Zeckenkrankheiten

Hundekrankheiten durch Zeckenbiss

Paul humpelte, dann lief er wieder normal. Ein paar Tage später humpelte er auf einmal auf dem anderen Bein, wieder ohne erkennbaren Grund. Dazwischen wurde er müde, viel müder als sonst nach einem normalen Spaziergang, und er musste sich immer wieder übergeben. Auf einer Waldrunde blieb er stehen, wollte nicht mehr weiterlaufen und legte sich einfach auf die Seite, mitten auf dem Weg.

Wir waren in der Tierklinik, haben ihn röntgen lassen und Blut abnehmen lassen. Die Bilder zeigten nichts, die Standardwerte im Blut waren unauffällig. Der Zustand wurde trotzdem schlimmer. Erst ein großes Zeckenprofil, ein Bluttest speziell auf Zeckenerreger, brachte die Antwort, die uns bis dahin gefehlt hatte.

Genau diese Erfahrung zeigt, wie tückisch von Zecken übertragene Krankheiten beim Hund sind. Die Symptome sind unspezifisch, wandern von Bein zu Bein, kommen und gehen, und ein normales Blutbild schließt eine Infektion nicht aus. Dieser Beitrag erklärt, welche Krankheiten Zecken beim Hund übertragen, woran Du sie erkennst und wann ein Zeckenprofil sinnvoll ist.

Welche Krankheiten übertragen Zecken beim Hund?

In Deutschland stechen vor allem drei Zeckenarten zu: der Gemeine Holzbock, die Auwaldzecke und, vor allem bei Reisehunden aus dem Süden, die Braune Hundezecke. Jede Art kann andere Erreger übertragen. Die wichtigsten Krankheiten beim Hund sind Borreliose, Anaplasmose, Ehrlichiose und Babesiose. Seltener kommt in Deutschland die Hepatozoonose vor, meist bei Hunden mit Süd-, Ost- oder Südosteuropa-Aufenthalt.

Der Grund, warum die Diagnose so oft dauert: Die Erreger setzen sich in Gelenken, Blutzellen oder im Immunsystem fest und lösen Beschwerden aus, die sehr allgemein wirken. Müdigkeit, wechselndes Humpeln, Fieberschübe oder Appetitlosigkeit passen zu einem Dutzend anderer Ursachen. Röntgenbilder zeigen bei einer Zeckenerkrankung meist gar nichts, weil das Problem nicht im Knochen liegt, sondern im Blut oder in der Gelenkinnenhaut. Ein normales Blutbild schließt eine Infektion ebenfalls nicht sicher aus, dafür braucht es einen gezielten Antikörper- oder PCR-Test auf den jeweiligen Erreger.

Borreliose beim Hund

Die Lyme-Borreliose wird durch das Bakterium Borrelia burgdorferi ausgelöst und vom Gemeinen Holzbock übertragen. Die Zecke muss dafür meist 24 bis 48 Stunden fest saugen, ein rechtzeitiges Absammeln senkt das Risiko also deutlich. Die meisten infizierten Hunde bleiben gesund, nur ein kleiner Teil entwickelt tatsächlich Symptome.

Symptome der Borreliose

  • Wechselndes, wanderndes Humpeln, mal das eine Bein, mal ein anderes
  • Geschwollene, warme Gelenke
  • Fieberschübe und Mattigkeit
  • Appetitlosigkeit
  • In seltenen, schweren Fällen eine Borreliose-Nephritis, eine Nierenentzündung, die lebensbedrohlich werden kann

Zwischen Zeckenstich und ersten Symptomen liegen häufig Wochen bis Monate, ein akuter Zusammenhang mit einem bestimmten Spaziergang lässt sich deshalb selten herstellen.

Anaplasmose beim Hund

Anaplasma phagocytophilum wird ebenfalls vom Gemeinen Holzbock übertragen und befällt weiße Blutkörperchen. Die Inkubationszeit ist mit ein bis zwei Wochen kürzer als bei der Borreliose.

Symptome der Anaplasmose

  • Plötzliches hohes Fieber
  • Deutliche Erschöpfung und Bewegungsunlust
  • Gelenkschmerzen, oft mit Humpeln
  • Appetitlosigkeit und Erbrechen
  • Manchmal punktförmige Blutungen im Zahnfleisch, weil die Blutplättchen absinken
  • Selten neurologische Ausfälle

Die Kombination aus Fieber, Erschöpfung, Erbrechen und wechselndem Humpeln, wie bei Paul, passt sehr typisch zu einer Anaplasmose. Ein sicherer Nachweis gelingt nur über Bluttests.

Paul hatte kein Fieber

Ehrlichiose beim Hund

Ehrlichia canis wird von der Braunen Hundezecke übertragen, die in Deutschland selten heimisch vorkommt, aber an vielen Reisezielen rund ums Mittelmeer weit verbreitet ist. Für Hunde, die im Süden Urlaub gemacht haben oder aus dem Ausland adoptiert wurden, gehört diese Krankheit deshalb immer mit auf die Liste.

Symptome der Ehrlichiose

  • Akute Phase: Fieber, Mattigkeit, geschwollene Lymphknoten, gelegentlich Nasenbluten
  • Diese Phase klingt oft von selbst ab, das Bakterium bleibt aber im Körper
  • Chronische Phase, teils erst Monate oder Jahre später: starker Gewichtsverlust, Blutarmut, Blutungsneigung, wiederkehrendes Fieber, geschwächtes Immunsystem

Gerade die chronische Verlaufsform wird oft spät erkannt, weil zwischen Zeckenstich und den ersten deutlichen Symptomen sehr viel Zeit vergehen kann.

