
Das Kommando „Schau“ ist sehr wichtig, um die Kommunikation zwischen Mensch und Hund zu verbessern
Das Kommando „Schau“ gehört zu den hilfreichsten Signalen in der Hundeerziehung. Es lenkt die Aufmerksamkeit deines Hundes auf dich und erleichtert viele Alltagssituationen. Ob beim Spaziergang, in einer unübersichtlichen Umgebung oder vor einer Begegnung mit anderen Hunden, sobald dein Hund dich anschaut, entsteht wieder Verbindung und Orientierung.
Viele Hundehalter möchten ihrem Hund das Kommando „Schau“ beibringen, weil es die Kommunikation deutlich verbessert. Dein Hund lernt, auf dein Signal Blickkontakt aufzunehmen und sich für einen Moment auf dich zu konzentrieren. Dadurch fällt es oft leichter, gemeinsam ruhig durch schwierige Situationen zu gehen oder die Aufmerksamkeit von spannenden Reizen zurück auf den Menschen zu lenken.
Das Signal lässt sich bereits im Welpenalter aufbauen und eignet sich ebenso für erwachsene Hunde. Entscheidend ist, dass dein Hund das Anschauen mit einer positiven Erfahrung verbindet und das Verhalten gerne zeigt. Kurze Trainingseinheiten, ein gutes Timing und regelmäßige Wiederholungen sorgen dafür, dass sich das Kommando zuverlässig entwickelt.
In diesem Beitrag erfährst du, wie du deinem Hund das Kommando „Schau“ Schritt für Schritt beibringst, welche Fehler häufig passieren und wie du den Blickkontakt sinnvoll in euren Alltag integrierst. So entsteht eine aufmerksame und entspannte Zusammenarbeit, die euch in vielen Situationen hilft.
Luca lernt Aufmerksamkeit und Anschauen
Letztendlich scheitern immer viele Hundeerziehung– Tipps daran, dass wir nicht die volle Aufmerksamkeit von unserem Hund bekommen. Dafür ist natürlich einerseits Bindung und Beziehung wichtig. Wer nicht so richtig weiß, wie man eine gute Beziehung zum Hund erreichen kann, dem hilft vielleicht mein Buch ein bisschen:
Die B Formel ( bei Amazon) dort beschreibe ich genau, welche Wege man einschlagen kann, damit sich die Beziehung zum Hund verbessern kann. Heute geht es aber um antrainierte Aufmerksamkeit, die wir gut verwenden können, wenn unserer Hund gedanklich gerade ganz wo anders ist.
Mein Dackel Luca beginnt gerade mit der Pubertät. Er hebt zwar noch nicht das Bein, hat aber schon festgestellt, dass man Pipi zurückhalten kann und sich mehrfach pro Spaziergang hinhocken kann. Ein sicherer Vorbote.
Was ich trainiere, damit ich von Luca mehr Aufmerksamkeit erhalte, warum das Ganze wichtig ist und warum auch ein Kommando wie „Schau“ dabei super gut hilft, erkläre ich dir hier,
Wenn dein Hund dich auf ein Wort hin ansieht, hast du in genau dieser Sekunde alles, was Training braucht: seine Aufmerksamkeit. Kein Rückruf, kein „bei Fuß“, kein entspanntes Vorbeigehen am Jogger funktioniert ohne sie. „Schau“ ist deshalb kein Trick für die Galerie, sondern das Fundament unter fast allem anderen – und es ist eines der wenigen Signale, das Sicherheit, Bindung und Alltagstauglichkeit in einer einzigen kleinen Geste bündelt.
Die meisten Anleitungen im Netz bringen dir nicht „Schau“ bei, sondern ihrem Hund das Anstarren einer Leckerli-Hand. Das ist ein feiner, aber entscheidender Unterschied. In diesem Artikel zeige ich dir, warum der Blick so wertvoll ist, wieso wir ihn überhaupt trainieren und wie du ihn so aufbaust, dass er auch dann hält, wenn es darauf ankommt.
Was bedeutet „Schau“ eigentlich – und was nicht?
„Schau“ ist ein Aufmerksamkeitssignal. Auf das Wort hin löst dein Hund seinen Blick von dem, was ihn gerade beschäftigt, und richtet ihn auf dich. In dieser Sekunde sagt er dir im Grunde: „Ich bin bei dir – was kommt jetzt?“ Genau das wollen wir.
