Hund beim Spazieren beschäftigen

Leckerli Suche, Luca setzt auch oben seine Nase ein

Hund beim Spaziergang beschäftigen: einfache Kopfarbeit für unterwegs

Ein Spaziergang mit dem Hund muss nicht aus kilometerlangem Geradeauslaufen bestehen. Gleichzeitig braucht auch nicht jeder Spaziergang ein durchgetaktetes Beschäftigungsprogramm mit fünf Übungen, drei Suchspielen und anschließendem Hundeyoga.

Die interessante Lösung liegt irgendwo dazwischen.

Schon kleine Aufgaben zwischendurch können einen Spaziergang abwechslungsreicher machen und den Hund geistig beschäftigen. Das ist besonders dann sinnvoll, wenn ein Hund unterwegs schnell auf eigene Ideen kommt, ständig Wildspuren verfolgt, sich stark an seiner Umwelt festbeißt oder einfach Spaß daran hat, gemeinsam mit seinem Menschen etwas zu tun.

Dabei geht es nicht darum, den Hund permanent zu beschäftigen. Hunde brauchen beim Spaziergang genauso Zeit zum Schnüffeln, Erkunden, Beobachten und schlicht zum Hundsein.

Aber ein paar gezielt eingebaute Aufgaben können erstaunlich viel verändern.

Warum Kopfarbeit beim Spaziergang sinnvoll sein kann

Viele Hunde werden beim Gassigehen hauptsächlich körperlich bewegt.

Sie laufen.

Und laufen.

Und laufen noch ein bisschen weiter.

Das ist selbstverständlich Bewegung, aber geistig muss der Hund dabei nicht unbedingt besonders viel leisten.

Gerade intelligente, arbeitsfreudige oder ursprünglich für bestimmte Aufgaben gezüchtete Hunde suchen sich deshalb häufig ihre eigenen Beschäftigungen. Das kann dann bedeuten, dass plötzlich jeder Vogel beobachtet, jede Wildspur verfolgt oder jeder entgegenkommende Hund zum wichtigsten Ereignis des Tages erklärt wird.

Kleine Übungen unterwegs können helfen, die Aufmerksamkeit immer wieder kurz zum Menschen zurückzuholen.

Der Hund bekommt eine Aufgabe, löst sie und darf anschließend wieder schnüffeln oder weiterlaufen.

So entsteht ein natürlicher Wechsel zwischen freier Erkundung und gemeinsamer Aktivität.

Hund beim Spaziergang beschäftigen: Es müssen keine komplizierten Übungen sein

Kopfarbeit klingt schnell nach Trainingsplatz, Intelligenzspielzeug oder aufwendigem Beschäftigungsprogramm.

Dabei liegen draußen bereits jede Menge Möglichkeiten herum.

Ein Baumstamm kann zum Balancierbalken werden.

Ein paar Laubblätter können ein Versteck für Leckerchen sein.

Ein Baum kann umrundet werden.

Ein kleiner Stein kann als Zielpunkt dienen.

Und manchmal reicht bereits eine Minute konzentriertes Training vollkommen aus.

Gerade diese kleinen Aufgaben sind praktisch, weil sie sich ohne Vorbereitung in einen normalen Spaziergang einbauen lassen.

1. Leckerchen suchen lassen

Eine der einfachsten Möglichkeiten ist ein kleines Suchspiel.

Du kannst ein paar Futterstücke ins Gras werfen und den Hund suchen lassen.

Dabei setzt er seine Nase ein, muss konzentriert arbeiten und bewegt sich gleichzeitig wesentlich langsamer als beim normalen Laufen.

Besonders spannend wird die Suche, wenn du das Gebiet nicht zu groß machst.

Am Anfang reichen beispielsweise ein oder zwei Quadratmeter.

Mit zunehmender Erfahrung kannst du die Suche etwas schwieriger gestalten.

Wichtig ist, den Hund wirklich suchen zu lassen und ihm nicht ständig zu zeigen, wo das Futter liegt.

Gerade Nasenarbeit ist für viele Hunde erstaunlich anstrengend.

Fünf Minuten konzentriertes Suchen können mental mehr verlangen als eine halbe Stunde stumpfes Geradeauslaufen.

2. Einen Gegenstand suchen

Noch spannender wird es, wenn der Hund nicht einfach Futter sucht, sondern einen bestimmten Gegenstand.

Das kann beispielsweise ein Futterbeutel, ein kleines Spielzeug oder ein anderer bekannter Gegenstand sein.

Du lässt den Hund kurz warten, legst den Gegenstand einige Meter entfernt ab und gibst anschließend das Suchsignal.

