Mini Black Retriever

Mischlinge mit Flatcoated Retriever

Ein kleiner, glänzend schwarzer Hund mit weichen Schlappohren, Federn an den Beinen und dem freundlichen Ausdruck eines Retrievers: So wirbt der Handel für einen Mischling, der je nach Anbieter Chatham Hill Retriever, Mini Black Retriever oder Black Mini Retriever heißt. Dahinter steckt immer dieselbe Verpaarung, nämlich Flat Coated Retriever mal American Cocker Spaniel. Wer diesen Hund sucht, findet hübsche Welpenfotos, Preise im vierstelligen Bereich und Versprechen, die einer Prüfung standhalten sollten. Dieser Beitrag ordnet ein, woher der Hund kommt, was er mitbringt und was Du wissen solltest, bevor Du eine Anzahlung leistest.

Was der Chatham Hill Retriever überhaupt ist

Der Chatham Hill Retriever entsteht aus der Kreuzung eines Flat Coated Retrievers mit einem American Cocker Spaniel. Er ist ein Hybridhund, also ein bewusst geplanter Mischling aus zwei reinrassigen Elterntieren. Anerkannt ist er bei keinem der großen Zuchtverbände, weder beim VDH und der FCI in Europa noch beim American Kennel Club in den USA. Geführt wird er ausschließlich in privaten Datenbanken für Designerhunde, die praktisch jede denkbare Kreuzung mit einem eigenen Namen versehen.

Das Zuchtziel klingt einleuchtend: ein Retriever im handlicheren Format. Ein Hund, der aussieht wie ein Flat, sich anfühlt wie ein Flat, apportiert wie ein Flat, nur eben zehn bis fünfzehn Kilo leichter und damit angeblich alltagstauglicher für Familien mit kleinerer Wohnung. Eine amerikanische Halterin beschreibt ihre Hunde in einer der Datenbanken genau so: Flat Coated Retriever in jeder Hinsicht, nur kleiner wie der Cocker Spaniel.

Ob dieses Ziel bei jedem Wurf erreicht wird, steht auf einem anderen Blatt. Genau darum geht es weiter unten.

Mini Black Retriever, Black Mini Retriever, Chattie: die Namensvielfalt

Für einen Hund, den es offiziell gar nicht gibt, hat dieser Mix erstaunlich viele Namen. Das hat einen einfachen Grund: Jeder Anbieter wählt den Begriff, der sich am besten verkauft, und jede Datenbank führt ihre eigene Variante.

Diese Bezeichnungen begegnen Dir für ein und denselben Hund:

Chatham Hill Retriever gilt als der offizielle Name in den amerikanischen Hybriddatenbanken. Woher der Name genau stammt, bleibt unklar, er verweist vermutlich auf einen Ortsnamen in den USA.

Chattie ist die Kurzform, die Halter untereinander verwenden.

Flat Coated Cocker Retriever beschreibt schlicht die beiden Elternrassen und taucht vor allem in Vermittlungsanzeigen auf.

Miniature Retriever oder Mini Retriever wird verwendet, wenn der kleine Rahmen im Vordergrund stehen soll.

Mini Black Retriever und Black Mini Retriever haben sich für die schwarze Variante eingebürgert. Beide Schreibweisen laufen parallel, es gibt keine richtige oder falsche Form.

Im deutschsprachigen Raum liest Du außerdem schwarzer Mini Retriever, kleiner schwarzer Retriever, Mini Flat Coated Retriever oder einfach Retriever im Mini-Format.

Diese Vielfalt ist mehr als eine Marotte. Sie erschwert Dir die Suche nach Erfahrungsberichten, nach Gesundheitsdaten und nach kritischen Stimmen, weil jede Community unter einem anderen Stichwort diskutiert. Wer nach dem Kauf Probleme sucht, findet unter Chatham Hill Retriever andere Ergebnisse als unter Mini Black Retriever. Das kommt den Anbietern zugute.

Eine Parallele hilft beim Einordnen: Beim Golden Retriever läuft dasselbe Geschäftsmodell unter Miniature Golden Retriever, Comfort Retriever oder Golden Cocker Retriever. Auch dort wird ein Retriever mit dem American Cocker Spaniel verkleinert. Der Mini Black Retriever ist die schwarze Ausgabe derselben Idee.

