BOB auf der Hundeausstellung – was passiert danach?
BOB bedeutet Best of Breed, also „Bester der Rasse“. Wer auf einer Hundeausstellung das BOB gewinnt, hat an diesem Tag den besten Hund seiner Rasse gestellt – zumindest nach der Entscheidung des jeweiligen Richters. Doch was passiert eigentlich danach? Muss man noch einmal laufen? Bekommt man automatisch das CACIB? Und darf man nach Hause fahren?
Gerade beim letzten Punkt gibt es für frischgebackene BOB-Gewinner manchmal eine kleine Überraschung: Der Ausstellungstag ist nämlich noch lange nicht vorbei.
Hier erkläre ich noch mal alle Begriffe zur Hundeausstellungen und hier allgemein Alles über Hundeausstellungen und wie man dem Hund
stehen für eine Hundeshow beibringt und wie Luca sich auf seinem ersten Ringtraining gezeigt hat
Bedeutet BOB automatisch CACIB?
Nein. BOB und CACIB sind zwei unterschiedliche Auszeichnungen.
Das CACIB ist das Certificat d’Aptitude au Championnat International de Beauté. Vereinfacht gesagt handelt es sich dabei um eine Anwartschaft auf einen internationalen Schönheitstitel der FCI.
Ein reguläres CACIB können Hunde aus den dafür zugelassenen Erwachsenenklassen erhalten. Dazu gehören je nach Ausstellung beziehungsweise Reglement insbesondere:
- Zwischenklasse
- Offene Klasse
- Gebrauchshundeklasse
- Championklasse
Dabei werden CACIB und BOB nicht einfach gleichzeitig vergeben. Zunächst werden die einzelnen Klassen gerichtet und die entsprechenden Klassenentscheidungen getroffen. Anschließend werden die für das CACIB berechtigten Hunde miteinander verglichen und das CACIB vergeben. Danach folgen weitere Vergleiche, aus denen schließlich unter anderem BOB – Best of Breed und BOS – Best of Opposite Sex hervorgehen.
Deshalb kann ein erwachsener Hund, der aus einer CACIB-berechtigten Klasse kommt und am Ende BOB wird, bereits vorher das CACIB gewonnen haben.
Anders sieht es bei einem Junghund oder Veteranen aus. Auch ein Hund aus diesen Altersklassen kann am Ende Best of Breed werden. Er erhält deshalb aber nicht plötzlich das reguläre CACIB der erwachsenen Hunde. Für Junioren und Veteranen gibt es bei internationalen FCI-Ausstellungen die entsprechenden Junior-CACIB- beziehungsweise Veteran-CACIB-Anwartschaften.
Das ist ein wichtiger Unterschied, denn BOB sagt zunächst nur: Dieser Hund wurde zum besten Vertreter seiner Rasse gewählt. Es sagt nicht, welche Anwartschaft er auf dem Weg dorthin erhalten hat.
Du hast BOB gewonnen – und jetzt?
Jetzt heißt es zunächst einmal: warten.
Wer zum ersten Mal BOB macht, rechnet damit vielleicht gar nicht. Die Rasse ist fertig gerichtet, der Richterbericht ist geschrieben, die Schleifen sind verteilt – aber für den BOB-Hund steht noch ein weiterer Auftritt an: der Ehrenring.
Und der kann einige Stunden später stattfinden.
Wenn deine Rasse beispielsweise bereits gegen 12 Uhr fertig gerichtet ist, der Ehrenring aber erst um 15 oder 16 Uhr beginnt, hast du plötzlich ziemlich viel Zeit totzuschlagen. Dein Hund übrigens auch.
Das ist einer der Gründe, warum Ausstellungstage mit einem BOB erstaunlich lang werden können. Man sitzt herum, geht mit dem Hund eine Runde, sucht sich etwas zu essen, trifft Bekannte, schaut sich andere Rassen an und versucht vor allem, den Hund so unterzubringen, dass er sich ausruhen kann. Schließlich soll er einige Stunden später noch einmal möglichst frisch und aufmerksam im Ring stehen.
Meistens trifft man spätestens jetzt auch die anderen erfolgreichen Vertreter seiner Rasse wieder: etwa den Best Junior und den Best Veteran, sofern diese Wettbewerbe entsprechend ausgeschrieben sind. Denn auch für sie können später Wettbewerbe im Ehrenring anstehen.