Am Anfang sollte der Hund beobachten dürfen, wo du den Gegenstand hinlegst.

Später kannst du ihn verstecken.

Damit entsteht aus einer simplen Pause beim Spaziergang eine kleine Suchaufgabe.

3. Auf einen Baumstamm steigen

Baumstämme, niedrige Mauern, große Steine oder andere stabile Gegenstände eignen sich hervorragend für kleine Koordinationsübungen.

Der Hund kann beispielsweise mit den Vorderpfoten auf einen Baumstamm steigen.

Fortgeschrittene Hunde können darüber laufen oder darauf stehen bleiben.

Solche Übungen trainieren Körpergefühl, Konzentration und Gleichgewicht.

Gerade Hunde, die sich normalerweise sehr schnell bewegen, müssen dabei plötzlich langsam und kontrolliert arbeiten.

Natürlich sollte der Untergrund stabil und ungefährlich sein.

Ein glitschiger Baumstamm nach einem Regenschauer ist keine besonders clevere Idee.

4. Einen Baum umrunden

Eine wunderbar einfache Übung besteht darin, den Hund um einen Baum oder Pfosten herumlaufen zu lassen.

Du kannst daraus später sogar ein festes Signal entwickeln.

Der Hund läuft um den Gegenstand herum und kommt anschließend wieder zu dir zurück.

Diese Aufgabe lässt sich später wunderbar variieren.

Der Abstand kann größer werden.

Der Hund kann unterschiedliche Gegenstände umrunden.

Oder du schickst ihn einmal linksherum und einmal rechtsherum.

Damit trainierst du gleichzeitig Orientierung und Zusammenarbeit.

5. Kurze Fußarbeit einbauen

Niemand verlangt, dass der Hund den gesamten Spaziergang militärisch korrekt neben dem Knie marschiert.

Das wäre für die meisten Hunde weder besonders angenehm noch sinnvoll.

Aber kurze Sequenzen konzentrierten Fußlaufens können eine interessante Aufgabe sein.

Zum Beispiel zehn Schritte aufmerksam neben dir laufen.

Danach folgt wieder die Freigabe zum Schnüffeln.

Gerade dieser Wechsel kann sehr hilfreich sein.

Der Hund lernt:

Jetzt konzentrieren wir uns gemeinsam.

Und anschließend darf ich wieder meine Umgebung erkunden.

Gemeinsame Beschäftigung als Schlüsselpunkt zur besserer Beziehung zu deinem Hund

6. Sitz und Bleib unterwegs

Auch bekannte Grundsignale können draußen plötzlich wesentlich anspruchsvoller werden.

Ein Sitz im Wohnzimmer ist einfach.

Ein Sitz auf einem Waldweg, während irgendwo ein Vogel flattert und fünf Meter weiter ein anderer Hund läuft, ist bereits eine ganz andere Aufgabe.

Du kannst deshalb kurze Bleibübungen in den Spaziergang integrieren.

Am Anfang reichen wenige Sekunden.

Dann gehst du einen Schritt weg und wieder zurück.

Solche kleinen Übungen trainieren Aufmerksamkeit und Impulskontrolle, ohne dass daraus eine halbe Trainingsstunde werden muss.

7. Handtouch

Eine besonders praktische Übung ist der sogenannte Handtouch.

Dabei lernt der Hund, mit seiner Nase deine ausgestreckte Hand zu berühren.

Das lässt sich überall einsetzen.

Beim Spaziergang kannst du den Hund beispielsweise auf deine linke oder rechte Seite führen oder seine Aufmerksamkeit kurz von einem Reiz weglenken.

Außerdem ist die Übung leicht aufzubauen und macht vielen Hunden Spaß.

8. Richtungswechsel als Spiel

Du musst nicht immer geradeaus laufen.

Mach plötzlich einen Richtungswechsel und belohne den Hund dafür, dass er aufmerksam mitgeht.

Oder lauf einige Meter rückwärts.

Dann wieder vorwärts.

Dann einen kleinen Bogen.

Das klingt fast lächerlich simpel, zwingt den Hund aber dazu, seine Aufmerksamkeit stärker auf dich zu richten.

Besonders bei jungen Hunden kann daraus ein kleines gemeinsames Bewegungsspiel entstehen.

9. Verlorensuche

Eine schöne Beschäftigung für unterwegs ist die sogenannte Verlorensuche.

Du lässt beim Gehen unauffällig einen Gegenstand fallen.

Nach einigen Metern stoppst du und schickst den Hund zurück, um ihn zu suchen.

Am Anfang sollte der Gegenstand gut sichtbar liegen.

