Passgang beim Hund

Passgang beim Hund: Ursachen und was Du dagegen tun kannst

Dein Hund läuft neben Dir, und irgendetwas sieht seltsam aus. Er wirkt schaukelnd, ein bisschen wie ein Kamel, der Rücken wippt seitlich. Was Du siehst, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Passgang.

Für die meisten Hundehalter ist das eine Beobachtung ohne Folgen. Im Ausstellungsring ist es ein Problem, weil ein passender Hund kein beurteilbares Gangwerk zeigt. Und in seltenen Fällen ist es ein Hinweis auf etwas, das man abklären sollte.

Dieser Beitrag erklärt, was Passgang ist, welche Ursachen dahinterstecken, wie Du in drei Minuten herausfindest, welche davon bei Deinem Hund zutrifft, und was Du konkret tun kannst.

Die kurze Antwort

Passgang ist eine Gangart, bei der die gleichseitigen Beinpaare gemeinsam gesetzt werden: rechts vorn und rechts hinten zusammen, dann links vorn und links hinten zusammen. Im Trab bewegen sich dagegen die diagonalen Beinpaare gemeinsam, mit einer kurzen Schwebephase dazwischen.

Die häufigste Ursache ist falsches Tempo. Seltener sind Erschöpfung oder Baueigenschaften des Hundes. Wenn ein Hund in jedem Tempo passt, ist das ein Befund und kein Trainingsproblem.

Trab, Passgang und Schritt im Vergleich

Um Passgang zu erkennen, hilft ein kurzer Blick auf die Gangarten.

Im Schritt setzt der Hund die Beine nacheinander, es sind immer mindestens zwei, meist drei Beine am Boden. Der Schritt ist langsam und stabil.

Im Trab bewegen sich diagonale Beinpaare gemeinsam. Vorderbein links und Hinterbein rechts schwingen zusammen nach vorn, dann die andere Diagonale. Dazwischen liegt eine kurze Schwebephase, in der kein Bein den Boden berührt. Der Trab ist die Gangart, in der der Körperbau eines Hundes am besten sichtbar wird, und deshalb die Gangart, die im Ring beurteilt wird.

Im Passgang bewegen sich die gleichseitigen Beinpaare gemeinsam. Der Schwerpunkt verlagert sich dabei bei jedem Schritt seitlich, weil beide Stützbeine auf derselben Körperseite stehen. Genau daher kommt das schaukelnde Bild.

Ein Zwischending gibt es auch: den sogenannten Passschritt oder Amble, eine Art unsauberer Übergang zwischen Schritt und Trab, bei dem gleichseitige Beine fast, aber nicht ganz gleichzeitig setzen. Viele Hunde durchlaufen ihn beim Beschleunigen für ein paar Schritte.

Ist Passgang schlimm?

Für einen Familienhund im Alltag: in aller Regel nicht. Passgang ist keine Krankheit. Er ist eine Fortbewegungsart, die viele Vierbeiner beherrschen und die für den Körper in bestimmten Situationen sogar günstig ist, weil sie weniger Energie kostet als ein sauberer Trab.

Problematisch ist Passgang in drei Zusammenhängen:

Im Ausstellungsring, weil der Richter am Trab beurteilt, ob das Gebäude funktioniert. Ein Hund, der passt, zeigt kein beurteilbares Gangwerk. Das kostet Formwert.

Als Dauerzustand, weil ein Hund, der in jedem Tempo und auf jedem Untergrund passt, dafür einen Grund hat. Dieser Grund kann harmlos in seinem Körperbau liegen, oder er kann Schmerz sein.

Bei plötzlichem Auftreten, wenn ein Hund vorher sauber getrabt ist und es auf einmal nicht mehr tut.

Alles andere ist Beobachtung, nicht Sorge.

Ursache 1: das falsche Tempo

Das ist mit Abstand die häufigste Erklärung, und sie hat nichts mit dem Hund zu tun, sondern mit dem Menschen am anderen Ende der Leine.

Jeder Hund hat einen Tempobereich, in dem der Trab für ihn bequem ist. Läufst Du langsamer als dieses Fenster, ist der Trab für ihn zu träge, der Schritt aber zu langsam. Der Passgang liegt dann energetisch dazwischen und ist die naheliegende Lösung. Läufst Du schneller, als sein Körperbau erlaubt, drängt ihn das ebenfalls aus dem Trab heraus.