Warum ich BOS manchmal fast praktischer fand
BOS bedeutet Best of Opposite Sex, also bester Hund des anderen Geschlechts zum BOB-Gewinner.
Und ich gebe zu: Ich fand BOS auf manchen Ausstellungen ausgesprochen angenehm.
Man konnte sein CACIB gewonnen haben, hatte damit genau die Anwartschaft in der Tasche, wegen der man eigentlich zur Ausstellung gefahren war – und anschließend war der eigene Wettbewerb beendet.
CACIB gewonnen, BOS gemacht, Sachen zusammenpacken und nach Hause.
Beim BOB sieht die Sache anders aus. Natürlich ist BOB die prestigeträchtigere Auszeichnung. Man hat schließlich den besten Hund der gesamten Rasse an diesem Tag gestellt. Dafür kauft man sich allerdings gelegentlich noch einige Stunden Ausstellungshalle dazu.
Und finanziell ist der große Unterschied erst einmal überschaubar: Ruhm und Ehre.
Das eigentliche züchterische beziehungsweise titelbezogene Ziel, beispielsweise das CACIB als Anwartschaft für einen internationalen Championtitel, hat ein entsprechender erwachsener Hund zu diesem Zeitpunkt längst erreicht. Mit dem BOB beginnt dagegen der Teil der Ausstellung, in dem es darum geht, wie weit dieser Hund über seine eigene Rasse hinaus kommt.
Denn im Ehrenring wartet die nächste Stufe: Dort trifft dein BOB-Hund auf die BOB-Gewinner anderer Rassen seiner FCI-Gruppe.

Was macht man mit einem BOB-Hund bis zum Ehrenring?
Zwischen dem Ende der Rassebewertung und dem Ehrenring können mehrere Stunden liegen. Langweilig werden muss einem auf einer großen Hundeausstellung trotzdem nicht unbedingt.
Auf vielen Veranstaltungen gibt es ein großes Rahmenprogramm, zahlreiche Verkaufsstände und natürlich Hunderassen, die man sonst kaum einmal zu Gesicht bekommt. Wer ohnehin schon einmal da ist, kann die Zeit wunderbar nutzen, um sich andere Ringe anzuschauen oder ein bisschen einzukaufen.
Ich habe früher mit meinem Flatcoated Retriever beispielsweise gerne beim Dog Diving mitgemacht, das auf vielen größeren Hundeveranstaltungen angeboten wird.
Dabei wird ein Spielzeug in ein Wasserbecken geworfen und der Hund springt von einer Rampe hinterher. Gemessen wird die Sprungweite. Je nach Veranstaltung gibt es Tageswertungen und teilweise Qualifikationsmöglichkeiten für weitere Wettbewerbe oder Finals.
Allerdings gibt es zwei praktische Probleme: Beim Dog Diving können die Warteschlangen ziemlich lang werden – und anschließend hat man einen klatschnassen Hund.
Wer später noch in den Ehrenring muss, sollte deshalb gut abschätzen, ob genügend Zeit bleibt. Ein Retriever trocknet schließlich nicht auf Knopfdruck. Wenn der Hund später noch einmal herausgeputzt im Ehrenring erscheinen soll, würde ich nicht zehn Minuten vorher mit ihm ins Wasser springen.
BOB als Junior – Paul ist dafür ein gutes Beispiel
Dass BOB nicht automatisch bedeutet, dass ein Hund das reguläre CACIB oder CAC bekommen hat, lässt sich an Pauls letzter Ausstellung sehr schön erklären.
Paul war damals noch Junior. Er gewann zunächst seine Jugendklasse und wurde schließlich Best Junior. Danach durfte er bei der Entscheidung um den besten Hund der Rasse mitlaufen.
Und tatsächlich gewann er auch das BOB – Best of Breed.
Das bedeutete aber nicht, dass Paul deshalb die Anwartschaft des erwachsenen Siegerhundes bekam. Die entsprechenden Erwachsenen-Anwartschaften blieben beim dafür qualifizierten erwachsenen Dackel. Paul gewann als Junior trotzdem das BOB und war damit der beste Vertreter seiner Rasse an diesem Tag.
Für mich hatte das allerdings eine interessante Konsequenz: Am Nachmittag standen gleich zwei Auftritte im Ehrenring an.