Später kann die Aufgabe schwieriger werden.

Diese Übung verbindet Nasenarbeit, Orientierung und Zusammenarbeit.

Viele Hunde entwickeln daran erstaunlich viel Freude.

10. Einen kleinen Trick unterwegs abfragen

Auch bekannte Tricks lassen sich hervorragend in Spaziergänge einbauen.

Pfote geben.

Drehen.

Verbeugen.

Auf ein Signal rückwärtsgehen.

Zwischen deinen Beinen stehen.

Dabei geht es überhaupt nicht darum, den Hund mit Zirkusnummern zu beeindrucken.

Ein kleiner Trick verlangt Konzentration und unterbricht gleichzeitig das monotone Geradeauslaufen.

Wie lange sollte man den Hund beim Spaziergang beschäftigen?

Hier gilt tatsächlich: weniger ist oft mehr.

Ein Spaziergang sollte kein zweistündiger Trainingskurs werden.

Für viele Hunde reichen mehrere kurze Einheiten von vielleicht 30 Sekunden bis zwei Minuten.

Danach darf der Hund wieder schnüffeln und seine Umgebung erkunden.

Gerade das freie Schnüffeln ist selbst bereits eine Form geistiger Beschäftigung.

Der Hund nimmt Gerüche wahr, sortiert Informationen und verarbeitet seine Umwelt.

Deshalb sollte man nicht den Fehler machen, jeden Spaziergang komplett kontrollieren zu wollen.

Kopfarbeit ersetzt keine Ruhe

Ein weiterer wichtiger Punkt wird bei Hundebeschäftigung häufig vergessen.

Ein Hund muss nicht ständig ausgelastet werden.

Man kann Hunde durchaus so sehr beschäftigen, dass sie irgendwann erwarten, permanent bespaßt zu werden.

Dann entsteht genau das Gegenteil dessen, was man erreichen wollte.

Ein ausgeglichener Hund sollte auch lernen, einfach einmal nichts zu tun.

Deshalb gehört zu einem guten Spaziergang immer auch Ruhe.

Schnüffeln.

Stehenbleiben.

Beobachten.

Langsam laufen.

Und zwischendurch eben eine kleine gemeinsame Aufgabe.

Besonders sinnvoll bei jagdlich interessierten Hunden

Gerade Hunde mit ausgeprägtem Jagdinteresse können von kleinen Aufgaben unterwegs profitieren.

Natürlich verschwindet dadurch kein Jagdtrieb.

Ein Hund, der genetisch stark jagdlich motiviert ist, wird nicht plötzlich vergessen, dass Wild interessant ist, nur weil er vorher drei Leckerchen gesucht hat.

Aber regelmäßige gemeinsame Aufgaben können dafür sorgen, dass der Mensch unterwegs relevanter bleibt.

Statt dass der Hund ausschließlich seine Umwelt scannt, entsteht immer wieder eine kleine Erwartung:

Vielleicht passiert gleich etwas gemeinsam.

Das kann im Alltag einen deutlichen Unterschied machen.

Beschäftigung beim Spaziergang muss zum Hund passen

Nicht jeder Hund liebt dieselben Aufgaben.

Der eine möchte suchen.

Der nächste balanciert begeistert über jeden Baumstamm.

Ein anderer liebt kleine Tricks.

Und wieder ein anderer möchte eigentlich hauptsächlich schnüffeln.

Das ist vollkommen in Ordnung.

Gute Beschäftigung bedeutet nicht, möglichst viele Übungen abzuhaken.

Es bedeutet, herauszufinden, welche Aufgaben deinem Hund liegen.

Fazit: Kleine Aufgaben können einen Spaziergang deutlich spannender machen

Wer seinen Hund beim Spaziergang beschäftigen möchte, braucht weder besonderes Zubehör noch komplizierte Trainingspläne.

Ein paar Leckerchen.

Ein Baumstamm.

Ein bekannter Trick.

Eine kleine Suchaufgabe.

Mehr braucht es häufig gar nicht.

Die Kunst besteht darin, die Beschäftigung sinnvoll zu dosieren.

Der Hund soll weiterhin Hund sein dürfen.

Er soll schnüffeln, erkunden und seine Umwelt wahrnehmen.

Aber zwischendurch darfst du ihn ruhig daran erinnern, dass am anderen Ende der Leine auch noch jemand unterwegs ist.

Und manchmal verhindert eine kleine Aufgabe tatsächlich, dass der Hund sich selbst eine sucht.

Denn bei der Auswahl eigener Freizeitaktivitäten haben Hunde gelegentlich einen bemerkenswert kreativen Geschmack.


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