Zu langsam lässt einen Hund schlurfen, zu schnell zwingt ihn in einen unnatürlichen Bewegungsablauf oder in den Passgang.

Das erklärt eine Beobachtung, die viele machen: Derselbe Hund passt neben dem gemütlich schlendernden Partner und trabt sauber neben der zügig gehenden Halterin. Nicht der Hund hat sich geändert, sondern das Tempo.

Ursache 2: Erschöpfung und fehlende Kondition

Passgang kostet weniger Kraft als Trab. Ein müder Hund fällt deshalb hinein, so wie ein müder Mensch schlurft.

Typisch ist das am Ende einer langen Runde, nach dem zweiten Laufmuster im Ring oder gegen Ende eines langen Ausstellungstages. Wenn Dein Hund die ersten zwanzig Minuten sauber trabt und danach zunehmend passt, ist Kondition die wahrscheinlichste Erklärung.

Das gilt auch für Hunde, die im Alltag wenig gleichmäßige Bewegung bekommen. Ein Hund, der viel schnüffelt, viel steht und selten über längere Strecken im gleichmäßigen Trab läuft, hat die Muskulatur dafür schlicht nicht aufgebaut.

Ursache 3: der Körperbau

Manche Hunde neigen aus anatomischen Gründen zum Passgang. Das betrifft vor allem drei Konstellationen.

Lange Rücken bei kurzen Beinen. Der Hund muss verhindern, dass die Hinterpfoten in die Vorderpfoten greifen. Passgang ist eine Möglichkeit, das zu umgehen.

Unterschiedliche Winkelung von Vor- und Hinterhand. Wenn die Hinterhand deutlich mehr Schub liefert, als die Vorhand an Raumgriff aufnehmen kann, gerät der Hund in Konflikt mit sich selbst und weicht in den Passgang aus.

Rassetypische Neigung. In einzelnen Rassen gehört ein Passschritt bei niedrigem Tempo zum gewohnten Bild und ist im Rassestandard beschrieben. Was für Deine Rasse gilt, steht im Standard, den Dein Rassezuchtverein veröffentlicht.

Wenn der Körperbau die Ursache ist, lässt sich das mit Training nicht wegtrainieren. Was Du beeinflussen kannst, ist das Tempo, in dem der Hund am besten aussieht, und die Muskulatur, die ihn dabei trägt.

Ursache 4: Schmerz oder ein orthopädisches Problem

Das ist die Ursache, die selten zutrifft und deshalb umso wichtiger ist, sie nicht zu übersehen.

Ein Hund, der Schmerzen in Rücken, Hüfte, Knie oder Schulter hat, sucht sich die Bewegungsart, die am wenigsten wehtut. Passgang belastet die Wirbelsäule anders als der Trab und kann deshalb für einen Hund mit Beschwerden angenehmer sein.

Anlass, einen Termin in der Tierarztpraxis zu machen, sind vor allem:

Ein Hund, der über Jahre sauber getrabt ist und nun dauerhaft passt.

Ein Hund, der in jedem Tempo, auf jedem Untergrund und in jeder Situation passt.

Passgang zusammen mit anderen Auffälligkeiten: Steifheit nach dem Aufstehen, verkürzter Schritt, Zögern beim Springen oder Treppensteigen, ein verändertes Sitzverhalten, Berührungsempfindlichkeit am Rücken.

Ein Hund, der zusätzlich lahmt. Lahmheiten gehören immer abgeklärt, unabhängig vom Gangbild.

Für Ausstellungshunde kommt hinzu: Lahmheiten jeder Art führen nach der VDH-Merkmalsliste zum Ausschluss von termingeschützten Veranstaltungen, und ein lahmender Hund kann im Ring nicht vollständig beurteilt werden.

Ursache 5: Wachstum

Junge Hunde in der Wachstumsphase passen häufiger als erwachsene. Die Proportionen verschieben sich in dieser Zeit, mal ist die Hinterhand voraus, mal die Vorhand, und die Muskulatur hinkt der Skelettentwicklung hinterher.

