Golden Retriever Show vs. Arbeitslinie

Showlinie Golden Retriever

Golden Retriever Arbeitslinie und Showlinie: Field Trial, Standardzucht und die Linien dahinter

Zwei Golden Retriever können so unterschiedlich wirken, dass viele Menschen an zwei verschiedene Rassen denken. Der eine wiegt vierzig Kilo, hat ein cremeweißes, langes Fell, einen breiten Schädel und liegt in der Küche. Der andere wiegt achtundzwanzig Kilo, ist dunkelgold, kurzhaariger, drahtig gebaut und sitzt vibrierend neben seinem Menschen, weil hundert Meter weiter jemand einen Dummy geworfen hat. Beide sind Golden Retriever. Beide entsprechen demselben Rassestandard. Der Unterschied liegt darin, worauf ihre Vorfahren über Generationen ausgesucht wurden.

Dieser Beitrag erklärt die Fachbegriffe, die dahinterstecken: Arbeitslinie, Showlinie, Field Trial Golden Retriever, Standardzucht, jagdliche Leistungszucht und Dual Purpose. Er zeigt die berühmten Linien in England, Schweden und Deutschland, er erklärt, was auf einer Ahnentafel wirklich steht, und er sagt Dir, welcher Hund zu welchem Menschen passt.

Ein Rassestandard, zwei Zuchtrichtungen

Für den Golden Retriever gibt es genau einen offiziellen Rassestandard, den FCI-Standard Nummer 111. Dort sind 56 bis 61 Zentimeter Widerristhöhe für Rüden und 51 bis 56 Zentimeter für Hündinnen festgeschrieben. Ein Gewicht nennt der Standard erst gar nicht. Arbeitslinie und Showlinie tauchen in diesem Text ebenfalls nicht auf.

Beide Zuchtrichtungen bewegen sich also innerhalb desselben Standards. Der Unterschied entsteht durch die Auswahl der Zuchttiere über viele Generationen. Wer seine Hunde danach aussucht, wie sie im Feld arbeiten, bekommt nach dreißig oder fünfzig Jahren andere Hunde als jemand, der nach Ausstellungsergebnissen auswählt. Genau das ist passiert.

Ein zweiter Punkt vorweg: Arbeitslinie und Showlinie sind Herkunftsbezeichnungen, keine Charaktergarantien. Eine Ahnentafel sagt Dir, was die Vorfahren geleistet haben, und damit etwas über die Wahrscheinlichkeit bestimmter Anlagen. Der einzelne Welpe entscheidet sich trotzdem selbst.

Wie die Trennung entstand

Der Golden Retriever wurde ab 1868 in Schottland aus dem gelben Wavy-Coated Retriever und dem inzwischen ausgestorbenen Tweed Water Spaniel entwickelt. Als eigene Varietät führte der englische Kennel Club ihn 1911 unter dem Namen Golden or Yellow Retrievers. Ein Jahr später holte Captain Hardy in Netherby den ersten Field-Trial-Preis für die Rasse.

Bis in die 1930er Jahre liefen Ausstellungshunde und Prüfungshunde derselben Zwinger. Vor dem Zweiten Weltkrieg qualifizierten sich fünf Show Champions und fünf Dual Champions insgesamt sechzehn Mal für die IGL Retriever Championship, die höchste britische Retrieverprüfung.

Danach ging es auseinander, und der englische Kennel Club hat den Zeitpunkt sogar dokumentiert. In den 1950er Jahren wurden Ausstellungen so beliebt, dass viele Hunde die Championtitel erreichten, ohne je auf einer Jagdprüfung gelaufen zu sein. Deshalb wurde der Titel Show Champion neu geschaffen. Wer den vollen Titel Champion tragen wollte, brauchte weiterhin einen Field-Trial-Preis oder das Show Gundog Working Certificate, einen Arbeitsnachweis auf frisch geschossenem Wild mit Wasserarbeit.

Der letzte Retriever, der zugleich Champion und Field Trial Champion war, ist ein Golden Retriever: Int. Dual Ch. David of Westley, 1957 in England und Irland. Der letzte Show Champion mit einem Preis bei der IGL Championship war Ch. Dai of Yarlaw mit einem Diploma of Merit im Jahr 1964. Ch. Deremar Rosemary, geboren 1970 und reinrassig aus Showzucht, gewann sogar noch einen Open Stake und startete 1977 in Sandringham. Seitdem ist der Graben so breit, dass in Großbritannien vier neuen Champions zwölf neue Show Champions gegenüberstehen. Das Jahrbuch des englischen Golden Retriever Club führt diese Zahlen mit.

