Sind Doodles gesünder als reinrassige Hunde

Doodle oder Rassehund? Was zwei große Studien über Verhalten und Gesundheit verraten

Goldendoodle, Labradoodle, Cockapoo, Cavapoo – die Pudel-Mischlinge sind seit Jahren die Lieblinge auf Hundewiese und Instagram. Verkauft werden sie mit einem verlockenden Versprechen: leicht zu erziehen, gut mit Kindern, robuster als reinrassige Hunde und dazu noch haararm. Zwei Fragen stellen sich fast alle, die über so einen Hund nachdenken. Verhält sich ein Doodle wirklich ausgeglichener als seine reinrassigen Eltern? Und ist er tatsächlich gesünder? Genau das haben sich zwei umfangreiche Studien angesehen – eine mit Blick auf das Verhalten, eine mit Blick auf die Gesundheit. Und die Ergebnisse räumen mit ein paar liebgewonnenen Annahmen auf.

Das Verhalten: Goldendoodle und Labradoodle unter der Lupe

Die erste Studie stammt von einem Forschungsteam der Universität Guelph in Kanada und der Universität Pennsylvania (Shouldice und Kollegen, 2019). Grundlage waren die Angaben von 5141 Hundehaltern aus aller Welt, die einen wissenschaftlich erprobten Fragebogen zum Hundeverhalten ausgefüllt hatten (den sogenannten C-BARQ). Verglichen wurden Goldendoodle und Labradoodle mit ihren Ausgangsrassen: Golden Retriever, Labrador Retriever sowie Groß- und Zwergpudel. Insgesamt ging es um vierzehn Verhaltensbereiche, von Trainierbarkeit über Ängstlichkeit bis Aggression.

Die Erwartung war einfach: Eine Kreuzung aus erster Generation sollte im Wesen ungefähr in der Mitte zwischen ihren beiden Elternrassen liegen. Das bestätigte sich meistens auch – aber eben nicht immer.

Der Labradoodle schnitt dabei erstaunlich unauffällig ab. Er unterschied sich in fast keinem Bereich deutlich von seinen Eltern. Der einzige klare Ausreißer war die Rivalität gegenüber anderen Hunden im eigenen Haushalt – und selbst dieser Unterschied ging eigentlich auf das Konto des Zwergpudels, der hier auffällig hoch lag.

Der Goldendoodle fiel dagegen stärker aus dem Rahmen. Er zeigte im Schnitt mehr Aggression gegenüber fremden Hunden als alle drei Vergleichsrassen, dazu mehr Angst vor fremden Hunden und mehr Angst vor fremden Menschen. Das ist bemerkenswert, weil ausgerechnet der Golden Retriever als besonders menschenfreundlich und gelassen gilt. Beim Goldendoodle trat diese Freundlichkeit also nicht einfach durch.

Eine eigene Rolle spielte durchgehend der Zwergpudel. Er hatte die höchsten Werte bei Hunderivalität, bei der Angst vor Geräuschen und unbekannten Objekten, bei der Berührungsempfindlichkeit und beim Trennungsstress. Woran das liegt, führt zu einem spannenden Detail: Für die Körpergröße von Hunden ist unter anderem das Gen IGF1 verantwortlich. Kleine Hunde haben niedrige IGF1-Werte – und niedrige Werte werden mit mehr Ängstlichkeit, mehr Reaktivität und höherer Berührungsempfindlichkeit in Verbindung gebracht. Ob in einem Doodle also ein Zwerg- oder ein Großpudel steckt, könnte das Wesen spürbar mitprägen. Für die Studie war das nicht nachprüfbar, weil zu den Hunden keine Abstammungsnachweise vorlagen.

Ein zweiter Erklärungsansatz betrifft die Zucht: Der Golden Retriever gehört zu den genetisch am stärksten verengten Rassen. Beim Goldendoodle könnte deshalb der Effekt des „frischen Blutes“ stärker wirken und größere Verhaltensunterschiede erzeugen als beim Labradoodle, dessen Labrador-Elternteil genetisch breiter aufgestellt ist.

Wichtig für die Einordnung: Alle Daten stammen aus Halterangaben, es gab keine Stammbäume, und die Zahl der Doodles war im Vergleich zu den reinrassigen Hunden eher klein. Die Ergebnisse zeigen also Tendenzen, keine ehernen Gesetze.

Die Gesundheit: Sind Doodles wirklich robuster?

Die zweite Studie kommt vom Royal Veterinary College in Großbritannien (Bryson und Kollegen, 2024). Sie ist noch größer angelegt: 9402 Hunde, alle jünger als fünf Jahre. Verglichen wurden Cavapoo, Cockapoo und Labradoodle mit ihren Ausgangsrassen – Cavalier King Charles Spaniel, Cocker Spaniel, Labrador Retriever und Pudel. Die Halter machten Angaben zu 57 verschiedenen Erkrankungen, woraus sich 342 einzelne Vergleiche ergaben.