Herkunft: Wie der kleine Retriever entstand

Die Datenbanken datieren die ersten Würfe auf die späten 1980er oder frühen 1990er Jahre in den USA. Belege dafür fehlen, es gibt weder einen Gründerzwinger noch ein dokumentiertes Zuchtbuch. Das ist typisch für Designerhunde: Die Geschichte wird rückwirkend erzählt, sobald sich ein Name durchgesetzt hat.

Die Motivation dahinter lässt sich gut nachvollziehen. Der Flat Coated Retriever ist ein wunderbarer Hund, der in den USA und in Europa allerdings ein Nischendasein führt. Er wird mit 56 bis 64 Zentimetern recht groß, bleibt lange jugendlich verspielt und braucht Menschen, die ihn beschäftigen wollen. Der American Cocker Spaniel wiederum ist klein, hübsch und war jahrzehntelang einer der beliebtesten Familienhunde Amerikas.

Wer beide kreuzt, hofft auf den fröhlichen Retrievercharakter im Cockerformat. In den USA gibt es diese Idee seit Jahrzehnten. Ein deutscher Anbieter, der die gelbe Variante unter Minilabrador und Minigolden Retriever vermarktet, beschreibt das Vorgehen offen: Man nimmt kleine Retriever und verpaart sie mit dem American Cocker Spaniel, angestrebt werden 42 bis 48 Zentimeter Schulterhöhe und 15 bis 18 Kilo. Erhalten bleiben sollen Intelligenz, Spiel-, Apportier- und Wasserfreude, verschwinden soll der Jagdtrieb.

Bei diesem letzten Punkt lohnt es sich, kurz innezuhalten. Beide Elternrassen sind Jagdhunde. Der Flat Coated Retriever wurde für die Arbeit nach dem Schuss gezüchtet, der American Cocker Spaniel stammt vom englischen Cocker ab, der Wild aus der Deckung stöbert. Aus zwei Jagdhunden entsteht ein Hund mit jagdlicher Veranlagung. Alles andere wäre ein biologisches Wunder.

Größe und Gewicht: Wie groß wird ein Mini Black Retriever?

Hier liegt die größte Unsicherheit beim Kauf. Angegeben werden meist 40 bis 50 Zentimeter Schulterhöhe und 12 bis 20 Kilo. Diese Spanne beschreibt das Ziel, sie beschreibt selten die Wirklichkeit eines einzelnen Welpen.

Der Grund liegt in der Genetik. Wenn Du einen Hund mit 60 Zentimetern und einen Hund mit 38 Zentimetern verpaarst, verteilen sich die Anlagen für Größe, Knochenstärke und Körperbau in der ersten Generation frei auf die Welpen. Ein Wurf kann Hunde hervorbringen, die mit 38 Zentimetern stehen bleiben, und Geschwister, die auf 55 Zentimeter kommen und damit fast das Format des Flats erreichen. Beim Achtwochenwelpen lässt sich das schwer vorhersagen, und der Züchter kann Dir nur eine Erwartung nennen.

Für Dich heißt das: Plane mit der Möglichkeit, dass Dein handlicher kleiner Retriever ein mittelgroßer Hund von 25 Kilo wird. Wenn die Größe der entscheidende Grund für Deine Wahl ist, bist Du mit einer Rasse besser bedient, deren Standard seit Generationen festgelegt ist und deren Zuchtwerte belegt sind.

Ein zweiter Punkt betrifft die Körperproportionen. Der American Cocker Spaniel ist kompakt gebaut, mit kurzen Läufen im Verhältnis zum Rumpf. Der Flat ist langbeinig und elegant. Nachkommen können jede Zwischenform zeigen, auch ungünstige. Ein schwerer Rumpf auf kurzen Beinen belastet Gelenke und Rücken über die Jahre spürbar.