Das gibt sich bei den meisten Hunden mit dem Ende des Wachstums. Sinnvoll ist in dieser Phase Zurückhaltung: kein erzwungenes Laufen am Fahrrad, keine langen gleichmäßigen Strecken, sondern freie Bewegung in eigenem Tempo.

Ursache 6: Untergrund, Leine und Handling

Drei praktische Kleinigkeiten, die überraschend viel ausmachen.

Der Untergrund. Auf rutschigem Boden, auf tiefem Sand oder auf unebenem Grund verändert sich das Gangbild. Beurteile den Trab Deines Hundes auf festem, griffigem Boden.

Die Leine. Eine straffe Leine, die den Kopf hochzieht, verändert die gesamte Vorderhandbewegung. Ein Hund, der gegen Zug läuft, kann keinen sauberen Trab zeigen. Er läuft an lockerer Leine, die einen leichten Bogen bildet.

Dein eigener Laufstil. Wer beim Laufen ständig auf den Hund schaut, wird langsamer und schiefer, und der Hund passt sich an. Blick nach vorn, den Hund im peripheren Blickfeld.

Der Videotest: in drei Minuten zur Ursache

Das ist der wirksamste Schritt, und fast niemand macht ihn.

Such Dir eine gerade Strecke von etwa dreißig Metern mit festem, ebenem Untergrund. Bitte jemanden, Dich zu filmen: einmal von der Seite, einmal von vorn, einmal von hinten. Lauf dieselbe Strecke in drei deutlich unterschiedlichen Tempi ab, also betont langsam, mittel und zügig.

Sieh Dir die Aufnahmen in Zeitlupe an. Fast jedes Telefon kann Videos verlangsamt abspielen. Achte auf die Beinpaare: Setzen die diagonalen Beine zusammen auf oder die gleichseitigen?

Die Auswertung ist einfach:

Der Hund passt nur im langsamsten Tempo und trabt sonst sauber: Tempo ist die Ursache. Merk Dir das Tempo, in dem es funktioniert.

Der Hund passt nur im schnellsten Tempo: Du läufst schneller, als sein Bau zulässt. Auch hier ist die Lösung das mittlere Tempo.

Der Hund passt am Anfang nicht, gegen Ende zunehmend: Kondition.

Der Hund passt in allen drei Tempi gleichermaßen: Bau oder Befund. Jetzt lohnt der Termin beim Tierarzt, bevor Du weiter trainierst.

Das richtige Tempo finden

Wenn Tempo die Ursache ist, brauchst Du kein Training, sondern eine Entscheidung. Nutze dieselben Videoaufnahmen und such das Tempo, in dem:

Vor- und Hintergliedmaßen sich am weitesten und gleichmäßigsten bewegen,

die Oberlinie ruhig bleibt und nicht seitlich schaukelt,

der Kopf ruhig getragen wird,

die Beine von vorn und von hinten gesehen parallel laufen.

Dieses Tempo merkst Du Dir und übst es, bis Du es ohne Nachdenken triffst. Ein hilfreicher Trick: Zähl innerlich mit oder such Dir einen Rhythmus, an dem Du Dich orientierst. Fast alle laufen unter Anspannung schneller als im Training.

Was im Moment hilft, wenn der Hund in den Passgang fällt

Drei Techniken, die zuverlässig funktionieren, wenn die Ursache das Tempo ist.

Tempo ändern. Der einfachste Hebel. Ein bisschen schneller oder ein bisschen langsamer, und viele Hunde finden von selbst zurück.

Ein kurzer Antritt aus dem Stand. Bleib stehen, sammel den Hund und lauf zügig an. Der Antritt bringt viele Hunde in den Trab, und sie bleiben dann darin.

Ein leichter Bogen. Eine sanfte Kurve verändert die Belastung auf den Seiten und macht Passgang unbequem. Der Hund wechselt meist von allein.

Was nicht hilft: an der Leine ziehen, den Kopf hochreißen, den Hund ansprechen und korrigieren. Das erzeugt Anspannung, und ein angespannter Hund läuft nicht besser.

Konditionsarbeit: die langfristige Lösung

Wenn Erschöpfung oder fehlende Muskulatur die Ursache ist, hilft Aufbau. Regelmäßige, gleichmäßige Bewegung im Trab, etwa dreimal pro Woche zwanzig bis dreißig Minuten, entwickelt die Muskulatur, die einen sauberen Trab trägt.

