Welpen, Junghund und Pubertät

Hundeerziehung bei Welpen, Junghunden und in der Pubertät

Hundeerziehung beginnt nicht erst dann, wenn ein Hund Probleme macht. Sie beginnt vom ersten Tag an. Allerdings braucht ein Welpe eine andere Form von Erziehung als ein Junghund, und ein pubertierender Hund wiederum stellt seinen Menschen oft vor ganz neue Herausforderungen.

Das liegt nicht daran, dass der Hund plötzlich „stur“ oder schlecht erzogen ist. Entwicklung verändert Verhalten. Aufmerksamkeit, Selbstkontrolle, Belastbarkeit und Motivation sind je nach Alter sehr unterschiedlich.

Deshalb lohnt es sich, die Hundeerziehung immer an die jeweilige Entwicklungsphase anzupassen.

Hundeerziehung beim Welpen

Bei einem Welpen geht es zunächst nicht um perfekte Kommandos.

Viel wichtiger sind Sicherheit, Orientierung und gute Gewohnheiten.

Ein Welpe muss erst lernen, wie die Welt funktioniert. Neue Menschen, Geräusche, Autos, andere Hunde, fremde Böden, Tierarzt, Bürste, Autofahren und Alleinbleiben – all das ist neu.

Die wichtigste Aufgabe besteht deshalb darin, den Welpen behutsam an seinen Alltag heranzuführen.

Natürlich kannst du schon erste Signale wie Sitz, Rückruf oder ein Abbruchsignal aufbauen. Die Trainingseinheiten sollten jedoch kurz bleiben.

Ein Welpe kann sich nur begrenzt konzentrieren.

Fünf gute Wiederholungen sind oft mehr wert als zwanzig Wiederholungen, bei denen der Hund längst gedanklich ausgestiegen ist.

Besonders wichtig sind beim Welpen außerdem Ruhe und Schlaf.

Viele junge Hunde werden nicht deshalb wild, weil sie zu wenig ausgelastet sind, sondern weil sie übermüdet sind.

Ein Welpe muss nicht permanent beschäftigt werden.

Was sollte ein Welpe möglichst früh lernen?

Ein paar Dinge sind im Alltag besonders wertvoll.

Dazu gehören ein positiver Rückruf, das entspannte Anleinen, kurze Ruhephasen, Stubenreinheit, vorsichtige Gewöhnung an das Alleinbleiben und ein vernünftiger Umgang mit Frust.

Auch Beißhemmung und das Abgeben von Gegenständen spielen eine wichtige Rolle.

Gerade beim Rückruf lohnt es sich, früh großzügig zu belohnen. Ein Welpe kommt meistens noch sehr gerne freiwillig zurück. Diese Phase sollte man nutzen.

Je besser der Rückruf jetzt aufgebaut wird, desto leichter wird das Training später.

Hundeerziehung beim Junghund

Der Übergang vom Welpen zum Junghund passiert schleichend.

Plötzlich wird der Hund selbstständiger. Die Umwelt wird interessanter und der Mensch ein kleines bisschen weniger wichtig.

Gerüche, andere Hunde und Bewegungsreize gewinnen an Bedeutung.

Genau jetzt zeigt sich, wie gut die Grundlagen wirklich sitzen.

Beim Junghund geht es vor allem darum, bekannte Signale unter mehr Ablenkung zu festigen.

Der Hund kann Sitz vielleicht perfekt im Wohnzimmer. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass es auf einer Wiese neben spielenden Hunden funktioniert.

Training muss deshalb schrittweise in den Alltag übertragen werden.

Der Junghund braucht klare Regeln

Jetzt lohnt es sich besonders, konsequent zu bleiben.

Damit ist keine Härte gemeint.

Konsequenz bedeutet, dass Regeln verständlich und zuverlässig sind.

Wenn der Hund heute auf das Sofa darf, morgen nicht, übermorgen wieder doch und anschließend dafür geschimpft wird, kann er kaum verstehen, was eigentlich erwartet wird.

Dasselbe gilt beim Ziehen an der Leine, Anspringen, Betteln oder Hundekontakten.

Je klarer der Alltag ist, desto leichter kann sich ein junger Hund orientieren.

Pubertät beim Hund: Plötzlich ist alles anders

Dann kommt die Phase, in der viele Hundehalter kurz an ihrer eigenen Erziehungskompetenz zweifeln.