Wichtig ist die Abgrenzung zum Namen deines Hundes. Der Name bedeutet bestenfalls „orientiere dich kurz zu mir, gleich kommt etwas“ – ein leichtes Antippen der Aufmerksamkeit. „Schau“ dagegen bedeutet volle Zuwendung im Hier und Jetzt. Deshalb sollten Name und Aufmerksamkeitssignal klar verschieden klingen und das Signalwort im Alltag nicht ständig nebenbei fallen, sonst nutzt es sich ab.
Und es gibt eine zweite Bedeutung von „anschauen“, die online fast immer durcheinandergeworfen wird – obwohl sie das Gegenteil meint:
- „Schau“ / „Schau mich an“: Dein Hund schaut zu dir.
- „Schau das an“: Dein Hund darf den Reiz – den anderen Hund, den Radfahrer, das Reh – ansehen und kommt anschließend von selbst zu dir zurück. Das ist eine eigene Technik (mehr dazu weiter unten) und gerade für aufgeregte oder reaktive Hunde Gold wert.
Beide Varianten gehören zusammen, und beide bauen wir hier auf. Fangen wir beim Warum an, denn das beantwortet die meisten Trainings-Streitfragen von selbst.
Hier hast Du eine komplette Schritt für Schritt Anleitung für das Kommando „Schau“

Warum „Schau“ eines der wichtigsten Signale überhaupt ist
Der Blick stärkt eure Bindung – und das ist messbar
Dass ein Hund seinen Menschen ansieht, ist keine Selbstverständlichkeit aus der Wolfswelt, sondern etwas zutiefst Hundliches. Eine vielzitierte Studie aus dem Wissenschaftsjournal Science (Nagasawa und Kollegen, 2015) hat gezeigt, dass langer, freundlicher Blickkontakt zwischen Hund und Mensch bei beiden den Oxytocin-Spiegel steigen lässt – also jenes Hormon, das auch die Bindung zwischen Mutter und Kind trägt. Je länger sich Hund und Halter ansahen, desto deutlicher der Effekt; bei handaufgezogenen Wölfen ließ sich diese „Blick-Oxytocin-Schleife“ nicht in gleicher Weise finden.
Was die Forschung sagt
Vereinfacht gesagt: Der gegenseitige Blick funktioniert wie eine positive Rückkopplung. Dein Hund sieht dich an, ihr fühlt euch beide wohler, und genau dieses gute Gefühl macht es wahrscheinlicher, dass er dich wieder ansieht. Wichtig zur Einordnung: Es handelt sich um einen freiwilligen, entspannten Blick – nicht um erzwungenes Anstarren. Wer den Blick abpresst, erzeugt das Gegenteil von Vertrauen.
Aufmerksamkeit ist deine Sicherheitsleine ohne Leine
Der praktische Wert von „Schau“ zeigt sich genau in den Momenten, in denen es brenzlig wird. Ein Reh springt aus dem Feld, ein Hund kommt frei und unkontrolliert auf euch zu, ihr müsst eine vielbefahrene Straße queren, oder du willst ableinen und brauchst vorher seine Konzentration. In all diesen Situationen ist die Fähigkeit, deinen Hund mit einem Wort „aus der Welt“ und zu dir zu holen, schlicht Sicherheit. Ein Hund, der dich ansieht, kann nicht gleichzeitig losstürmen – der Blick zu dir und das Hetzen schließen sich körperlich aus.
Aufmerksamkeit ist eine Fähigkeit – kein Charakterzug
Viele Halter glauben, ihr Hund sei „einfach nicht der Typ, der einen anschaut“. In Wahrheit ist Aufmerksamkeit trainierbar wie Muskelkraft. Und der eigentliche Kern dieser Fähigkeit ist nicht der lange Blick selbst, sondern der Aufmerksamkeitswechsel: die Fähigkeit, sich von einem Reiz zu lösen und sich neu auf dich auszurichten. Das klingt unscheinbar, ist aber die wichtigste Erkenntnis dieses ganzen Artikels – und der Punkt, an dem fast alle flachen Anleitungen scheitern.
Der häufigste Fehler – den fast alle Anleitungen machen
Die Standard-Anleitung im Netz geht so: Leckerli zwischen die Finger, an dein Auge führen, der Hund folgt dem Futter mit dem Blick „ins Gesicht“, klick, belohnen – fertig. Das funktioniert in der ersten Sitzung scheinbar wunderbar. Und genau das ist die Falle.
