Neue Ansätze in der Hundeerziehung

Beziehung zum Hund ist das A und O

Warum mir Beziehung und Vertrauen in der Hundeerziehung so wichtig ist

Wenn mich Menschen fragen, warum ich in vielen Bereichen der Hundeerziehung andere Wege gehe als viele moderne Trainingsansätze, dann hat das einen einfachen Grund. Meine Erfahrungen stammen aus vielen Jahren mit Hunden, die einerseits sehr eigenständig und andererseits erstaunlich sensibel sind.

Besonders geprägt haben mich dabei zwei Rassen, die auf den ersten Blick unterschiedlicher kaum sein könnten. Viele Jahre habe ich mit Flatcoated Retrievern gelebt. Heute begleiten mich meine Dackel Paul und Luca. Je länger ich mit beiden Rassen zusammengelebt habe, desto mehr Gemeinsamkeiten habe ich entdeckt.

Beide wurden ursprünglich für Aufgaben gezüchtet, bei denen eigenständige Entscheidungen gefragt waren. Beide besitzen einen starken Charakter und beide reagieren sehr sensibel auf die Stimmung ihres Menschen. Gerade diese Kombination hat meine Sicht auf Hunde im Laufe der Jahre stark verändert.

Warum mich zwei sehr unterschiedliche Hunderassen zum Umdenken gebracht haben

Als ich früher begann, mich intensiver mit Hundeerziehung zu beschäftigen, war ich wie viele andere Menschen auf der Suche nach Methoden, Übungen und Lösungen. Natürlich wollte ich, dass meine Hunde zuverlässig hören und sich gut im Alltag bewegen.

Im Laufe der Zeit fiel mir jedoch auf, dass sowohl meine Flatcoated Retriever als auch später meine Dackel auf manche Dinge ganz anders reagierten, als ich es erwartet hatte. Je stärker Druck oder Frust ins Spiel kamen, desto mehr zogen sie sich zurück. Sie machten nicht mehr mit, beschäftigten sich mit anderen Dingen oder schienen innerlich einfach abzuschalten. Es wurde nur geschnüffelt, die Nase war immer auf den Boden, auch auf den Hundeplatz, wo der Hund eigentlich ja mich anschauen sollte und im Kontakt sein soll.

Irgendwann wurde mir klar, dass ich gar kein Problem mit mangelndem Gehorsam hatte. Eigentlich hatte ich es mit sehr sensiblen Hunden zu tun.

Eigenständige Hunde treffen gerne eigene Entscheidungen

Sowohl Dackel als auch Flatcoated Retriever besitzen Eigenschaften, die aus ihrer ursprünglichen Arbeit entstanden sind. Sie wurden für Aufgaben gezüchtet, bei denen eigenes Denken gefragt war. Genau das macht diese Hunde für mich bis heute so faszinierend.

Viele Menschen wünschen sich Hunde, die auf jedes Signal sofort reagieren. Ich habe dagegen gelernt, dass ich mit meinen Hunden wesentlich weiter komme, wenn ich ihre Eigenständigkeit respektiere und sie nicht als Widerstand interpretiere.

Gerade Dackel werden häufig als stur bezeichnet. Ich habe diese Erfahrung nie gemacht. Für mich sind Dackel ausgesprochen kluge Hunde, die ihre Umwelt sehr genau beobachten und durchaus eigene Ideen entwickeln.

Sensible Hunde reagieren stärker auf Beziehung als auf Druck

Eine weitere Gemeinsamkeit beider Rassen hat mich immer wieder überrascht. Hinter dem selbstständigen Wesen steckt oft eine enorme Sensibilität.

Wenn die Stimmung angespannt wird oder der Mensch ungeduldig wird, reagieren viele dieser Hunde sehr deutlich. Manche beginnen zu schnüffeln, andere markieren plötzlich jede Ecke oder beschäftigen sich scheinbar mit allem, nur nicht mit ihrem Menschen.

Früher habe ich dieses Verhalten falsch verstanden. Heute sehe ich darin eher ein Zeichen dafür, dass die Verbindung zwischen Mensch und Hund gerade Aufmerksamkeit braucht.

Was ich über Beziehung gelernt habe

Mit den Jahren habe ich immer weniger versucht, einzelne Verhaltensweisen zu kontrollieren. Stattdessen begann ich, mehr Zeit in die Beziehung zu investieren.

Gemeinsame Ruhe, körperliche Nähe, Kontaktliegen, Verlässlichkeit und ein entspannter Alltag wurden immer wichtiger. Gleichzeitig stellte ich fest, dass viele Probleme kleiner wurden. Die Orientierung meiner Hunde nahm zu und das Zusammenleben wurde leichter.

Ich musste meine Hunde nicht ständig überzeugen. Sie wollten mit mir zusammenarbeiten.

Warum Dackel und Flatcoated Retriever viel mehr Will to Please besitzen, als viele glauben

Sowohl Dackel als auch Flatcoated Retriever werden häufig unterschätzt. Über Dackel hört man oft das Wort stur. Flatcoated Retriever gelten manchmal als albern oder chaotisch.

Meine Erfahrungen sind völlig andere.

Beide Rassen besitzen aus meiner Sicht eine erstaunlich große Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Diese Bereitschaft zeigt sich allerdings besonders deutlich, wenn Vertrauen, Sicherheit und eine enge Beziehung vorhanden sind.

Je mehr ich an der Beziehung gearbeitet habe, desto größer wurde auch die Freude meiner Hunde, gemeinsam mit mir durchs Leben zu gehen.

Warum ich heute vieles anders mache

Viele meiner heutigen Ansichten sind über Jahre entstanden. Deshalb spielen Themen wie Ruhetraining, Kontaktliegen, Beziehung, Vertrauen und Gelassenheit in meinen Beiträgen eine so große Rolle.

Ich versuche nicht mehr, Hunde möglichst schnell zu verändern. Ich versuche zuerst, sie zu verstehen.

Paul und Luca erinnern mich jeden Tag daran, dass Hunde keine Maschinen sind. Sie sind Persönlichkeiten mit eigenen Gedanken, eigenen Gefühlen und einer erstaunlichen Fähigkeit, Beziehungen einzugehen.

Genau darin liegt für mich die eigentliche Grundlage der Hundeerziehung.

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