Aussehen und Fellfarben: Warum die schwarzen so häufig sind

Der Flat Coated Retriever kommt in Schwarz und Braun vor, wobei rund neun von zehn Flats schwarz sind. Der American Cocker Spaniel bringt eine große Farbpalette mit, darunter ebenfalls Schwarz. Weil Schwarz sich in der Vererbung gegenüber vielen anderen Farben durchsetzt, fallen in diesen Würfen überwiegend schwarze Welpen. Genau daher kommt der Verkaufsname Mini Black Retriever.

Daneben gibt es braune Welpen, gelegentlich helle bis goldfarbene, und Tiere mit weißen Abzeichen an Brust und Pfoten. Für einen Hund ohne Standard sind alle Farben gleich richtig, für die Vermarktung sind sie unterschiedlich attraktiv. Auffällige Farben lassen sich teurer verkaufen, und dieser Anreiz führt in der Hybridzucht regelmäßig dazu, dass Farbe wichtiger genommen wird als Gesundheit.

Das Fell zeigt eine dichte, weiche Unterwolle mit glattem oder leicht welligem Deckhaar darüber. Es kann die härtere, wasserabweisende Struktur des Flats haben oder das seidige Haar des American Cockers. Diese Unterscheidung ist wichtiger, als sie klingt, denn seidiges Cockerhaar verfilzt schnell und braucht deutlich mehr Pflege. Befederung an Ohren, Läufen und Rute ist die Regel, ebenso hängende Ohren mit langem Behang.

Charakter: Was Du erwarten kannst

Beide Elternrassen gelten als menschenbezogen, freundlich und arbeitswillig. Aus dieser Kombination entstehen in der Regel lebhafte, anhängliche Hunde, die gerne mit ihren Menschen kooperieren. Die amerikanischen Beschreibungen loben Aufgewecktheit, Verspieltheit und eine Energie, die fordernd bleibt, ohne zu überdrehen.

Soweit die Werbeseite. Verlässlicher ist der Blick auf das, was jede Elternrasse tatsächlich einbringt, denn ein Welpe kann jede Mischung daraus zeigen.

Das Erbe des Flat Coated Retrievers

Ich habe über Jahre mit Flat Coated Retrievern gearbeitet und mit ihnen im Dummysport bis in die höheren Klassen trainiert. Der Flat ist ein Hund, der lange jung bleibt. Mit drei Jahren steht oft noch ein Halbstarker vor Dir, der jede Trainingseinheit als Party versteht. Er ist arbeitsfreudig, hoch motiviert für alles, was mit Bringen zu tun hat, und er denkt eigenständig mit. Diese Eigenständigkeit unterscheidet ihn vom Labrador und macht das Training reizvoll und anspruchsvoll zugleich.

Der Flat braucht Kopfarbeit. Ein Spaziergang um den Block plus Ballwerfen führt bei ihm dazu, dass er sich seine Aufgaben selbst sucht, und seine Vorstellungen davon decken sich selten mit Deinen. Er hat außerdem eine ausgeprägte Nasenarbeit und Freude an Wasser.

Wenn Dein Mini Black Retriever diesen Anteil stark geerbt hat, bekommst Du einen kleinen Hund mit dem Beschäftigungsbedarf eines großen Arbeitshundes. Das ist für viele Käufer eine Überraschung, weil sie über die Größe gekauft haben und über den Kopf des Hundes gestolpert sind.

Das Erbe des American Cocker Spaniels

Der American Cocker Spaniel ist ein sensibler, sehr menschenbezogener Hund mit hoher Bindungsbereitschaft. Er lernt schnell und reagiert fein auf Stimmung und Körpersprache. Diese Feinfühligkeit verlangt ruhiges, gewaltfreies Training. Härte im Umgang beantwortet er mit Rückzug oder mit Unsicherheit.

Aus der Rasse sind zwei Themen bekannt, die Du im Blick behalten solltest. Zum einen die Ohren: Der lange, dicht behaarte Behang liegt eng am Kopf, darunter staut sich Wärme und Feuchtigkeit, und Ohrentzündungen gehören zu den häufigsten Vorstellungsgründen beim Tierarzt. Zum anderen die Augen, für die verschiedene erbliche Erkrankungen bekannt sind.