Seit 1909 gewann ein Golden Retriever die IGL Retriever Championship vier Mal: 1937 mit Haulstone Larry, 1952 mit FTCh Treunair Cala, 1954 mit FTCh Mazurka of Wynford und 1982 mit FTCh Little Marston Chorus of Holway. Der bislang letzte Sieg gelang 2006 mit FTCh Marcus May Be of Wadesmill. In allen übrigen Jahren stand ein Labrador im Siegerbuch.

Was Arbeitslinie tatsächlich bedeutet

Im englischen Sprachgebrauch hieß es ursprünglich working strain. Gemeint war die Verwendung des Retrievers für die Arbeit nach dem Schuss auf der Niederwildjagd. Weil man die Leistung dieser Hunde bald in Field Trials verglich, wanderte der Begriff mit: aus der Arbeitslinie wurde die Field-Trial-Linie, aus dem Jagdhelfer der Prüfungshund und Jagdhelfer zugleich.

Die österreichische Leistungsrichterin Helene Leimer hat den Kern in einem Satz gefasst: Englische Arbeitslinien sind Blutlinien. Mit diesen Hunden wurde über Generationen jagdlich gearbeitet, beim Picking-up nach dem Treiben, tagein tagaus. Eigenschaften wie feine Nase, natürliche Wildfinderfähigkeit, Arbeitsstil, sicheres Wesen und will to please wurden dabei als ungeschriebene Zuchtkriterien weitergegeben.

Das ist etwas anderes als ein deutsches Zuchtprädikat. Auf dem Festland reicht für den Vermerk jagdliche Leistungszucht eine bestandene Prüfung je Elternteil. Das sagt etwas über die Brauchbarkeit dieser beiden Hunde aus. Eine über Jahrzehnte gewachsene Blutlinie entsteht daraus noch nicht. Wenn Du also einen Hund aus englischer Field-Trial-Zucht suchst und stattdessen nach deutschen Zuchtprädikaten in Welpenlisten schaust, kannst Du einen sehr guten Retriever bekommen, der trotzdem von einem ganz anderen Schlag ist als erwartet.

Standardzucht und jagdliche Leistungszucht: so regelt es der DRC

In Deutschland betreuen zwei VDH-Vereine die Zucht: der Deutsche Retriever Club, gegründet 1963, für alle sechs Retrieverrassen, und der Golden Retriever Club e.V., gegründet 1989, ausschließlich für den Golden.

Der DRC führt zwei Zuchtarten nebeneinander, und beide stehen sichtbar auf dem Papier. Die Ahnentafeln für Standardzucht und für jagdliche Leistungszucht werden farblich unterschieden und entsprechend gekennzeichnet.

So funktioniert die Einstufung:

Haben beide Elterntiere eine anerkannte jagdliche Prüfung bestanden, bekommen die Welpen den Vermerk aus jagdlicher Leistungszucht.

Haben zusätzlich alle vier Großeltern mindestens eine solche Prüfung, lautet der Vermerk aus spezieller jagdlicher Leistungszucht.

Hat ein Elternteil oder haben beide Elternteile diese Prüfungen offen, tragen die Welpen den Vermerk aus Standardzucht.

Entscheidend ist die Liste der anerkannten Prüfungen, und die ist enger, als viele denken. Für Deutschland zählen die Bringleistungsprüfung BLP, die Retrievergebrauchsprüfung RGP, die Prüfung nach dem Schuss, die Schweißprüfung, die Herbstprüfung sowie die JGHV-Prüfungen VPS, VGP und HZP. Dazu kommen Field Trials mit CACT oder CACIT ab der Bewertung gut. Aus Großbritannien und Irland zählt ein Award, Certificate oder Diploma of Merit in einem Open, All-Aged oder Novice Stake. Aus Schweden zählen A-Prov und B-Prov ab drittem Preis, aus Norwegen und Dänemark die entsprechenden Prøver, aus den USA und Kanada Senior Hunter, Master Hunter und der Judges‘ Award of Merit.