Bergauf gehen entwickelt gezielt die Hinterhandmuskulatur. Vier bis sechs Wochen Vorlauf sind realistisch, nicht die letzte Woche vor einem Termin.

Für junge Hunde im Wachstum gilt weiterhin Zurückhaltung. Aufbauarbeit ist etwas für ausgewachsene Hunde.

Und ein Punkt, der oft untergeht: Kein Hund soll fettleibig oder übermäßig dünn sein. Übergewicht verändert das Gangbild spürbar, und die Umstellung darauf ist häufig die wirksamste Einzelmaßnahme.

Passgang im Ausstellungsring

Für Aussteller ist Passgang deshalb heikel, weil der Richter am Trab beurteilt, ob das Gebäude funktioniert. Ein Hund kann im Stand ausgezeichnet aussehen und sich schlecht bewegen. Der Standard beschreibt beides.

Praktisch heißt das:

Kenn Dein Zieltempo vor dem Ausstellungstag und übe es, bis Du es unter Anspannung triffst. Mach die letzte Trainingseinheit vor dem Start bewusst im Zieltempo.

Lauf den Hund an lockerer Leine. Eine straffe Leine, die den Kopf hochzieht, wird vom Richter außerdem als Kaschierungsversuch gelesen.

Halt im gemeinsamen Kreis Abstand, mindestens zwei bis drei Hundelängen. Wer auf den Vorderhund aufläuft, muss abbremsen, und genau das Abbremsen bringt viele Hunde in den Passgang.

Bau Kondition auf, wenn der Hund erst im zweiten Laufmuster passt. Trainiere zwei bis drei Muster hintereinander, mit Belohnung erst am Ende.

Die Bewegung wird nach den Breed Specific Instructions mit rassespezifischer Geschwindigkeit und Art beurteilt. Es gibt also für jede Rasse ein Tempo, in dem sie am besten aussieht. Frag erfahrene Aussteller Deiner Rasse, welches das ist, und sieh Dir am Ring an, wie andere denselben Hundetyp führen.

Häufige Fragen zum Passgang

Ist Passgang beim Hund gefährlich?
An sich nicht. Passgang ist eine normale Gangart. Aufmerksam werden solltest Du, wenn er neu auftritt, dauerhaft in jedem Tempo besteht oder zusammen mit Steifheit, verkürztem Schritt oder Lahmheit auftritt.

Warum passt mein Hund nur an der Leine?
Weil an der Leine Du das Tempo bestimmst und nicht er. Frei laufend wählt ein Hund selbst das Tempo, in dem der Trab für ihn bequem ist. An der Leine bekommt er Deins.

Kann man Passgang wegtrainieren?
Wenn Tempo oder Kondition die Ursache sind, ja. Wenn der Körperbau die Ursache ist, nicht. Dann geht es darum, das Tempo zu finden, in dem der Hund am besten läuft.

Passen bestimmte Rassen häufiger?
Ja, insbesondere Rassen mit langem Rücken und kurzen Beinen sowie sehr große, schwere Rassen. In einzelnen Rassen ist ein Passschritt bei niedrigem Tempo im Standard beschrieben.

Mein Welpe passt, ist das normal?
Bei jungen Hunden im Wachstum kommt das häufig vor und verliert sich meist. Wichtig ist in dieser Phase freie Bewegung im eigenen Tempo statt erzwungener Strecken.

Was Du mitnehmen solltest

Passgang ist in den allermeisten Fällen kein Hundeproblem, sondern ein Temposproblem. Der schnellste Weg zur Antwort ist das Video: dreißig Meter, drei Tempi, drei Perspektiven, Zeitlupe.

Kommt dabei heraus, dass Dein Hund in jedem Tempo passt, hör auf zu trainieren und lass ihn ansehen. Ein Gangbild, das sich nicht verändern lässt, hat einen Grund im Körper, und den findet keine Trainingseinheit.

Alles dazwischen lässt sich mit dem richtigen Tempo, einer lockeren Leine und ein paar Wochen gleichmäßiger Bewegung deutlich verbessern.

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