Beide Themen gibt der Cocker an seine Nachkommen weiter. Der Flat bringt seinerseits einen Ohrbehang mit. In der Kombination bleibt der Mix ein Kandidat für Ohrprobleme, und Du solltest die Ohrenkontrolle von Anfang an als festen Bestandteil der wöchentlichen Pflege einplanen.

Der direkte Vergleich zu den Elternrassen

Es hilft, die drei Hunde nebeneinanderzulegen, weil dann sichtbar wird, was der Mix wirklich verspricht.

Der Flat Coated Retriever steht bei 56 bis 64 Zentimetern und 27 bis 36 Kilo, hat ein glattes, glänzendes Fell in Schwarz oder Braun, bleibt bis ins Erwachsenenalter kindlich verspielt und arbeitet mit hoher Ausdauer. Seine Zucht wird von kleinen, gut vernetzten Verbänden getragen, die Gesundheitsdaten sammeln und veröffentlichen.

Der American Cocker Spaniel misst 34 bis 39 Zentimeter, wiegt sieben bis zwölf Kilo, trägt üppiges seidiges Haar und ist der sensiblere, anschmiegsamere der beiden. Sein Pflegeaufwand ist hoch, der Ohrbehang verlangt tägliche Aufmerksamkeit.

Der Mischling landet rechnerisch in der Mitte, tatsächlich aber irgendwo im gesamten Bereich dazwischen. Er kann das Fell des einen mit dem Rahmen des anderen kombinieren, was pflegeleicht ausfällt oder aufwendig, je nachdem, welche Anlagen sich durchsetzen. Genau diese Offenheit ist das, was Züchter mit gewachsenen Rassen über Generationen abgebaut haben: die Vorhersagbarkeit, mit der Du weißt, welcher Hund in zwei Jahren neben Dir läuft.

Wer den Charme eines kleinen schwarzen Retrievers sucht, bekommt beim Mix eine Chance darauf. Wer Verlässlichkeit in Größe, Fell, Wesen und Gesundheitsvorsorge sucht, findet sie bei den Elternrassen selbst.

Gesundheit: Was beide Seiten mitbringen

Beim Flat Coated Retriever steht ein Thema über allem: Krebs. In den amerikanischen Rassequellen wird etwa die Hälfte aller Todesfälle beim Flat auf Krebserkrankungen zurückgeführt, oft in jungen Jahren. Betroffen sind vor allem Weichteilsarkome und das Histiozytäre Sarkom. Verantwortungsvolle Flatzüchter arbeiten seit Jahren mit Gesundheitsdatenbanken, Todesursachenerfassung und Linienauswertung, um dieses Risiko zu verringern. Diese Arbeit gehört zum Anspruchsvollsten, was Rassehundezucht zu bieten hat.

Genau diese Arbeit fällt in der Hybridzucht weg. Wer einen Flat mit einem Cocker verpaart, kann keine Linienauswertung vorlegen, weil es keine Population gibt, über die man auswerten könnte. Die Krebsanlage verschwindet durch die Kreuzung nicht, sie wird lediglich unsichtbar.

Vom American Cocker Spaniel kommen Augenerkrankungen dazu, darunter die fortschreitende Netzhautverkalkung, Katarakt und Glaukom, außerdem eine Neigung zu Ohrentzündungen und in einigen Linien Autoimmunerkrankungen. Beide Rassen kennen Hüftgelenksdysplasie, der Flat zusätzlich Patellaprobleme in einzelnen Linien.

Sinnvoll wäre also, dass beide Elterntiere geröntgt sind, augenärztlich untersucht wurden und die für ihre Rasse üblichen Gentests vorliegen haben. Frag danach und lass Dir die Befunde zeigen. Bei den meisten Anbietern von Mini-Retrievern wird an dieser Stelle das Gespräch zäh, und dieses Zäh-Werden ist Deine wichtigste Information.

Der Mythos vom gesünderen Mischling

Ein Argument begegnet Dir auf fast jeder Anbieterseite: Mischlinge seien gesünder und robuster als Rassehunde. Ein deutscher Züchter der gelben Variante formuliert genau das, seine Hybridkreuzung sei meist gesünder und agiler als reine Rassehunde, die schon mal Probleme mit HD hätten.