Achtung – Denkfehler
Dein Hund schaut in diesem Moment nicht dich an. Er folgt dem Futter. Du baust einen Hund, der eine Leckerli-Hand fixiert – nicht einen, der von sich aus Kontakt zu dir sucht. Sobald das Futter nicht mehr sichtbar in der Hand liegt, bricht der Blick zusammen. Genau deshalb klagen so viele Halter: „Drinnen klappt’s, draußen schaut er mich nie an.“ Klar – draußen gibt es spannendere Dinge als deine leere Hand.
Der zweite, subtilere Fehler ist das Übertrainieren des Dauerblicks. Es sieht eindrucksvoll aus, wenn ein Hund seinen Menschen minutenlang anhimmelt – aber ein gesunder Hund schaut auch mal weg. Er muss seine Umwelt wahrnehmen dürfen. Ein Hund, der gar nicht mehr wegsehen darf, wird nicht souveräner, sondern abhängiger und oft unsicherer. Und ein über das Futter abgepresster Dauerblick ist obendrein zerbrechlich: Er hält genau so lange, wie die Ablenkung niedrig bleibt.
Die Lösung folgt aus beidem: Wir fangen freiwilligen Blickkontakt ein, statt ihn mit Futter ans Auge zu locken, und wir belohnen den Wechsel zu dir, nicht das Festhalten. Dadurch lernt dein Hund das, was wirklich zählt: sich aus eigenem Antrieb von der Welt zu lösen und dich aufzusuchen.
So baust du „Schau“ wirklich auf – Schritt für Schritt
Was du brauchst
- Viele kleine, weiche, hochwertige Leckerli (so gut, dass sie später mit Ablenkung mithalten können).
- Ein Markersignal: ein Clicker oder ein kurzes Markerwort wie „Top“ oder „Yes“. Der Marker sagt punktgenau „Das war richtig, die Belohnung kommt“. Wenn du noch nie mit Clicker gearbeitet hast: einige Male einfach klicken und sofort belohnen, ohne Aufgabe – dann verknüpft dein Hund das Geräusch mit Gutem.
- Eine reizarme Umgebung zum Start: ein ruhiger Raum, keine anderen Tiere, kein Fenster mit Straßenblick.
- Kurze Einheiten: lieber drei Minuten mehrmals am Tag als eine zähe Viertelstunde.
Alles im Folgenden läuft komplett über positive Verstärkung. Kein Druck, kein Festhalten des Kopfes, kein „Schnalzen, bis er endlich guckt“. Wir belohnen das, was wir sehen wollen, und der Rest ergibt sich.
Die vier Schritte
- Freiwilligen Blickkontakt einfangen. Setz oder stell dich entspannt zu deinem Hund und – tu nichts. Warte einfach. Früher oder später wird er, weil nichts passiert, kurz zu dir hochsehen: „Was ist denn los?“ In genau diesem Bruchteil einer Sekunde markierst du (klick / „Top“) und belohnst. Du fängst damit einen echten, selbst gewählten Blick ein. Das ist die Keimzelle von allem.
- Den Aufmerksamkeitswechsel belohnen. Jetzt machst du den entscheidenden Kniff, den kaum jemand erklärt: Wirf die Belohnung von dir weg auf den Boden. Dein Hund läuft hin, frisst – und richtet seine Aufmerksamkeit damit bewusst weg von dir. Im Moment, in dem er den Blick wieder zu dir zurückbringt, markierst und belohnst du erneut (wieder weggeworfen). Du trainierst so nicht den starren Dauerblick, sondern das Sich-Lösen und Wiederkommen – exakt die Fähigkeit, die draußen über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Wechsle dabei mal die rechte, mal die linke Wurfhand, damit nichts einseitig wird.
- Das Signalwort einführen. Erst wenn dein Hund zuverlässig von selbst zu dir zurückschaut, koppelst du das Wort an. Du sagst kurz bevor du den Blick erwartest leise „Schau“ – und markierst, sobald der Blick kommt. Reihenfolge ist alles: erst das Wort, dann das Verhalten, dann die Belohnung. So wird „Schau“ zur Vorhersage „Gleich lohnt es sich, zu dir zu sehen“, und nicht zu einem Befehl, den du wiederholst, bis er endlich wirkt. Sag das Wort genau einmal.
- Generalisieren mit den drei D. Ein Verhalten, das im Wohnzimmer klappt, klappt noch lange nicht am Waldrand. Steigere deshalb immer nur eine Schwierigkeit zur Zeit:
- Dauer: Warte minimal länger, bevor du markierst – aber nur Sekundenbruchteile mehr, nicht Minuten.
- Distanz: Erst neben dir, dann ein, zwei Schritte entfernt.