Bemerkenswert ist, was auf dieser Liste fehlt: sämtliche Dummyprüfungen und Working Tests. Die Arbeitsprüfung mit Dummies zählt im DRC ausdrücklich zu den nichtjagdlichen Prüfungen. Ein Golden Retriever kann also Dummyprüfungen in der höchsten Klasse laufen, und seine Welpen stehen trotzdem als aus Standardzucht im Zuchtbuch. Das ist ein Punkt, an dem sich viele Welpenkäufer verlesen.

Für jede Zuchtzulassung im DRC gelten daneben dieselben Grundlagen, unabhängig von der Linie: HD- und ED-Gutachten durch den vereinseigenen Gutachter, Augenuntersuchung bei einem anerkannten Augengutachter auf PRA, Retinadysplasie und Katarakt, DNA-Profil nach ISAG 2020 mit eingelagerter Blutprobe, vorgeschriebene Gentests, Formwertbeurteilung mit Vermessung und Gebisskontrolle sowie der Nachweis der Schussfestigkeit. Schussscheue schließt jeden Retriever von der Zucht aus. Der Golden Retriever Club e.V. arbeitet nach demselben Grundgedanken und nennt als Vereinsziel ausdrücklich Wesen, Gesundheit, jagdliche Leistung, sonstige rassetypische Brauchbarkeit und Schönheit in einem Satz.

Ein Hinweis zur Abgrenzung: Arbeitstitel entstehen im Prüfungswesen der FCI- und VDH-Vereine. Zuchtvereine außerhalb des VDH können solche Prüfungen anbieten, ihre Hunde starten auf den offiziellen Prüfungen jedoch nur mit anerkannter FCI-Ahnentafel. Wer dort einen Welpen kauft, erhält Hunde, die Arbeitsfreude mitbringen können, die Herkunftsbezeichnung Arbeitslinie beruht dann allerdings auf der Beschreibung des Züchters statt auf Leistungsnachweisen der Vorfahren.

Field Trial Golden Retriever: was auf der Prüfung verlangt wird

Ein Field Trial ist eine Jagdprüfung auf frisch geschossenes Feder- und Haarwild. In Großbritannien läuft er wie ein normaler Jagdtag ab, entweder im Treiben mitlaufend oder am Stand wartend. Üblicherweise arbeiten sechs Hunde in einer Linie, drei Richter beurteilen jeweils ein Paar und tauschen die Hunde durch, damit jeder Richter jeden Hund gesehen hat.

Bewertet wird die Arbeit nach dem Schuss: Markieren, ruhiges Warten, Einweisen auf Distanz, Suche im Deckungsgelände, weiches Maul, Wasserarbeit und vor allem die natürliche Wildfinderfähigkeit. Ein Hund, der laut ist, ist raus. Ein Hund, der einwandfrei markiert, aber am Wild vorbeisucht, ebenfalls.

Genau diese Kriterien haben die Field-Trial-Linien geformt. Schnelligkeit, Ausdauer, Nasenleistung, Lenkbarkeit auf große Entfernung und die Bereitschaft, in dichte Dornen zu gehen, sind das Ergebnis von hundert Jahren Auswahl nach dieser Prüfungsform. Aus derselben Zucht kommt auch der leichtere Körperbau: Ein Hund, der einen ganzen Jagdtag durchhält, trägt wenig Ballast mit sich herum.

Die berühmten Arbeitslinien

Holway, England

Der Zwinger Holway von June Atkinson in Dorset ist die bekannteste Arbeitslinie der Rasse und über fünfzig Jahre lang nach denselben Kriterien gezüchtet worden. June Atkinson kaufte 1947 ihre Stammhündin Musickmaker of Yeo. Aus dieser Linie entstanden über zwanzig Field Trial Champions, die sie selbst ausbildete und führte, dazu neun weitere Holway-Hunde, die von anderen Führern in England, Europa und Amerika ihren Titel machten. Zu ihren bekanntesten Hunden gehören FTCh Mazurka of Wynford, Siegerin der Retriever Championship 1954, FTCh Holway Flush of Yeo, Mutter von fünf englischen, einem amerikanischen und einem belgischen Field Trial Champion, sowie FTCh Holway Gaiety mit acht gewonnenen Open Stakes.

Auf dem Hof gab es Pferde, Schafe und Wassergründe, jedoch keine Zwingeranlage. Die Hunde lebten in der Küche und im Auto. June Atkinson sprach vom Spielen mit ihren Hunden statt vom Training und hatte für junge Hunde eine einzige Regel: Gib ein Kommando nur, wenn Du in der Lage bist, für seine Ausführung zu sorgen. Ihr zweiter berühmter Satz gilt bis heute als Kern der Rassearbeit: Verliere niemals die Geduld mit einem Golden.