Dahinter steht ein Effekt, den es tatsächlich gibt. Er heißt Heterosis und beschreibt, dass Nachkommen aus zwei getrennten Populationen weniger Erbkrankheiten zeigen, die auf reinerbigen Anlagen beruhen. Der Effekt wirkt allerdings nur unter zwei Bedingungen: Er wirkt in der ersten Generation, und er wirkt bei Krankheiten, für die zwei gleiche Anlagen zusammenkommen müssen.

Für den Alltag heißt das dreierlei. Erstens verschwinden Erkrankungen, an denen viele Gene beteiligt sind, durch Kreuzung nicht. Hüftgelenksdysplasie gehört dazu, Krebs ebenfalls. Zweitens bringt die Kreuzung zwei Krankheitslisten zusammen statt einer. Dein Hund trägt das Risikoprofil beider Rassen. Drittens verpufft der Effekt, sobald Hybriden untereinander verpaart werden, was in der zweiten und dritten Generation längst passiert.

Der entscheidende Punkt bleibt aber ein anderer: Gesundheit entsteht durch Auswahl, durch Untersuchung, durch das Aussortieren belasteter Linien über Jahrzehnte. Ein seriöser Flatzüchter legt Dir Röntgenbefunde, Augenuntersuchungen und Angaben zur Lebensdauer der Vorfahren vor. Wo diese Unterlagen fehlen, ersetzt der Hinweis auf den Mischlingsvorteil die Arbeit, die niemand gemacht hat.

Haart weniger und ist gut für Allergiker: zwei Verkaufsargumente im Test

In den amerikanischen Quellen wird als Zuchtziel genannt, einen kleineren Retriever zu bekommen, der weniger haart. Dieses Versprechen verdient eine nüchterne Betrachtung.

Der Flat Coated Retriever hat ein doppeltes Fell mit dichter Unterwolle und haart kräftig, besonders im Fellwechsel. Der American Cocker Spaniel haart ebenfalls, sein seidiges Haar fällt nur weniger auf, weil es sich in der Bürste sammelt statt auf dem Sofa. Aus zwei haarenden Rassen entsteht ein haarender Hund. Ein Fell, das kaum Haare verliert, kommt in dieser Kombination schlicht nicht vor, weil die Anlage dafür bei keinem Elternteil vorhanden ist.

Beim Thema Allergie kommt hinzu, dass Menschen auf Eiweiße in Speichel, Hautschuppen und Urin reagieren, nicht auf das Haar selbst. Selbst ein Hund mit wenig Haarverlust erzeugt diese Eiweiße. Wenn in Deiner Familie eine Allergie besteht, geht der Weg über einen Allergietest und über wiederholten, längeren Kontakt mit dem konkreten Hund, gerne über mehrere Besuche hinweg.

Erziehung und Auslastung

Zwei aufgeweckte Jagdhundrassen als Eltern ergeben einen Hund, der Aufgaben braucht. Rechne mit einem Tier, das gerne apportiert, gerne mit der Nase arbeitet und Wasser mag. Diese Anlagen sind ein Geschenk, wenn Du sie nutzt, und sie werden zur Last, wenn sie brachliegen.

Was gut passt:

Dummytraining ist die naheliegende Beschäftigung. Schon einfache Suchen im hohen Gras, Markierungen über kurze Entfernungen und der Aufbau eines sauberen Bringens füllen einen Hundekopf besser als jede Runde Ballwerfen. Für den kleineren Rahmen gibt es Dummys in leichteren Größen.

Nasenarbeit in allen Formen, von der Futtersuche im Garten über Gegenstandssuche bis zur Fährte, kostet wenig Aufwand und wirkt stark.

Ruhiges Aufbautraining für Rückruf und Anzeigeverhalten im Alltag, weil die jagdliche Veranlagung beider Elternrassen zuverlässig durchkommt.

Beim Umgang gilt die Feinfühligkeit des Cockers als Maßstab. Arbeite über Belohnung, kleinschrittig und mit klarem Aufbau. Harte Korrekturen erzeugen bei diesen Hunden Unsicherheit, die Du anschließend mühsam wieder abbaust.