- Ablenkung: Vom ruhigen Raum in den Flur, in den Garten, an den ruhigen Wegrand, schließlich dorthin, wo wirklich etwas los ist. Wenn ein Schritt nicht klappt, ist der vorige zu früh verlassen worden – einfach eine Stufe zurück.
Profi-Tipp aus der Praxis
Belohne draußen den spontanen Blick, ohne dass du das Wort sagst. Wenn dein Hund dich auf dem Spaziergang aus eigenem Antrieb ansieht und dafür regelmäßig etwas Tolles passiert, baust du einen sogenannten „Check-in“: Dein Hund vergewissert sich freiwillig immer wieder, wo du bist. Das ist die wertvollste Form von Aufmerksamkeit überhaupt – sie kommt von ihm, nicht von dir.
„Schau das an“ – die hohe Schule für aufgeregte und jagdlich motivierte Hunde
Was machst du, wenn der Reiz schon da ist – der Hund am Horizont, der Radfahrer, das Wild? Den Klassiker „Schau mich an“ gegen einen starken Auslöser durchzudrücken, scheitert oft, weil du gegen die Wahrnehmung deines Hundes ankämpfst. Hier kommt die zweite Bedeutung von „anschauen“ ins Spiel.
Die Trainerin Leslie McDevitt hat dafür ein Spiel etabliert, das im Englischen „Look at That“ (LAT) heißt – frei übersetzt „Schau das an“. Die Idee dreht den üblichen Konflikt um: Statt deinem Hund das Hinsehen zum Reiz zu verbieten, machst du das Hinsehen zum Job. Du erlaubst ausdrücklich den Blick zum Auslöser – und belohnst dann den Moment, in dem dein Hund von selbst zu dir zurückschaut.
So geht es im Kern: Such dir einen Abstand zum Reiz, bei dem dein Hund ihn zwar bemerkt, aber noch ruhig bleiben kann (das ist entscheidend – zu nah, und es funktioniert nicht). In dem Moment, in dem er den Reiz ansieht, markierst du. Dein Hund dreht sich zur Belohnung zu dir – und genau dieses Zurückkommen ist das eigentliche Ziel. Aus „Da ist etwas Aufregendes!“ wird über viele Wiederholungen „Da ist etwas – also schaue ich kurz hin und dann zu meinem Menschen, weil sich das lohnt“. Du veränderst damit nicht nur das Verhalten, sondern die Gefühlslage: Der Auslöser sagt nicht mehr „Gefahr/Stress“, sondern „gleich passiert etwas Gutes“.
Für reaktive Hunde, für Leinenpöbler und besonders für jagdlich motivierte Hunde ist das oft der Durchbruch, an dem das stumpfe „Schau mich an“ gescheitert ist. Wenn das Thema bei euch akut ist, lies dazu auch meinen ausführlichen Beitrag zum reaktiven Hund an, der wird dir weiterhelfe.
Wenn Du erstmal grundsätzlich an Ruhe und Entspannung arbeiten möchtest, hab ich im Workbook Ruhetraining tolle, praxisnahe Übungen zusammengestellt, welche dir ganz einfach Schritte an die Hand geben, um mehr Ruhe in deinem Hund zu bekommen und in Folge dessen auch wieder mehr Ansprechbarkeit.
Speziell für den Dackel: Warum sich der Aufwand hier doppelt lohnt
🐾 Der Dackel: Blickkontakt mit einem eigenständigen Jäger
Ein Aufmerksamkeitssignal mit einem Apportierhund aufzubauen und mit einem Dackel – das sind zwei verschiedene Paar Schuhe, und ich darf das aus eigener Erfahrung sagen. Mein Flat Coated Retriever Floyd bot mir Blickkontakt früher beinahe ungefragt an; ein Retriever ist über Generationen darauf gezüchtet, eng am Menschen und auf seine Zeichen hin zu arbeiten. Mein roter Langhaardackel Paul tickt grundsätzlich anders: Der Dackel ist ein selbstständig arbeitender Jagdhund, gezüchtet, um ohne ständige menschliche Anweisung in Bau und Dickicht Entscheidungen zu treffen. Seine Welt läuft zuerst über die Nase, nicht über den Blick zum Menschen.