Robert Atkinson führt den Zwinger fort. Er gewann 1982 mit FTCh Little Marston Chorus of Holway die Retriever Championship. Holway-Hunde stehen bis heute in Arbeitsstammbäumen quer durch Europa, June Atkinson verkaufte immer auch an Jäger und Berufsjäger, die einen Gebrauchshund wollten.

Holway Barty und Topbrass Cotton, USA

Der Rüde Holway Barty wurde in die USA importiert und hat die amerikanische Field-Trial-Zucht ab den 1970er Jahren umgekrempelt. Sein Sohn NAFC FC Topbrass Cotton ist der bislang einzige Golden Retriever, der die National Amateur Field Championship gewonnen hat. Wer heute in den USA einen field line Golden sucht, findet in fast jedem Papier Barty und Cotton wieder. Amerikanische Feldlinien wiegen 25 bis 32 Kilo, sind dunkler rotgold, tragen weniger Behang und haben eine schmalere Schnauze.

Weitere Namen im Arbeitsbereich

Treunair, der Zwinger von Jean Lumsden, stellte 1952 mit FTCh Treunair Cala den ersten Nachkriegssieger der Rasse. Little Marston und Wydcombe stehen in vielen Arbeitspapieren. Standerwick von Daphne Philpott ist ein Sonderfall: Standerwick Thomasina war eine Hündin aus Arbeitsblut, Vater FTCh Holway Spinner, die ihren Ausstellungstitel erreichte. Abnalls Evita of Standerwick lief 1987 in der Retriever Championship in Sandringham.

In Mitteleuropa haben sich aus Importen eigene Zuchtgrundlagen gebildet. Der Zwinger Duckflight steht für konsequente Field-Trial-Zucht auf dem Kontinent. Anja Heuer gewann mit ihrer Hündin Duckflight Eye on Gadwall, einer Tochter von Robert Atkinsons FTCh Holway Cider, den Skinner’s World Cup gegen die besten Labradore und anschließend den Open Test beim Jubiläumstreffen der Rasse in England. In Deutschland züchten Zwinger wie Gundog’s Choice, Welldox, my Golden Elixir, Dorgarthen und TQ Retriever im DRC gezielt aus Field-Trial-Linien. Bei TQ Retriever laufen beide Zuchtrichtungen bewusst nebeneinander, das T steht für die Stammhündin der Arbeitslinie, das Q für die Stammhündin der Showlinie.

Die berühmten Showlinien

Camrose, England

Joan Tudor gründete den Zwinger Camrose Ende der 1940er Jahre auf der Hündin Golden Camrose Tess. Praktisch jeder Golden Retriever aus Showzucht weltweit stammt heute von ihr ab. Aus Tess‘ zweitem Wurf kamen Camrose Antony und Ch. Camrose Fantango, und über sie laufen die Linien zu den großen Deckrüden weiter: Ch. Camrose Nicholas of Westley, Ch. Sansue Camrose Phoenix, Ch. Camrose Tallyrand of Anbria, Ch. Stolford Happy Lad, Ch. Nortonwood Faunus.

Der wichtigste Name ist Ch. Camrose Cabus Christopher, gerufen Toffer. Er gewann 41 Challenge Certificates und war bis 1986 Rekordhalter der Rasse. Als Deckrüde brachte er 27 Champions allein in Großbritannien und 66 weltweit. Sein Einfluss auf Kopfform, Substanz und die hellere Fellfarbe der Showlinie ist bis in heutige Würfe zu sehen.

Westley und Yeo

Westley von Joan Gill lieferte mit Ch. William of Westley und Ch. Westley Victoria prägende Tiere und mit Int. Dual Ch. David of Westley den letzten Hund, der beide Welten gewann. Yeo taucht auf beiden Seiten auf, im Show- wie im Arbeitsbereich, was zeigt, wie spät die endgültige Trennung erfolgte.