Plane außerdem Ruhe ein. Ein junger Retrievermix kann sich in Bewegung hineinsteigern, bis er den ganzen Tag unter Strom steht. Feste Ruhezeiten im Körbchen gehören von Anfang an zum Programm, genauso selbstverständlich wie die Spaziergänge.

Die ersten Monate mit einem Mini Black Retriever

Weil bei diesem Mix zwei aufgeweckte Jagdhundrassen zusammenkommen, entscheidet das erste halbe Jahr besonders viel. Zwei Dinge stehen dabei im Vordergrund.

Das erste ist die Bindung. Beide Elternrassen suchen den Kontakt zum Menschen von sich aus, das kannst Du nutzen. Geh in den ersten Wochen viel in ruhige Umgebungen, warte ab, bis der Welpe sich zu Dir orientiert, und belohne dieses Herschauen großzügig. Ein Hund, der gelernt hat, dass sich der Blick zum Menschen lohnt, bleibt später auch dann ansprechbar, wenn eine Fährte quer über den Weg läuft.

Das zweite ist der Umgang mit Reizen. Ein Welpe, der Autos, Zugverkehr, andere Hunde, Kinder, glatte Böden und Treppen in kleinen Portionen kennenlernt, wächst souverän auf. Der Cockeranteil bringt Feinfühligkeit mit, deshalb dosierst Du in kleinen Schritten und gibst nach jeder neuen Erfahrung Zeit zum Verarbeiten.

Das Bringen kannst Du früh spielerisch aufbauen. Roll ein zusammengeknotetes Socken- oder Leckerlisäckchen über den Boden, freu Dich über jedes Aufnehmen und lauf begeistert ein paar Schritte rückwärts, damit der Welpe zu Dir kommt. Aus diesem Spiel entsteht später das saubere Apportieren, ohne dass Du je Druck brauchst.

Plane von Anfang an feste Schlafzeiten. Junge Hunde dieser Kombination drehen leicht auf, und aus Übermüdung entsteht Hektik, die viele Halter für Energieüberschuss halten und mit noch mehr Bewegung beantworten. Ruhe im Körbchen ist an dieser Stelle die wirksamere Antwort.

Pflege im Alltag

Bürsten solltest Du zwei- bis dreimal pro Woche, im Fellwechsel täglich. Achte besonders auf die Stellen hinter den Ohren, in den Achseln und an den Hosen, dort entstehen Verfilzungen zuerst. Wenn Dein Hund das seidige Cockerhaar geerbt hat, brauchst Du einen guten Kamm zusätzlich zur Bürste und mehr Geduld.

Die Ohren kontrollierst Du einmal pro Woche. Heb den Behang an, schau hinein und riech daran. Ein süßlicher oder strenger Geruch, Rötung oder dunkles Sekret gehören in tierärztliche Hände. Nach jedem Schwimmen trocknest Du die Ohren vorsichtig aus.

Die Krallen, die Zähne und die Zwischenzehenbereiche laufen im üblichen Rhythmus mit. Baden ist selten nötig, alle zwei bis drei Monate reicht bei normaler Verschmutzung völlig aus.

Preis: Was ein Mini Black Retriever kostet

Für Designerhunde dieser Art werden im deutschsprachigen Raum 1.000 bis über 2.000 Euro aufgerufen. Zum Vergleich kostet ein Welpe aus einer VDH-Zucht bei Labrador oder Golden Retriever etwa 1.200 bis 1.600 Euro, mit Zuchtbuch, Papieren, Untersuchungen der Elterntiere und einem Verband im Rücken, an den Du Dich im Streitfall wenden kannst.

Beim Hybridwelpen zahlst Du in vielen Fällen mehr für weniger Absicherung. Das ist der Kern des Geschäfts: Der Neuheitswert und die Aussicht auf einen kleinen Retriever tragen den Preis, während Zuchtbuch, Standard und Verbandskontrolle entfallen.

Ein Detail verdient dabei besondere Aufmerksamkeit. Bei Verpaarungen zwischen Rassen mit deutlichem Größenunterschied wird regelmäßig künstlich besamt, weil der natürliche Deckakt schwierig oder für die Hündin belastend ist. Kritische Stimmen aus dem Bereich Welpenkauf beschreiben genau dieses Vorgehen für die Mini-Retriever-Zucht. Frag beim Anbieter offen nach, wie die Verpaarung zustande gekommen ist. Die Antwort sagt viel über die Haltung zur Hündin aus.