Das heißt: Freiwilliger Blickkontakt fällt einem Dackel seltener „in den Schoß“ – und genau deshalb ist „Schau“ für ihn wertvoller, nicht überflüssiger. Wir bauen damit aktiv eine Brücke zu einem Hund, dessen Instinkt ihn vom Menschen wegführt. Der Schlüssel beim Dackel ist Geduld plus eine Belohnung, die wirklich gegen Nase und Jagdtrieb anstinkt: Käse, Wurst, ein kurzes Suchspiel. Wer mit dem Standard-Trockenleckerli antritt, verliert gegen die nächste Wildspur.
Mehr zum eigenständigen Wesen und zur richtigen Trainingsbasis findest du in meinem großen Leitfaden zum Dackeltraining und beim Thema Rückruf beim Dackel – „Schau“ ist die direkte Vorstufe zu beidem. Hier im Blog hatte ich auch schon den Beitrag Reaktiver Dackel
Praktisch bedeutet das für Dackelhalter: Erwarte am Anfang weniger Dauer, feiere jeden freiwilligen Blick groß, und nimm den Druck raus. Ein Dackel, der merkt, dass er angestarrt oder gedrängt wird, macht innerlich dicht – die Eigenständigkeit, die wir an der Rasse lieben, lässt sich nicht überreden. Sie lässt sich nur durch echte Attraktivität für sich gewinnen.
Häufige Probleme – und wie du sie löst
Mein Hund schaut nur auf das Leckerli, nicht zu mir.
Dann lockst du noch, statt einzufangen. Nimm das Futter aus dem Sichtfeld (hinter den Rücken, in den Beutel) und warte auf den echten, freiwilligen Blick. Belohnt wird erst, nachdem er den Blick zu dir gefunden hat – nicht, indem du ihn mit Futter dorthin führst.
Er schaut mich nur eine Sekunde an.
Das ist am Anfang völlig richtig und gewünscht. Wir wollen ja gar keinen Dauerblick, sondern den sauberen Wechsel zu dir. Steigere die Dauer, wenn überhaupt, in winzigen Schritten – und nur, wenn du sie im Alltag wirklich brauchst.
Drinnen klappt alles, draußen ignoriert er mich.
Klassiker. Zwei Ursachen: zu früh zu viel Ablenkung – und eine Belohnung, die draußen nicht mithält. Geh distanzmäßig zurück (großer Abstand zu allem Spannenden) und rüste bei der Belohnung auf. Draußen gewinnt nur, wer attraktiver ist als die Umgebung.
Mein Hund starrt mich jetzt ständig fordernd an.
Dann wurde der Dauerblick überbelohnt. Belohne wieder gezielt den Wechsel (wegschauen dürfen, zurückkommen) statt das Festhalten, und reagiere nicht mehr auf das fordernde Anstarren. Wegsehen ist gesund und ausdrücklich erlaubt.
Wie oft und wie lange soll ich üben?
Lieber sehr kurz und sehr häufig: mehrere Mini-Einheiten von ein bis drei Minuten über den Tag verteilt. Aufmerksamkeit ermüdet schnell – eine müde Einheit ist schlechter als gar keine.
Ab welchem Alter kann ich starten?
Sofort, auch beim Welpen – freiwilligen Blickkontakt einzufangen ist eine der besten ersten Übungen überhaupt und ganz ohne Risiko. Beim Welpen gilt nur: noch kürzer, noch verspielter, noch mehr Pausen.
Brauche ich zwingend einen Clicker?
Nein. Ein klares, immer gleiches Markerwort tut es genauso. Der Clicker ist nur besonders punktgenau – praktisch, aber kein Muss.
Kurz gesagt
„Schau“ beizubringen heißt nicht, deinem Hund das Anstarren einer Leckerli-Hand anzudressieren. Das trainierst Du nur die allerersten Male. Es heißt, ihm die Fähigkeit zu geben, sich von der Welt zu lösen und dich aufzusuchen – freiwillig, entspannt und auch dann, wenn es schwierig wird. Fang den echten Blick ein, belohne den Wechsel zu dir, baue das Wort sauber an und steigere die Schwierigkeit in Trippelschritten. Für aufgeregte und jagdlich motivierte Hunde – allen voran für unsere eigenwilligen Dackel – ergänzt du das Ganze mit „Schau das an“. Was du am Ende in der Hand hast, ist mehr als ein Signal: Es ist die Eintrittskarte in jedes weitere Training und ein kleines, tägliches Bindungsritual zwischen euch.
Dieser Beitrag ersetzt im Einzelfall – etwa bei ausgeprägter Reaktivität oder Aggression – nicht die Begleitung durch eine qualifizierte, gewaltfrei arbeitende Trainerin oder einen Trainer vor Ort.








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