Einmal musste Paul als BOB-Gewinner weiter antreten. Zusätzlich war er als bester Junior für den entsprechenden Juniorenwettbewerb qualifiziert, sofern dieser auf der betreffenden Ausstellung durchgeführt wurde.
Ein Hund kann also an einem einzigen Ausstellungstag durchaus für mehrere Wettbewerbe im Ehrenring qualifiziert sein.
Nach dem BOB kommt die FCI-Gruppe
Wer BOB gewinnt, tritt anschließend nicht sofort gegen sämtliche Hunde der Ausstellung an.
Zunächst geht es in die entsprechende FCI-Gruppe.
Beim Dackel ist das besonders übersichtlich, denn der Dachshund bildet eine eigene Gruppe: FCI-Gruppe 4 – Dachshunde.
Hier können die BOB-Gewinner der verschiedenen Dackelvarietäten aufeinandertreffen. Bei den von der FCI unterschiedenen Kombinationen aus Größe und Haarart sind das bis zu neun Varietäten:
Kurzhaar, Langhaar und Rauhaar jeweils als Standard-, Zwerg- und Kaninchendackel.
Der Sieger dieses Gruppenwettbewerbs erhält je nach Bezeichnung der Ausstellung den entsprechenden Gruppensieg – Best in Group beziehungsweise BOG/BIG.
Bei anderen FCI-Gruppen sieht das natürlich ganz anders aus. Dort können Hunde völlig verschiedener Rassen gegeneinander antreten. In der FCI-Gruppe 8 beispielsweise treffen Retriever, Stöberhunde und Wasserhunde aufeinander.
Jetzt geht es also nicht mehr darum, welcher Hund der beste seiner eigenen Rasse ist. Der Richter muss Hunde verschiedener Rassen anhand ihres jeweiligen Rassestandards miteinander vergleichen.
Best Junior ist noch einmal eine ganz andere Hausnummer
Besonders beeindruckend kann der Wettbewerb um den besten Junior sein.
Hier läuft nicht einfach nur eine einzige Rassegruppe. Je nach Ausschreibung können die besten Junghunde sehr vieler verschiedener Rassen zusammenkommen.
Auf einer großen internationalen Ausstellung kann das ein enormes Starterfeld ergeben. Nicht jede gemeldete Rasse hat zwangsläufig einen qualifizierten Junior, und der genaue Modus hängt von der jeweiligen Ausstellung ab. Trotzdem können dort sehr viele Hunde zusammenkommen.
Vom winzigen Gesellschaftshund über Dackel und Terrier bis zur Deutschen Dogge steht dann plötzlich alles im selben Wettbewerb.
Wer bisher nur seinen normalen Rassering kennt, erlebt spätestens hier eine völlig andere Dimension einer Hundeausstellung.
Achtung: Der Ehrenring beginnt für euch schon vor dem eigentlichen Auftritt
Das ist einer der wichtigsten Tipps, die ich einem unerfahrenen Aussteller geben würde:
Wartet nicht darauf, dass eure Rasse offiziell in den großen Ehrenring gerufen wird, bevor ihr euren Hund präsentiert.
Vor dem eigentlichen Ehrenring gibt es einen Sammel- beziehungsweise Vorbereitungsbereich, in dem die Teilnehmer auf ihren Auftritt warten. Und genau dort sollte man aufmerksam sein.
Je nach Veranstaltung und Wettbewerb verschaffen sich Richter beziehungsweise Ringpersonal bereits dort einen Eindruck vom Starterfeld. Bei sehr großen Teilnehmerzahlen kann dort bereits eine Vorauswahl stattfinden.
Deshalb ist das definitiv nicht der richtige Zeitpunkt, um den Hund zusammengerollt in der Ecke schlafen zu lassen, während man selbst gemütlich auf dem Handy herumtippt.
Beobachtet, was um euch herum passiert.
Wenn die Richter durch die Reihen gehen und sich die Hunde ansehen, sollte euer Hund präsentationsbereit sein: ordentlich hingestellt, aufmerksam und so gezeigt, wie ihr ihn auch im normalen Ausstellungsring präsentieren würdet.
Natürlich soll ein Hund während der stundenlangen Wartezeit schlafen und sich erholen dürfen. Aber wenn die Bewertung beziehungsweise Vorauswahl beginnt, muss man diesen Moment erkennen.
Sonst kann es passieren, dass man glaubt: „Unser großer Auftritt kommt doch erst gleich“ – während sich der Richter längst ein Bild von den Hunden macht.