Woran Du einen verantwortungsvollen Anbieter erkennst

Wenn Du Dich trotz aller Einwände für diesen Mix entscheidest, gelten dieselben Maßstäbe wie bei jedem Welpenkauf. Achte auf folgende Punkte:

Du siehst die Mutterhündin gemeinsam mit den Welpen, in der Umgebung, in der sie aufwachsen. Die Hündin wirkt ruhig, gepflegt und zugewandt gegenüber ihren Welpen.

Der Anbieter legt Dir Röntgenbefunde zu Hüften und Ellenbogen beider Elterntiere vor, dazu aktuelle Augenuntersuchungen und die für Flat und American Cocker üblichen Gentests.

Er nennt Dir Alter und Todesursachen in den Vorfahrengenerationen, gerade beim Flat-Anteil wegen des Krebsthemas.

Er stellt Dir Fragen. Wer wissen will, wie Du lebst, wie viel Zeit Du hast und was Du mit dem Hund vorhast, denkt über den Verkauf hinaus.

Die Welpen wachsen im Haus auf, sind sauber, gut genährt, neugierig und haben in acht Wochen Autos, Staubsauger, Besuch und verschiedene Untergründe kennengelernt.

Er nimmt den Hund zurück, wenn es bei Dir aus irgendeinem Grund scheitert.

Vorsicht ist geboten, wenn mehrere verschiedene Kreuzungen gleichzeitig angeboten werden, wenn die Übergabe auf einem Parkplatz stattfinden soll, wenn Welpen jünger als acht Wochen abgegeben werden oder wenn die Gesundheitsfrage mit dem Hinweis auf die robusten Mischlinge beantwortet wird.

Die ehrlichen Alternativen

Wenn Du eigentlich einen kleineren Retriever suchst, lohnt der Blick auf Rassen, die genau das seit Generationen leisten, mit Zuchtbuch, festgelegtem Standard und untersuchten Elterntieren.

Der Nova Scotia Duck Tolling Retriever ist der kleinste der anerkannten Retriever und wird häufig für einen kleinen Golden gehalten. Er ist intelligent, arbeitsfreudig und temperamentvoll, dabei sensibel und mit ausgeprägtem Willen zur Zusammenarbeit. Für Menschen, die Dummyarbeit machen möchten, ist er eine echte Empfehlung, allerdings mit hohem Beschäftigungsbedarf.

Der englische Cocker Spaniel bringt Fröhlichkeit und Arbeitsfreude in kompaktem Format mit und ist in seiner Zucht deutlich breiter aufgestellt als der amerikanische Verwandte.

Der Kleine Münsterländer bleibt bei etwa 50 bis 56 Zentimetern, arbeitet vielseitig und apportiert mit Begeisterung. Er richtet sich klar an jagdlich geführte Hände oder an Menschen mit viel Zeit für Kopfarbeit.

Der Field Spaniel ist selten, ruhiger als der Cocker, schwarz oder braun und optisch dem nahe, was viele beim Mini Black Retriever suchen.

Und wenn Dich das Aussehen anzieht, schau in den Tierschutz. Schwarze mittelgroße Hunde mit Schlappohren und Retrieveranteil sitzen in großer Zahl in Tierheimen und auf Pflegestellen. Dort siehst Du den erwachsenen Hund, kennst seine Größe und erfährst seinen Charakter, statt auf ein Ergebnis zu hoffen.

Für wen dieser Hund passt

Ein Chatham Hill Retriever passt zu Menschen, die ohnehin einen aktiven Hund wollten, die mit einer Größenspanne leben können, die täglich Zeit für Kopfarbeit haben und die bereit sind, Gesundheitsrisiken aus zwei Rassen zu tragen, ohne dass ihnen jemand Zahlen dazu liefern kann.