Dewmist, Schweden

Henric Fryckstrand in Västerås führt den international einflussreichsten Showzwinger der Gegenwart. Ch. Styal Silksilla wurde Mutter von sechzehn Champions und gewann mit zehn Jahren BOB auf der Weltausstellung in Stockholm. Ch. Dewmist Serenella holte 2004 als erster schwedischer Golden ein CC und BOB in Großbritannien, Ch. Dewmist Leading Lady 2008 als erster kontinentaler Golden CC und BOS in Crufts. Dewmist-Hunde gewannen BOB auf den Weltausstellungen in Stockholm, Bratislava, Paris, Salzburg und Mailand. Wenn Du in Deutschland einen sehr hellen, schweren, ruhigen Golden mit skandinavischen Namen im Papier siehst, führt die Spur oft hierhin.

Woran Du die Linien erkennst

Der Blick auf den Kopf hilft am zuverlässigsten. Hunde aus Showlinien tragen einen breiteren, massigeren Schädel mit ausgeprägtem Stop und kräftigem Fang. Hunde aus Arbeitslinien haben einen schmaleren, längeren Kopf und wirken im Gesicht feiner.

Der Körperbau folgt derselben Logik. Showlinien-Golden sind kräftiger, tiefer, oft an der Obergrenze des Standards oder darüber, mit viel Knochen und in Schweden mitunter über vierzig Kilo. Arbeitslinien-Golden sind leichter, hochbeiniger wirkend, muskulös und deutlich schneller in der Bewegung. Das Fell der Showlinie ist länger, dichter und stärker befedert, das Fell der Arbeitslinie kürzer und glatter anliegend.

Bei der Farbe wird es unsicher. Arbeitslinien sind häufig kräftig gold bis dunkelgold, also in der Farbe, die der Rasse ihren Namen gab. Showlinien tendieren zu hell bis cremefarben. Als alleiniges Erkennungsmerkmal taugt die Farbe trotzdem wenig, denn es gibt helle Arbeitshunde und dunkle Ausstellungshunde. Auch die Werbung mit dunklen und schnellen Hunden hört man in beiden Ländern von Züchtern, deren Papiere andere Vorfahren zeigen.

Sicherheit gibt Dir allein der Stammbaum. Schau nach Titeln wie FTCh, FT Award, Open Stake, BLP, RGP, A-Prov oder B-Prov auf beiden Seiten und über mehrere Generationen. Schau ebenso nach Show Champion, CC und Weltausstellungstiteln. Was in vier Generationen wiederholt auftaucht, beschreibt die Linie.

Wesen und Arbeitsverhalten

An der Universität Linköping hat eine Arbeitsgruppe um Per Jensen genau diese Frage untersucht und die Ergebnisse der schwedischen Mentalbeschreibung von Golden Retrievern aus Jagdlinien mit denen aus Show- und Familienzucht verglichen. Golden Retriever aus Jagdlinien zeigten höhere Werte bei Neugier, Spielinteresse, Verfolgungsbereitschaft und sozialer Begrüßung sowie niedrigere Werte beim Drohverhalten. Interessant war ein zweites Ergebnis: Beim Labrador fielen die Unterschiede zwischen den Linien anders aus als beim Golden. Dieselbe Zuchtrichtung wirkt sich also nicht bei jeder Rasse gleich aus.

Aus der Ausbildungspraxis kommt eine ältere Beobachtung dazu, die Derek Freeman über dreißig Jahre bei der britischen Blindenführhundeorganisation gesammelt hat. Golden Retriever sind sehr intelligent und merken schnell, was sie sich erlauben können. Wenn ihre Mitarbeitsbereitschaft versiegt, liegt das selten an Sturheit. Freeman nannte es zurückgezogene Großzügigkeit: Die Rasse ist leicht zu kränken, und einmal verlorene Bereitschaft kommt langsam zurück.

Für Dein Training heißt das dreierlei. Erstens reifen Golden langsamer als Labradore, und zwar im Wesen stärker als im Kopf. Weil sie schnell lernen, entsteht leicht die Versuchung, sie zu schnell weiterzuschieben. Zweitens brauchen sie Ansprache statt Druck, in der Arbeitslinie genauso wie in der Showlinie. Drittens sind sie ausgesprochen menschenbezogen und leben ungern isoliert, selbst Field-Trial-Hunde arbeiten am liebsten in enger Rückversicherung mit ihrem Menschen.