Babesiose: der akute Notfall unter den Zeckenkrankheiten

Babesia canis wird vor allem von der Auwaldzecke übertragen und zerstört rote Blutkörperchen. Anders als bei den übrigen Zeckenkrankheiten geht es hier oft sehr schnell, teils innerhalb weniger Tage nach dem Stich.

Typische Symptome: hohes Fieber, dunkler, rot-brauner Urin durch den Zerfall der roten Blutkörperchen, blasses Zahnfleisch, starke Schwäche bis zum Kreislaufkollaps. Bei diesen Anzeichen gehört Dein Hund sofort in tierärztliche Behandlung, eine Babesiose kann innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich werden.

Hepatozoonose beim Hund

Diese Erkrankung wird anders übertragen als die übrigen: Der Hund infiziert sich nicht durch den Stich selbst, sondern indem er eine infizierte Zecke beim Putzen verschluckt. Sie kommt vor allem in Süd-, Ost- und Südosteuropa vor. Symptome sind Muskelschmerzen, Fieberschübe, Abmagerung und Bewegungsunlust, oft schleichend über Wochen.

Warum ein normaler Tierarztbesuch oft nicht reicht

Röntgen zeigt Knochen und Gelenkstrukturen, aber keine Bakterien im Blut. Ein Standard-Blutbild erfasst Blutwerte wie Leberwerte, Nierenwerte oder das Blutbild im engeren Sinn, testet aber nicht automatisch auf spezifische Erreger. Für einen sicheren Nachweis von Borreliose, Anaplasmose, Ehrlichiose oder Babesiose braucht es gezielte Antikörpertests oder eine PCR-Untersuchung, die den Erreger direkt nachweist.

Genau deshalb bleiben viele Fälle lange unentdeckt: Die Symptome werden als Gelenkverschleiß, als Wetterfühligkeit oder, gerade bei Dackeln, fälschlich als altersbedingte Rückenprobleme gedeutet. Ein wanderndes Humpeln ohne Verletzung, kombiniert mit Erschöpfung, Fieberschüben oder Erbrechen, ist ein Anlass, gezielt nach Zeckenerregern zu fragen.

Das große Zeckenprofil: was der Test zeigt

Ein großes Zeckenprofil fasst mehrere Einzeltests zusammen und prüft das Blut auf Antikörper gegen die wichtigsten Erreger, teils ergänzt durch eine direkte PCR-Untersuchung. Es lohnt sich vor allem dann, wenn:

  • Dein Hund seit Wochen oder Monaten wechselnd humpelt, ohne dass eine Verletzung erkennbar ist
  • Röntgen und Standardblutbild unauffällig sind, die Beschwerden aber bleiben oder zunehmen
  • Dein Hund untypisch erschöpft ist, sich beim Spaziergang plötzlich hinlegt oder nicht mehr weiterlaufen will
  • wiederholtes Erbrechen ohne erkennbare Futterursache dazukommt
  • Dein Hund aus dem Ausland stammt oder im Mittelmeerraum Urlaub gemacht hat

Sprich das Zeckenprofil aktiv bei Deiner Tierärztin oder Deinem Tierarzt an, wenn die Standarduntersuchungen nichts ergeben und die Symptome trotzdem bestehen bleiben. Ein einzelner unauffälliger Bluttest schließt eine Zeckenerkrankung nicht sicher aus.

Zeckenschutz beim Hund: Vorbeugung, die wirklich zählt

  • Zeckenschutzmittel konsequent und ganzjährig anwenden, gerade in milden Wintern sind Zecken auch außerhalb der klassischen Saison aktiv
  • Deinen Hund nach jedem Spaziergang gründlich absuchen, besonders an Ohren, Achseln, Leiste und zwischen den Zehen
  • Zecken sofort und vollständig entfernen, mit einer Zeckenzange möglichst nah an der Haut, ohne Drehen
  • Stichstelle in den folgenden Tagen beobachten und Dir Datum und Ort des Stichs notieren, das erleichtert später die Zuordnung von Symptomen

Kurz zusammengefasst

Zecken übertragen beim Hund vor allem vier Krankheiten: Borreliose mit wanderndem Humpeln, Anaplasmose mit Fieber, Erschöpfung und Erbrechen, Ehrlichiose mit einer oft erst Jahre später sichtbaren chronischen Phase, und Babesiose als akuter Notfall mit dunklem Urin und Kreislaufversagen. Röntgen und Standard-Blutbild erkennen keine dieser Krankheiten zuverlässig. Bei anhaltenden, unklaren Symptomen bringt ein gezieltes Zeckenprofil oft erst die Antwort.

Das doofe ist: auch wenn ein Hund einen deutlich erhöhten Wert der Anaplasmen hat und auch die Entzündungswerte erhöht sind, kann es trotzdem sein, dass es etwas anderes ist. Röntgen und Ultraschall ist auf jeden Fall wichtig, da viele Hunde zwar diese Titer im Blut haben, aber nie erkranken.

Paul ist krank


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2 Kommentare zu „Zeckenkrankheiten“

  1. Avatar von Audrey
    Audrey

    Liebe Daniela,
    Ist das was Paul jetzt kürzlich erst hatte. Wirklich nicht einfach darauf zu kommen.

    1. Avatar von Daniela Dührkop

      Ja genau, im Prinzip hat ihn das schon vermutlich ein halbes Jahr geplagt

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