Wer dagegen wegen der geringen Größe kauft, wegen des Versprechens vom haarfreien Sofa oder wegen der Vorstellung, ein Retriever im Kleinformat sei automatisch ein bequemer Hund, wird sich wundern. Der Kopf dieses Hundes ist genauso groß wie der eines Flats, seine Bedürfnisse sind es ebenso.

Häufige Fragen

Ist der Chatham Hill Retriever eine anerkannte Rasse?

Er gilt als Hybridhund, also als geplanter Mischling. Geführt wird er in privaten Datenbanken für Designerhunde. FCI, VDH und AKC führen ihn als eigenständige Rasse bislang nicht.

Wie groß und schwer wird ein Mini Black Retriever?

Angestrebt werden 40 bis 50 Zentimeter Schulterhöhe und 12 bis 20 Kilo. In der ersten Generation streuen die Nachkommen stark, einzelne Hunde erreichen deutlich mehr und kommen dem Format des Flat Coated Retrievers nahe.

Wie alt wird dieser Mix?

Angegeben werden zehn bis vierzehn Jahre. Belastbare Zahlen fehlen, weil die Population klein ist und niemand sie systematisch erfasst. Das Krebsrisiko aus der Flat-Linie kann die Lebenserwartung deutlich beeinflussen.

Haart der Mini Black Retriever wenig?

Er haart wie andere Hunde mit doppeltem Fell, mit deutlichem Fellwechsel im Frühjahr und Herbst. Beide Elternrassen verlieren Haare, deshalb tut es der Nachwuchs ebenfalls.

Eignet er sich für Allergiker?

Allergische Reaktionen richten sich gegen Eiweiße in Speichel und Hautschuppen. Der Weg führt über einen Allergietest und über mehrfachen, längeren Kontakt mit dem konkreten Hund.

Was kostet ein Welpe?

Üblich sind 1.000 bis über 2.000 Euro. Zum Vergleich liegt ein Welpe aus geprüfter VDH-Zucht bei Labrador oder Golden Retriever bei etwa 1.200 bis 1.600 Euro, inklusive Papieren und Untersuchungen der Elterntiere.

Ist er ein guter Familienhund?

Er bringt Freundlichkeit und Menschenbezug aus beiden Elternrassen mit. Dazu kommt ein hoher Beschäftigungsbedarf. In einer aktiven Familie mit Zeit für tägliche Kopfarbeit fühlt er sich wohl.

Gibt es diesen Mix auch in Deutschland?

Die schwarze Variante wird hier selten angeboten. Verbreiteter ist die gelbe Version unter Mini Labrador oder Mini Golden Retriever, die nach demselben Prinzip mit dem American Cocker Spaniel entsteht. In Vermittlungsanzeigen tauchen entsprechende Mischlinge regelmäßig auf.

Wie viel Bewegung braucht er?

Zwei bis drei ausgedehnte Runden täglich plus gezielte Beschäftigung für den Kopf. Nasenarbeit und Dummytraining wirken dabei stärker als reine Laufstrecke.

Verträgt er sich mit Katzen und anderen Hunden?

Beide Elternrassen gelten als sozial verträglich. Wie gut das im Einzelfall klappt, hängt vor allem an der Sozialisierung in den ersten Monaten und am ruhigen Aufbau der Begegnungen.

Wie hoch ist der Jagdtrieb?

Beide Eltern sind Jagdhunde, der eine für die Arbeit nach dem Schuss, der andere für das Stöbern. Rechne mit einer klaren jagdlichen Veranlagung und baue den Rückruf entsprechend gründlich auf.

Warum heißt er ausgerechnet Chatham Hill Retriever?

Der Name stammt aus den amerikanischen Hybriddatenbanken und verweist vermutlich auf einen Ortsnamen. Eine belegte Entstehungsgeschichte dazu gibt es bislang nicht, weshalb parallel die Verkaufsnamen Mini Black Retriever und Black Mini Retriever gebräuchlich sind.

Kann ich mit ihm Dummytraining machen?

Ja, und es ist die beste Wahl für diesen Hund. Beide Elternrassen tragen gerne, der Retrieveranteil bringt die Freude am Bringen mit, der Spanielanteil die Nasenarbeit. Für den kleineren Rahmen nimmst Du leichtere Dummys.

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