Und dann kommt der große Auftritt
Der Ehrenring fühlt sich völlig anders an als der normale Rassering.
Die einzelnen Rassen beziehungsweise Teilnehmer werden aufgerufen und laufen in den großen Showring ein. Häufig nennt der Sprecher die jeweilige Rasse, manchmal gibt es zusätzlich ein paar Informationen dazu.
Dann heißt es beispielsweise:
„Hier kommt der Flatcoated Retriever.“
Oder:
„Der Langhaardackel, Standard.“
Und dann läuft man los.
Großer Ring, Scheinwerfer, Musik, Zuschauer – und je nach Ausstellung auch Kameras.
Damit sollte man tatsächlich rechnen. Große Ausstellungen und Ehrenringwettbewerbe werden teilweise aufgezeichnet oder gestreamt, und Ausschnitte können später im Internet oder auf YouTube auftauchen.
Wer dort mit seinem Hund einläuft, steht also plötzlich nicht mehr irgendwo hinten in Halle 6 in einem kleinen Rassering. Das ist eine richtige Show.
Und ja: Das ist aufregend.
Selbst wenn man schon häufig ausgestellt hat, ist es etwas Besonderes, mit seinem eigenen Hund als BOB-Gewinner in einen großen Ehrenring einzulaufen.
Was passiert, wenn ihr auch noch die Gruppe gewinnt?
Dann ist immer noch nicht Schluss.
Wer seine FCI-Gruppe gewinnt, qualifiziert sich für die nächste Stufe: Best in Show – BIS.
Dort treffen schließlich die Gruppensieger aufeinander und es wird der beste Hund der gesamten Ausstellung ermittelt.
Mit meinem Flatcoated Retriever Floyd habe ich es tatsächlich mehrfach geschafft, die Gruppe zu gewinnen. Dann steht man plötzlich da und stellt fest: Jetzt geht es tatsächlich noch um Best in Show.
Je nach Ausstellung findet dieser Wettbewerb noch am selben Tag statt. Bei mehrtägigen Veranstaltungen können entsprechende Finalentscheidungen aber auch später stattfinden. Deshalb sollte man sich unbedingt den Zeitplan und die Bedingungen der konkreten Ausstellung ansehen.
Es gibt im Ehrenring viel mehr als nur BOB und Best in Show
Das ist ebenfalls wichtig: Schaut euch morgens den Zeitplan für den Ehrenring an.
Meistens findet man in der Nähe des Ehrenrings beziehungsweise im Ausstellungskatalog oder Veranstaltungsprogramm einen genauen Ablaufplan.
Denn neben den klassischen Gruppenentscheidungen können weitere Wettbewerbe ausgeschrieben sein, zum Beispiel:
- Best Junior
- Best Veteran
- Bester Gebrauchshund
- Zuchtgruppen
- Paarklassen
- Nachzuchtgruppen
- weitere Sonderwettbewerbe des Veranstalters
Welche Wettbewerbe angeboten werden, ist keineswegs auf jeder Ausstellung identisch.
Ich habe auf einer ausländischen Ausstellung sogar schon einen zusätzlichen Wettbewerb für besonders erfolgreiche Hunde aus Deutschland erlebt, weil dort außergewöhnlich viele deutsche Aussteller vertreten waren.
Deshalb lohnt sich der Blick auf das Programm immer. Nur weil ihr eure Rasse gewonnen habt, heißt das nicht zwangsläufig, dass ihr am Nachmittag nur einen Termin habt.
Und was gewinnt man im Ehrenring?
Je nach Ausstellung gibt es Pokale, Rosetten, Schleifen, Sachpreise oder andere Ehrenpreise.
Reich wird man davon normalerweise nicht.
Aber wenn man mit seinem eigenen Hund zwischen all den Rassesiegern steht und tatsächlich aufgerufen und platziert wird, ist das schon etwas Besonderes.
Vor allem einen Gruppensieg vergisst man nicht so schnell.
Und spätestens dann versteht man auch, warum die Leute nach einem BOB noch stundenlang auf der Ausstellung herumhängen, obwohl sie ihr eigentliches Ziel – beispielsweise CAC oder CACIB – längst erreicht haben.
Der langweilige Teil ist das Warten. Der Ehrenring selbst ist die Belohnung dafür.







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