Und schließlich gibt es eine ganz bodenständige Erklärung. Kleine Hunde werden von uns Menschen oft anders behandelt: weniger konsequent erzogen, seltener wirklich trainiert, und problematisches Verhalten wird eher hingenommen, weil ein kleiner Hund weniger Schaden anrichtet. Auch das prägt am Ende, wie ausgeglichen ein Hund wird.

Das Kernergebnis ist deutlich: In 86,6 Prozent aller Vergleiche gab es keinen Unterschied zwischen Mischling und Elternrasse. Bei rund sieben Prozent hatte der Doodle ein höheres Erkrankungsrisiko, bei rund sechs Prozent ein niedrigeres. Vor- und Nachteile hielten sich also fast die Waage. Unterm Strich heißt das: Der viel beschworene „Hybridvorteil“ – die Idee, dass Mischlinge grundsätzlich gesünder sind – ließ sich hier nicht belegen. Genauso wenig gilt aber das Gegenteil. Die Doodles waren im Schnitt nicht kränker als ihre reinrassigen Eltern, sondern schlicht ähnlich gesund.

Ein paar Muster stachen trotzdem heraus. Alle drei Kreuzungen hatten häufiger Magen-Darm-Themen als der Pudel: das Fressen von Unrat, Erbrechen und Durchfall. Das dürfte am jeweils anderen Elternteil liegen – Labrador und Cocker Spaniel sind für empfindliche Verdauung bekannt.

Auffällig war auch die Haut- und Ohrengesundheit. Der Cockapoo hatte häufiger Juckreiz als beide Elternrassen. Und alle drei Doodles litten häufiger an Ohrenentzündungen als ihr jeweils nicht-pudeliger Elternteil. Die Erklärung liegt vermutlich in der typischen Ausstattung: Schlappohren, ein stark behaarter Gehörgang und dichtes, lockiges Fell schließen Wärme und Feuchtigkeit im Ohr ein – ein idealer Nährboden für Infektionen. Wenn also ausgerechnet das begehrte lockige Doodle-Fell zu Ohrproblemen beiträgt, wird hier Optik gegen Gesundheit gezüchtet. Ein Punkt, den man kennen sollte.

Es gab aber auch echte Pluspunkte. Labradoodle und Cockapoo hatten seltener Patellaluxation, also herausspringende Kniescheiben, als der Pudel. Und der Labradoodle hatte seltener Hüft- oder Ellbogendysplasie und weniger Lahmheiten als der Labrador. An einzelnen Stellen zeigte sich ein Kreuzungsvorteil also durchaus – nur eben nicht über die ganze Linie.

Auch hier lohnt der Blick auf die Grenzen: Untersucht wurden nur Hunde unter fünf Jahren. Typische Alterserkrankungen wie Krebs könnten sich im höheren Alter anders verteilen und wurden hier gar nicht erfasst. Außerdem wurden die verschiedenen Pudelgrößen zu einer Gruppe zusammengefasst, obwohl sie sich gesundheitlich unterscheiden.

Was bedeutet das für die Wahl des Hundes?

Beide Studien räumen mit demselben Mythos auf: Ein Doodle ist nicht automatisch der gesündere und ausgeglichenere Hund. Beim Verhalten liegt er meist zwischen seinen Eltern, kann aber – wie der Goldendoodle zeigt – auch einmal auffälliger sein als beide. Bei der Gesundheit ist er im Durchschnitt weder besser noch schlechter aufgestellt als seine reinrassigen Verwandten.

Die Forschenden ziehen daraus eine sehr praktische Schlussfolgerung. Die Entscheidung für einen Hund sollte nicht an der Hoffnung „Mischling ist gesünder und pflegeleichter“ hängen, sondern an dem, was wirklich zählt: eine seriöse Aufzucht, die Gesundheit und das Wesen der Elterntiere, gute Haltungsbedingungen und der Charakter des einzelnen Welpen. Wer sich bewusst für einen Doodle entscheidet, sollte die typischen Baustellen kennen und einplanen – regelmäßige Fellpflege, Kontrolle der Ohren, ein Auge auf die Verdauung. Und beim Goldendoodle lohnt es sich, den Umgang mit anderen Hunden von klein auf gut zu begleiten.

Zum Schluss ein hübscher Gedanke, den die Gesundheitsstudie mitliefert. Viele unserer heutigen „echten“ Rassen waren selbst einmal Designerkreuzungen. Der Golden Retriever etwa entstand aus dem Flat Coated Retriever und dem heute ausgestorbenen Tweed Water Spaniel. Der Unterschied zwischen anerkannter Rasse und modischem Doodle ist am Ende oft nur eine Frage der Zeit – und der Frage, wie sorgfältig gezüchtet wird.

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