Der Rückruf funktioniert schlechter. Der Hund reagiert stärker auf andere Hunde. Er diskutiert scheinbar über bekannte Regeln, wird schneller aufgeregt oder entdeckt plötzlich Ängste, die vorher kein Thema waren.

Willkommen in der Pubertät.

Während dieser Entwicklungsphase verändert sich im Gehirn des Hundes einiges. Verhalten kann schwanken, Konzentration wird schwieriger und Reize bekommen teilweise eine enorme Bedeutung.

Das bedeutet nicht, dass der Hund alle Kommandos vergessen hat.

Er kann sie in bestimmten Situationen schlicht schlechter abrufen.

In der Pubertät nicht alles neu erfinden

Ein häufiger Fehler besteht darin, jetzt immer härter oder immer komplizierter zu trainieren.

Oft ist das Gegenteil sinnvoller.

Zurück zu den Grundlagen.

Trainiere bekannte Signale wieder mit etwas weniger Ablenkung. Sichere den Rückruf notfalls mit einer Schleppleine ab. Verlange nicht täglich Höchstleistungen.

Ein pubertierender Hund braucht weiterhin klare Regeln, aber auch faire Anforderungen.

Wenn ein Signal heute unter starker Ablenkung nicht funktioniert, heißt das nicht automatisch, dass der Hund dich absichtlich ignoriert.

Vielleicht war die Situation einfach zu schwierig.

Gerade jetzt lohnt sich Management

Management wird in der Hundeerziehung manchmal unterschätzt.

Dabei verhindert es, dass sich unerwünschtes Verhalten immer wieder selbst belohnt.

Wenn dein Hund während der Pubertät plötzlich jedem Hasen hinterherläuft, solltest du nicht darauf hoffen, dass der Rückruf schon irgendwie funktioniert.

Dann kommt die Schleppleine dran.

Wenn Hundebegegnungen plötzlich schwierig werden, vergrößerst du zunächst den Abstand.

Wenn dein Hund Besucher ständig anspringt, sorgst du dafür, dass er das Verhalten nicht zwanzigmal am Tag üben kann.

Management ersetzt Training nicht.

Es schafft aber überhaupt erst die Voraussetzungen dafür.

Ruhe bleibt in allen Entwicklungsphasen wichtig

Ob Welpe, Junghund oder pubertierender Hund – Ruhe ist ein zentraler Teil guter Hundeerziehung.

Ein übermüdeter Hund lernt schlechter, reagiert schneller gereizt und kann seine Impulse schlechter kontrollieren.

Gerade junge Hunde brauchen deshalb nicht permanent Programm.

Spaziergang, Hundeschule, Suchspiel, Besuch, Stadttraining und anschließend noch Action zu Hause können schnell zu viel werden.

Entwicklung braucht auch Pausen.

Ein Hund muss lernen, dass Alltag nicht bedeutet, dass ständig etwas Spannendes passiert.

Nicht jeder Rückschritt ist ein echtes Problem

Hunde entwickeln sich nicht geradlinig.

Es gibt Phasen, in denen etwas hervorragend funktioniert, und Wochen später wirkt es plötzlich schlechter.

Das ist besonders bei jungen Hunden normal.

Entscheidend ist, nicht jedes kleine Problem sofort riesig zu machen.

Bleib bei den Grundlagen. Passe die Schwierigkeit an. Verhindere unnötige Misserfolge und belohne das Verhalten, das du sehen möchtest.

Mit zunehmender Reife wird vieles wieder stabiler.

Was sich durch alle Altersphasen zieht

Gute Hundeerziehung basiert letztlich immer auf denselben Dingen:

Der Hund muss verstehen, was von ihm erwartet wird.

Er braucht klare und faire Regeln.

Training muss zur jeweiligen Situation passen.

Gutes Verhalten sollte sich lohnen.

Und Anforderungen müssen so gestellt werden, dass der Hund überhaupt eine Chance hat, sie zu erfüllen.

Ein Welpe braucht vor allem Orientierung und Sicherheit.

Ein Junghund braucht Übung und klare Strukturen.

Ein pubertierender Hund braucht Geduld, Konsequenz und manchmal einen kleinen Schritt zurück im Training.

Das Ziel ist in keiner Phase ein perfekt funktionierender Hund.

Das Ziel ist ein Hund, der Schritt für Schritt lernt, sich in unserer Welt zurechtzufinden und seinem Menschen auch dann vertrauen kann, wenn das eigene Gehirn gerade andere Pläne hat.

Mehr von mir