Hundebegnungen meistern

Die Zickzack-Übung bei Hundebegegnungen: ruhig bleiben statt nach vorne zu schießen

Hundebegegnungen sind für viele Hunde schwierig. Manche bellen schon auf große Entfernung, andere ziehen massiv nach vorne, werden immer schneller oder sind irgendwann überhaupt nicht mehr ansprechbar. Dabei muss es sich nicht einmal um Aggression handeln. Häufig ist der Hund schlicht viel zu aufgeregt.

Gerade bei solchen Hunden arbeite ich gerne mit einer einfachen Übung, die ich Zickzack-Übung nenne. Sie verbindet Abstand, Bewegung und Nasenarbeit miteinander und lässt sich sehr kontrolliert aufbauen.

Wichtig ist allerdings: Für diese Übung brauchen wir einen Helfer mit einem möglichst ruhigen Hund. Zufällige Hundebegegnungen auf dem Spaziergang eignen sich dafür deutlich schlechter, weil wir weder Entfernung noch Verhalten des anderen Hundes kontrollieren können.

Aber später geht auch das.

So funktioniert die Zickzack-Übung

Der Helfer stellt oder setzt sich mit seinem Hund an einen Weg. Idealerweise macht der andere Hund dort einfach gar nichts. Er soll weder Kontakt aufnehmen noch spielen, herankommen oder unseren Hund besonders beachten.

Nun nähern wir uns mit unserem Hund langsam.

Dabei interessiert zunächst nur eine Frage:

Ab welcher Entfernung verändert sich mein Hund?

Vielleicht wird er schneller. Vielleicht richtet er sich auf, fixiert den anderen Hund, zieht stärker an der Leine oder nimmt plötzlich keine Umweltreize mehr wahr. Manche Hunde beginnen bereits hier zu fiepen oder zu bellen.

Lese hier auch noch mal unter Impulskontrolle und Frustrationstoleranz

Wenn der Hund unruhig wird, gehen wir nicht weiter.

Wir gehen stattdessen wieder ungefähr zwei Meter zurück oder so weit, bis der Hund den anderen Hund zwar wahrnimmt, aber noch vernünftig arbeiten kann.

Das ist unser Ausgangspunkt.

Jetzt beginnt der Zickzack

Wir gehen zunächst zu einer Wegeskante und legen dort einige kleine Leckerlis ins Gras oder auf den Boden. Der Hund darf sie in Ruhe suchen.

Hat er die Leckerlis gefunden, gehen wir schräg über den Weg zur gegenüberliegenden Seite.

Dort gibt es wieder einige Leckerlis zum Suchen.

Anschließend geht es erneut schräg auf die andere Seite.

So entsteht nach und nach die typische Zickzacklinie:

linke Wegeskante – suchen – rechte Wegeskante – suchen – linke Wegeskante – suchen.

Dabei bewegen wir uns langsam in Richtung des anderen Hundes.

Das Entscheidende ist aber nicht, wie nah wir kommen.

Das Entscheidende ist, wie lange unser Hund dabei ruhig und ansprechbar bleibt.

Warum ich die Leckerlis nicht einfach aus der Hand füttere

Das Suchen gehört für mich ganz bewusst zu dieser Übung.

Der Hund soll nicht permanent zu mir hochschauen und auf das nächste Leckerli warten. Er bekommt eine konkrete Aufgabe, bei der er seine Nase einsetzen und seinen Blick vom anderen Hund lösen kann.

Wir haben ja schon gelernt, dass wir immer den Hund eine Ersatzhandlung anbieten müssen: zu dieses nicht ( werde nicht unruhig) stattdessen beschäftige dich mit ( suchen) Leider finde ich den Beitrag, der das mit den Ersatzhandlungen in der Tiefe dieses Blogs nicht mehr, ich poste den euch aber noch die Tage ( oder heute noch, so wie ich mich kenne)

Gleichzeitig entsteht durch das Zickzack kein ständiges frontales Zulaufen auf den anderen Hund.

Wir marschieren also nicht zehn Meter geradeaus auf den fremden Hund zu und erwarten dabei, dass unser eigener Hund sich zusammenreißt. Wir bewegen uns seitlich, unterbrechen die Annäherung immer wieder und beschäftigen den Hund zwischendurch mit einer einfachen Aufgabe.

Gerade für Hunde, die sich bei Hundesichtung regelrecht hochschaukeln, kann das einen erheblichen Unterschied machen.

Nicht bis zum Bellen weitergehen

Hier liegt der häufigste Fehler.

