Ressourcen bei Mehrhundehaltung

Es herrscht Harmonie

Ressourcenverteidigung im Mehrhundehaushalt – Warum Management wichtiger ist als Strafen

Ich hatte fast immer mehrere Hunde und dass Managen von Ressourcen war immer meine Aufgabe, niemals die Aufgabe der Hunde.

Auf der Seite Antistressübung zeige ich euch, wie ich das mit den Kauknochen gemacht hatte.

Viele denken bei Ressourcen sofort an den Futternapf oder einen besonders beliebten Kauknochen. Tatsächlich entstehen die meisten Konflikte aber an einer ganz anderen Stelle: bei den Menschen.

Für viele Hunde bist du die wertvollste Ressource überhaupt. Deine Aufmerksamkeit, deine Streicheleinheiten oder auch nur der Platz direkt neben dir können plötzlich wichtiger sein als jedes Leckerli. Genau dort beginnt häufig die Eifersucht.

Ich habe das bei Luca und Paul am Anfang oft erfahren.

Paul genießt es sehr, wenn wir einen ruhigen Moment nur für uns haben. Früher kam Luca dann oft sofort dazu. Er drängelte sich zwischen uns, schob Paul zur Seite oder versuchte ebenfalls gestreichelt zu werden. Er wollte keinen Streit anfangen, aber er wollte die Aufmerksamkeit ebenfalls für sich haben.

Genau an diesem Punkt liegt meiner Meinung nach die Verantwortung beim Menschen.

Ich möchte nicht, dass meine Hunde solche Situationen untereinander regeln müssen.

Je häufiger ein Hund erlebt, dass er sich Aufmerksamkeit erkämpfen muss, desto größer wird das Risiko, dass daraus irgendwann echte Konflikte entstehen. Deshalb greife ich früh ein.

Wenn ich Paul streichle und Luca dazwischen möchte, schicke ich ihn freundlich, aber konsequent, weg.

Die Situation kläre ich, ohne in den Moment den Blick und die Zuwendung von Paul abzuwenden.

In diesem Moment gehört die Aufmerksamkeit Paul. Luca muss lernen, das auszuhalten. Hat er übrigens schnell gelernt.

Oft machen viele Hundebesitzer am Anfang folgende Fehler:

Entweder wird mit beiden Hunden dann gleichzeitig gekuschelt

oder noch schlimmer:

Man wendet sich in diesen Moment den Welpen zu!

Das geht auf keinen Fall, damit würde man den ersten Stein für spätere Konflikte legen

Luca bekommt selbstverständlich auch seine eigenen Momente mit mir. Dann darf wiederum Paul nicht stören, würde er auch nie, denn er ist ja schon sicher gebunden und braucht keine Sorgen zu haben, dass Zuwendung mal zu wenig da ist.

Jeder Hund hat das Recht auf ungestörte Zweisamkeit, ohne ständig Konkurrenz befürchten zu müssen.

Genau das verstehe ich unter gutem Management.

Ich warte nicht darauf, dass einer meiner Hunde knurrt oder den anderen wegdrängt. ( Paul kann auch gar nicht knurren, hat er noch nie gemacht) Ich verhindere bereits die Situation, aus der überhaupt erst Streit entstehen könnte. Dadurch müssen meine Hunde keine Entscheidungen treffen, wer jetzt an der Reihe ist oder wer sich durchsetzt. Diese Aufgabe übernehme ich.

Mit der Zeit ist das für Luca völlig selbstverständlich geworden. Heute bleibt er ruhig auf seinem Platz liegen, wenn Paul gerade seine Streicheleinheiten bekommt. Er weiß, dass auch seine Zeit kommt. Dadurch ist deutlich mehr Ruhe in unseren Alltag eingezogen.

Ressourcenverteidigung bedeutet übrigens nicht automatisch Aggression. Viele Hunde zeigen zunächst nur kleine Signale. Sie drängen sich dazwischen, legen den Kopf auf deinen Schoß, schieben den anderen Hund sanft weg oder versuchen, deine Aufmerksamkeit umzulenken. Genau diese kleinen Situationen entscheiden oft darüber, ob sich ein Problem entwickelt oder gar nicht erst entsteht.

Luca hat sich total entzückend an meinen Arm gekuschelt und mich mit seinem großen Kulleraugen angeblickt. Da ist es schon hart, ihn wegzuschubsen.

Muss aber sein.

Je klarer und berechenbarer du solche Situationen regelst, desto weniger Anlass haben deine Hunde, Ressourcen selbst verteidigen zu müssen. Sie lernen, dass du die Verteilung übernimmst und jeder zu seinem Recht kommt.

Gerade in einem Mehrhundehaushalt ist das einer der wichtigsten Bausteine für ein harmonisches Zusammenleben. Nicht Härte sorgt für Frieden, sondern klare Regeln, Konsequenz und ein gutes Management. Wenn jeder Hund weiß, wann er an der Reihe ist und dass ihm nichts weggenommen wird, verschwindet ein großer Teil des Konfliktpotenzials ganz von alleine.


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