Was das für Deinen Alltag bedeutet

Ein Golden Retriever aus Arbeitslinie ist ein Gebrauchshund und möchte täglich eine Aufgabe. Dummytraining, jagdliche Arbeit, Fährte, Mantrailing, Rettungshundearbeit oder Zielobjektsuche passen zu diesen Anlagen. Wer diesen Hunden Beschäftigung anbietet, bekommt hochmotivierte, ausdauernde und begeisterungsfähige Partner. Wer sie ausschließlich spazieren führt, erlebt oft, dass sie sich selbst eine Aufgabe suchen, und die Auswahl trifft dann der Hund.

Ein Golden Retriever aus Standardzucht oder Showlinie bringt in der Regel mehr Ruhe mit, arbeitet gern in kleinerem Umfang und lebt gut in einer normal aktiven Familie. Bewegung, Kopfarbeit und Beschäftigung braucht er trotzdem, alles andere wäre eine Legende. Auch der ruhigste Goldie bleibt ein Apportierhund mit Wasserfreude.

Zwischen beiden steht die Dual-Purpose-Zucht. Diese Züchter suchen Hunde, die dem Rassestandard im Erscheinungsbild entsprechen und ihre jagdlichen Anlagen behalten. Diese Hunde eignen sich für Menschen, die Hundesport machen möchten und daneben einen alltagstauglichen Familienhund brauchen. Blindenführhunde, Assistenzhunde und Therapiehunde stammen häufig aus dieser Richtung.

Schweden: jaktgolden und utställningsgolden

In Schweden heißt die Arbeitslinie jaktgolden, die Showlinie utställningsgolden. Die Beschreibung deckt sich mit der deutschen: kleiner, wendiger, ausdauernder auf der einen Seite, größer, ruhiger, heller und schwerer auf der anderen. Die Showlinie ist dort so verbreitet, dass sie umgangssprachlich als der normale Golden gilt.

Geprüft wird über die Svenska Spaniel- och Retrieverklubben mit drei Prüfungsformen: A-Prov auf echter Jagd, B-Prov mit ausgelegtem Wild und C-Prov, das dem Working Test entspricht. Die Ergebnisse fließen ausdrücklich in die Zuchtarbeit ein. Dazu kommt die Mentalbeschreibung: BPH und MH liefern standardisierte Wesensdaten, und seit 2025 gibt es einen Mentalindex, der die Verhaltensdaten des einzelnen Hundes und seiner Verwandten zusammenfasst.

In Schweden läuft parallel eine Debatte, die auch in Deutschland lohnt. Ein Teil der Züchter fordert, nur noch Hunde mit Jagdprüfungserfolg in die Zucht zu nehmen, am liebsten mit erstem Preis in der Offenen Klasse. Andere halten dagegen, weil die Zahl der tatsächlich gestarteten Hunde klein ist. Bei strengen Anforderungen würden immer dieselben wenigen Rüden decken, die Zuchtbasis würde schmal und die Inzuchtwerte stiegen. Das ist der wunde Punkt jeder Leistungszucht: Je enger die Kriterien, desto kleiner der Genpool.

England heute

In Großbritannien sind Arbeitszwinger beim Golden Retriever selten geworden. Wer einen Welpen oder einen angearbeiteten Hund aus guter Arbeitszucht mit Gesundheitsergebnissen sucht, steht in aller Regel auf einer Warteliste. Zugleich hat sich das Erscheinungsbild der Arbeitshunde wieder beruhigt: Wurden sie vor Jahren noch als windhundartig verspottet, nähern sie sich heute wieder dem ursprünglichen Typ an.

Auf den unteren Wettkampfebenen ist die Rasse präsent und aktiv. Auf der höchsten Ebene bleibt sie eine Randerscheinung, weil Labradore die Startfelder stellen. Der Sportjournalist und Golden-Führer Graham Cox bringt es auf die Formel, dass ein guter Golden alles kann, was ein guter Labrador kann, und dass gute Golden gleichzeitig rar sind.

Gesundheit und Zuchtbasis

Für beide Zuchtrichtungen gelten dieselben Pflichtuntersuchungen im VDH-Bereich: HD, ED, Augen, DNA-Profil und die rassespezifisch vorgeschriebenen Gentests. Freiwillige Untersuchungen wie Herzultraschall, Patella und OCD werden im DRC in die Datenbank eingetragen und stehen allen Züchtern für die Wurfplanung zur Verfügung.

Ein pauschales gesünder gibt es zwischen den Linien nicht. Gesundheitsprobleme wie PRA, Katarakt und Gelenkbefunde traten historisch in Importen aus Arbeitslinien genauso auf wie in Showlinien. Wichtiger als die Linie ist der einzelne Züchter: die Zahl der untersuchten Vorfahren, die Offenheit mit Befunden und der Inzuchtkoeffizient der geplanten Verpaarung.

