünfzig Zentimeter und ein Gewicht, das je nach Elternanteil grob zwischen zwanzig und fünfunddreißig Kilogramm liegt. Rüden fallen meist größer aus als Hündinnen. Ausgewachsen ist er mit etwa achtzehn bis vierundzwanzig Monaten.
Die Ohren hängen in aller Regel, Stehohren sind die Ausnahme. Das Fell ist üblicherweise glatt bis leicht gewellt, dicht, mit Unterwolle und oft mit wasserabweisender Eigenschaft. Es haart mäßig, regelmäßiges Bürsten hält es in Form. Bei den Augen reicht die Palette von Braun über Grün bis Blau, und auch zwei verschieden gefärbte Augen kommen vor. Die Farben sind vielfältig, von den klassischen Labradortönen über Schwarz-Weiß-Kombinationen bis zu den begehrten Merle-Varianten. Weil die endgültige Größe stark an der Genetik hängt, verrät dir ein Blick auf beide Elterntiere mehr als jede allgemeine Angabe.
Zur Lebenserwartung liegen für den jungen Hybridmix kaum belastbare Zahlen vor. An den Ausgangsrassen orientiert bewegt sie sich grob im Bereich von zehn bis dreizehn Jahren, stark abhängig von der Gesundheit der Eltern.
Preis: warum die Farbe so teuer bezahlt wird
Der Aussiedor, und erst recht der Merle- oder Blue-Merle-Leopard-Labrador, wird in der Regel deutlich teurer gehandelt als ein Labrador in den anerkannten Farben. Bezahlt wird dabei die Optik. Die seltene Scheckung, die blauen Augen, das Versprechen vom vertrauten Labradorwesen im ungewöhnlichen Kleid, all das treibt den Preis.
Genau hier schließt sich der Kreis zur Gesundheit. Ein hoher Preis für einen Mix ohne Zuchtaufsicht sagt nichts über geröntgte Hüften oder getestete Augen aus. Er spiegelt die Nachfrage nach der Farbe. Das Geld fließt in ein Merkmal, das medizinisch eher ein Risiko als ein Wert ist. Wer viel zahlt, kauft im schlechten Fall die aufwendigste Baustelle mit ein und finanziert nebenbei ein Zuchtziel, das die Farbe über die Gesundheit stellt.
Aussiedor-Welpen und „Züchter“: worauf dein Blick fallen sollte
Wenn dich die Kombination trotz allem interessiert, entscheidet die Herkunft über fast alles. Der wichtigste Unterschied ist der zwischen einem verantwortungsvollen Züchter und einem Vermehrer, der auf die Farbe setzt.
Frag nach den Gesundheitsnachweisen beider Elterntiere. Dazu gehören die Hüft- und Ellbogenbefunde, aktuelle Augenuntersuchungen, der MDR1-Status und der dilute-Status. Sobald Merle im Spiel ist, gehört die Bestimmung der Merle-Anlagenlänge dazu, gerade in den späteren Rückkreuzungsgenerationen, wo kryptisches Merle unsichtbar mitläuft. Ein seriöser Mensch verpaart niemals Merle mit Merle und hält die Farbverdünnung aus der Merle-Zucht heraus. Er zeigt dir die Papiere von sich aus und redet offen über die Risiken.
Skeptisch machen dürfen dich das Gegenteil davon: ein Verkäufer, der vor allem über die Farbe spricht, der Stammbäume für eine nicht anerkannte „Rasse“ verspricht, der Merle-Elterntiere ohne Längentest anpaart oder silberne mit gescheckten Hunden kombiniert. Wo die Nachweise fehlen und die Optik die Bühne beherrscht, ist der schönste Welpe den Aufwand nicht wert.
Fazit: schön gescheckt, aber zu welchem Preis?
Der Aussiedor ist ein Mischling mit Charme, keine anerkannte Rasse, und der eigentliche Motor hinter dem Trend heißt Farbe. Über die Rückzüchtung entsteht der Leopard- oder Merle-Labrador, ein Hund im Labradorgewand mit einem Farbgen, das dem Labrador fremd ist. Beim Blue Merle kommt mit der silbernen Verdünnung ein zweites heikles Gen dazu. Die Rechnung dafür zahlt der Hund: über das Risiko von Doppelmerle mit Taubheit und Blindheit, über kryptisches Merle in der Rückzüchtung, über die Farbmutantenalopezie beim dilute-Fell, über den MDR1-Defekt vom Aussie und über die geballten Gelenk- und Augenthemen zweier Rassen, die oft niemand geprüft hat.
Wenn dich das freundliche Labradorwesen anzieht, findest du es am sichersten bei einem gesundheitlich geprüften Labrador in seinen anerkannten Farben Schwarz, Gelb oder Schokobraun. Wenn dich der kluge, sensible Aussie begeistert, hol dir einen gut aufgezogenen Australian Shepherd mit MDR1-Test und Augenbefund. Der gescheckte „Labrador“ ist am Ende ein Modehund, dessen schönstes Merkmal zugleich sein größtes Gesundheitsrisiko ist.
Häufige Fragen zum Aussiedor und Leopard Labrador
Ist der Aussiedor eine anerkannte Hunderasse?
Nein, er ist ein Hybridmix aus Australian Shepherd und Labrador. FCI und VDH führen ihn nicht als Rasse, einen echten FCI-Stammbaum gibt es für ihn deshalb nicht.
Was ist der Unterschied zwischen Aussiedor und Leopard Labrador?
Beide Begriffe meinen dieselbe Kreuzung. Aussiedor bezeichnet meist die frühen Generationen mit hohem Aussie-Anteil. Leopard Labrador oder Merle Labrador nennen die Anbieter die zurückgezüchteten Tiere, die optisch fast reine Labradore sind und nur die Merle-Färbung behalten haben.
Ist ein Merle Labrador gesund?
Ein Hund mit einer einzigen Merle-Anlage ist von dieser Anlage her unauffällig. Riskant sind Doppelmerle-Verpaarungen mit der Gefahr von Taubheit und Blindheit sowie kryptisches Merle, das unsichtbar vererbt wird. Ohne Gentest auf die Merle-Anlagenlänge lässt sich das schwer steuern.
Was kostet ein Aussiedor?
Merle- und Blue-Merle-Tiere werden in der Regel deutlich teurer gehandelt als Labradore in den anerkannten Farben. Der Preis spiegelt die Nachfrage nach der Optik und sagt nichts über geröntgte oder getestete Elterntiere aus.
Wie groß und wie schwer wird ein Aussiedor?
Im Schnitt rund fünfzig Zentimeter Widerristhöhe und je nach Elternanteil etwa zwanzig bis fünfunddreißig Kilogramm. Ausgewachsen ist er mit achtzehn bis vierundzwanzig Monaten.
Haart der Aussiedor stark?
Er haart mäßig. Das dichte Fell mit Unterwolle braucht regelmäßiges Bürsten, in den Fellwechselzeiten etwas mehr.
Für wen passt der Aussiedor?
Für aktive Menschen mit Zeit für viel Bewegung und Kopfarbeit, die mit einem wachsamen, arbeitsfreudigen Hund umgehen können. Vor dem Kauf zählt der Blick auf die Gesundheitsnachweise beider Elterntiere mehr als die Farbe des Welpen.