Wenn es gerade gut funktioniert, denken viele Menschen:

Prima, dann schaffen wir bestimmt noch fünf Meter.

Und genau diese fünf Meter sind dann zu viel.

Die Zickzack-Übung ist kein Test dafür, wie dicht wir an einen anderen Hund herankommen können.

Wenn ich weiß, dass mein Hund bei ungefähr 15 Metern normalerweise unruhig wird, muss ich beim ersten Training nicht versuchen, auf fünf Meter heranzukommen.

Vielleicht gehe ich kontrolliert bis auf 20 Meter heran, lasse ihn dort noch einmal suchen und beende anschließend die Übung.

Lieber drei erfolgreiche Zickzacklinien als eine vierte, bei der der Hund explodiert.

Am Ende gehen wir wieder weg

Auch das gehört zur Übung.

Wir müssen nicht am anderen Hund vorbeigehen.

Wenn unser Hund die gewünschte Strecke ruhig bewältigt hat, drehen wir um, vergrößern wieder die Entfernung und beenden das Training.

Damit verhindern wir, dass aus jeder Übung irgendwann doch noch eine Situation entsteht, die der Hund nicht bewältigen kann.

Er soll möglichst häufig die Erfahrung machen:

Ich sehe einen Hund. Ich kann trotzdem schnüffeln, suchen und mich bewegen. Und irgendwann gehen wir wieder weg.

Das ist wesentlich wertvoller, als ihn so lange an den anderen Hund heranzuführen, bis er doch wieder bellt.

Wie nah sollte ich an den anderen Hund herangehen?

Dafür gibt es keine feste Meterzahl.

Ein Hund kann bei 30 Metern bereits völlig aufgeregt sein, während ein anderer problemlos bis auf fünf Meter herankommt. Auch Tagesform, Umgebung und der andere Hund spielen eine Rolle.

Deshalb orientiere ich mich nicht an Metern, sondern am Verhalten.

Der Hund sollte noch Leckerlis suchen können, sich wieder vom anderen Hund lösen und sich mit mir bewegen können. Beginnt er dagegen dauerhaft zu fixieren, wird hektisch, nimmt kein Futter mehr oder zieht massiv nach vorne, war die Annäherung zu groß.

Dann hilft meistens nicht mehr Training, sondern zunächst mehr Abstand.

Die Schwierigkeit langsam steigern

Zu Beginn würde ich für die Zickzack-Übung einen Hund auswählen, der selbst möglichst langweilig ist. Ein ruhiger älterer Hund, der einfach neben seinem Menschen sitzt oder steht, ist wesentlich geeigneter als ein junger Hund, der unseren Hund anstarrt, fiept und unbedingt spielen möchte.

Später kann man die Situation schwieriger gestalten.

Der andere Hund kann beispielsweise stehen statt sitzen, sich ein wenig bewegen oder irgendwann ebenfalls langsam auf dem Weg gehen. Auch die Entfernung lässt sich allmählich reduzieren.

Aber immer nur so weit, dass der eigene Hund die Situation noch bewältigen kann.

Was die Zickzack-Übung nicht leisten soll

Sie soll den Hund nicht mit Leckerlis vom anderen Hund „ablenken“, bis dieser endlich verschwunden ist.

Der andere Hund darf durchaus wahrgenommen werden.

Das Ziel besteht vielmehr darin, dass die Hundebegegnung nicht mehr automatisch eine immer weiter ansteigende Erregungskurve auslöst.

Hund sehen, schneller werden, fixieren, Leine spannen, bellen, in die Leine springen – genau diese Kette wollen wir möglichst früh unterbrechen.

Stattdessen bekommt der Hund eine andere Strategie:

Hund wahrnehmen – Abstand halten – bewegen – schnüffeln – wieder weitergehen.

Und genau deshalb beginne ich die Übung lieber mit zu viel Abstand als mit zu wenig.

Ein Hund lernt bei Hundebegegnungen nämlich nicht dadurch Ruhe, dass wir ihn immer wieder bis an seine Belastungsgrenze bringen. Er braucht vor allem Situationen, in denen er erlebt, dass er einen anderen Hund sehen kann, ohne die Kontrolle zu verlieren.

Die Zickzack-Übung schafft dafür einen sehr einfachen und gut kontrollierbaren Rahmen.


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2 Kommentare zu „Hundebegnungen meistern“

  1. Avatar von Heidi Heinzlmeier
    Heidi Heinzlmeier

    Die Übung hört sich sehr gut an. Wie oft in der Woche sollte man das üben?

    1. Avatar von Daniela Dührkop

      Höchsten einmal pro Woche, dass ist mental sehr anstrengend

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