Beim Genpool lohnt ein zweiter Blick. Der Golden Retriever ist die einzige Rasse mit lückenlosen Abstammungsdaten seit ihrer Entstehung. Auswertungen mit Stammbaumsoftware zeigen, dass in einem Arbeitsstammbaum mit über 2500 Ahnen die Gründerhunde aus den Jahren 1904 und 1911 noch mit über dreizehn Prozent Blutanteil auftauchen, mehr als deutlich jüngere Vorfahren. Show- und Arbeitslinie sind also weit voneinander entfernt gezüchtet worden, gemeinsame Wurzeln haben sie trotzdem.

Beim Züchter nachfragen

Diese Fragen bringen Dich bei der Auswahl weiter:

Steht auf der Ahnentafel Standardzucht, jagdliche Leistungszucht oder spezielle jagdliche Leistungszucht?

Welche Prüfungen haben Mutter und Vater bestanden, und in welcher Klasse?

Welche Titel stehen in der dritten und vierten Generation, und stammen sie aus dem Prüfungswesen oder aus dem Schauwesen?

Wird mit den eigenen Hunden gejagt oder auf Field Trials und Prüfungen geführt?

Wie sehen HD-, ED- und Augenbefunde der Elterntiere und ihrer Geschwister aus, und wie hoch ist der Inzuchtkoeffizient des geplanten Wurfes?

An welche Menschen werden die Welpen abgegeben, und welche Beschäftigung erwartet der Züchter von Dir?

Ein guter Züchter beantwortet all das gern und zeigt Dir seine Hunde bei der Arbeit im Gelände, statt nur Prüfungsurkunden vorzulegen. Genau das rät auch Helene Leimer: Ein seriöser Züchter wirft die Dummytasche über die Schulter und führt vor, was seine Hunde können.

Kurz zusammengefasst

Arbeitslinie und Showlinie sind zwei Zuchtrichtungen innerhalb einer Rasse, beide innerhalb des FCI-Standards Nummer 111.

Die Trennung entstand nach dem Zweiten Weltkrieg, seit 1957 gab es keinen Golden Retriever mehr, der zugleich Champion und Field Trial Champion war.

Field Trial Golden Retriever sind leichter, dunkler, schneller und ausdauernder und wurden über Jahrzehnte nach Nase, Wildfinderfähigkeit, Lenkbarkeit und Arbeitsstil ausgesucht.

Standardzucht und jagdliche Leistungszucht sind im DRC festgeschriebene Begriffe, sie stehen auf der Ahnentafel und richten sich nach bestandenen jagdlichen Prüfungen der Vorfahren. Dummyprüfungen zählen dafür nicht.

Holway ist der prägende Zwinger der Arbeitslinie, Camrose der prägende Zwinger der Showlinie, Dewmist der einflussreichste Showzwinger der Gegenwart.

Wähle nach dem, was Du mit Deinem Hund vorhast, und lies dazu den Stammbaum über vier Generationen statt nur die Fellfarbe.

Der komplette Info Guide zum Golden Retriever

Klicke hier, wenn Du noch mehr wissen möchtest über Golden Retriever

Erziehung Golden Retriever

Medical Training beim Golden Retriever

Pflege Deines Golden Retriever

Golden Retriever Ausstellungen

Was bedeutet eigentlich Retriever?

Wissenswertes über Golden Retriever

Transport und Sicherheit Golden Retriever

Der Traum vom apportierenden Hund

Clickern und Apportieren als ideale Beschäftigung für Golden Retriever 

Welche Übungen beim Apportieren für Golden Retriever?

Ein Jagdhund als Familienhund

Was sind Stöber- und Apportierhunde?

Die Verwandtschaft: Der Flatcoated Retriever 

Was bedeutet eigentlich VDH und FCI?

Lebenserwartung Golden Retriever

Gesundheit Golden Retriever

Krebs beim Goldenretriever ( vergleiche hier Krebs beim Flatcoated Retriever ) 

Ichthyose

HD beim Golden Retriever

Apportieren beim Golden Retriever

Gewicht Golden Retriever

Golden Retriever Show vs Arbeitslinie

Das ideale Hundebett für Golden Retriever

Warum Rassetypisches Hundezubehör?

Mehr von mir